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Hahnenklee/Harz vom 10.01.2017 – 20.01.2017
Kurz vor Kathrins Geburtstag ergibt sich eine trübe und regnerische Wetterprognose für das norddeutsche Flachland. Ganz anders sieht das für die Höhen des Harzes aus, wo leichte Minustemperaturen und Schneefall angesagt ist – es bleibt also liegen!
Daraus entsteht
die spontane Idee, ein paar Tage über den Geburtstag im Harz zu verbringen. Wir
fragen in unserem bevorzugten Restaurant „Cafè Steffens“ in Hahnenklee nach
einer Unterkunft an und können dort eine kleine, gemütliche Ferienwohnung –
zunächst bis zum 17.01.2017 – anmieten. Pro Tag kostet uns das Appartement €
55,-- inkl. Bettwäsche, Handtücher und Endreinigung, was absolut o.k. ist.
Frühstück und Essen haben wir selbst in der Hand.
Also warme Sachen, Langlaufausrüstung inkl. Ski einpacken und los geht’s mit dem Boxer. Auf der Fahrt ist noch nicht viel Winterliches zu sehen, aber kaum sind wir in Goslar, zeigt sich eine Puderzuckerschicht, die weiter nach oben nach Hahnenklee schon eine nette Schneedecke annimmt. Gegen 14.00 Uhr sind wir mit den Betreibern zur Schlüsselübergabe verabredet, da dort dienstags eigentlich Ruhetag ist. Alles klappt prima und wir ziehen mit Sack und Pack ein. Einen Privat-Parkplatz gibt es auch, was sich später noch als äußerst hilfreich herausstellt.
Sofort zieht es uns raus in die Winterlandschaft und so spazieren wir eine kurze Runde von Hahnenklee über den sogenannten „Märchenweg“ (wo Bernd schon mit seinem Opa Eichhörnchen gefüttert hat) in den Ortsteil Bockswiese und anschließend durch den Wald zurück. Die kühle Luft und die Bewegung machen uns hungrig und außerdem wird es schon dunkel! So geht’s jetzt zum Essen in das benachbarte Restaurant „Kachelofen“, in dem man – genau wie bei Café Steffens – rustikal und gut essen kann.
Am Nachbartisch bestellt sich eine ältere Dame einen „Kräutertee“ und möchte anschließend wissen, welche Kräuter genau hierin enthalten sind – es handelt sich hier um einen handelsüblichen Teebeutel.....Er wiederum fummelt die ganze Zeit an seinem Smart-Phone herum und preist die Errungenschaften der neuen Technik, die seine Frau so gar nicht zu schätzen weiß....
Nach einem leckeren Essen zieht es uns noch einmal hinaus zu der Glühweinbude, die wir vorhin gesehen haben – die ist aber heute (Di., 17.00 Uhr) schon geschlossen – schade...!
Somit gönnen wir uns einen selbstgemachten Grog in unserem Appartement und genießen den Abend in dem beschaulichen Örtchen, in dem langsam die warmen Lichter die Stuben erleuchten.
Am nächsten Tag ist der Schnee recht breiig und einige richtig heftige Böen raten uns, den Wald heute zu meiden. Also erkunden wir den Ort: Der romantische Kurpark mit seinem Kranichsee liegt nur wenige Schritte entfernt, wir folgen der Lopienausschilderung (z.Zt. nicht gespurt) und gehen in Richtung des Hotelkomplexes auf dem Berg. Über die zentrale Triftstraße erreichen wir die Fußgängerzone, wo auch die Seilbahnen auf den Bocksberg abgehen.
Danach fahren wir mit dem Boxer nach Clausthal-Zellerfeld zum Einkaufen und kommen über eine hübsche, kurvige Straße durch Wildemann und Lautenthal zurück.
„Zu Hause“ gibt’s einen Snack bei Kaffee und Tee. Bernd blickt aus dem Fenster, sieht einen weißen Transit und ruft: „Da ist Dirk!“ Sein Bruder hatte sich heute morgen telefonisch nach uns erkundigt und Bernd hat wohl geahnt, dass er kommen würde. Jedenfalls ist er jetzt da und hat sich ebenfalls bei Café Steffens für eine Nacht eingemietet, um Kathrins Geburtstag mitzufeiern und Kindheitserinnerungen mit seinem Bruder aufzufrischen.
Wir gehen gemeinsam essen und schnacken noch eine ganze Weile miteinander. Später feiern wir gemeinsam in Kathrins Geburtstag hinein....
Am nächsten Morgen (12.01.) starten wir nach dem Frühstück zu einem gemeinsamen Spaziergang (inkl. Hund „Milow“) nach Bockswiese und zurück. Weder Dirk noch Milow sind lange Spaziergänge gewohnt und so reicht ihnen diese Erfahrung. Gegen 11.00 Uhr starten die beiden wieder gen Heimat.
Wir holen unsere Wanderstöcke und starten jetzt erst richtig los: Über den Auerhahnweg geht’s zunächst bis zum Kreuzeck, ab da den steilen Weg den Berg hoch, an der Rodelbahn entlang auf den Gipfel des Bocksbergs, wo heute wenig los ist, da es immer noch recht windig und „schmuddelig“ ist. Wir arbeiten wir uns die Teerstraße herunter und weiter über den Auerhahnweg zurück (den können wir nur nehmen, da die Waldarbeiter gerade Pause machen und uns einer von ihnen durchwinkt).
Wieder im Ort angekommen, haben wir uns jetzt einen Glühwein und ein Würstchen im Brot verdient!
Es folgt ein bisschen Biathlon gucken, die Dusche und ein fürstliches Hirschgoulasch bei Café Steffens.
Am Abend gibt es Sekt im Appartement und diverse Glückwünsche per Internet, während sich Tief „Egon“ seinen Weg durch Norddeutschland bahnt: Unwetterwarnung Schnee/Sturm in Südniedersachsen – und tatsächlich: über Nacht fallen mind. 20 cm Neuschnee....
Der Freitag, der 13. Januar, beginnt mit Schneegestöber und einem regelrechtem „Winter-Wonderland“! Vormittags kommen wir aufgrund des Schneefalls nur bis zum kleinen Supermarkt. Gegen Mittag hört es auf zu schneien und wir laufen durch eine tief verschneite, unberührte Schnee-Landschaft zum Kreuzeck und bahnen uns unseren Weg durch den Wald noch vor den Räumgeräten. Total idyllisch und romantisch! Wieder im Ort angelangt, haben wir uns wieder einen Glühwein an der Bude verdient! Anschließen räumen wir den total eingeschneiten Boxer so weit es geht von seinen Schneelasten frei – wer weiß, was das noch gibt?
Später folgen wieder Biathlon, Dusche und ein leckeres Essen im Restaurant.
Am Samstag passiert etwas, was wir in solchem Ausmaß in Hahnenklee noch nie erlebt haben: Ganz Norddeutschland fällt in den Harz zum Schneevergnügen ein und somit auch in dieses sonst so verschlafene Örtchen. Der Bocksberg lockt mit zwei Bergbahnen und einigen eher leichten Pisten, Langlaufloipen und geräumten Wanderwegen durch die grandiose Winterlandschaft.
Es nimmt schnell überhand: Schon am Vormittag sind die wenigen Parkplätze, die zusätzlich durch die nach der Räumung aufgehäuften Schneeberge blockiert sind, endgültig belegt. Auch der Privat-Parkplatz von Café Steffens ist rappelvoll (jetzt bloß nicht den Boxer bewegen!) ! Es bilden sich lange Schlangen an den Liften, die Pisten und die Rodelbahn sind gerappelt voll, der Ort quillt über vor Touristen, die alle zur gleichen Zeit etwas Essen möchten. An Glühwein am Stand ist gar nicht zu denken! Am Nachmittag wird die Zufahrtsstraße nach Hahnenklee gesperrt....
Wir halten uns möglichst weit weg vom Massentreiben, spazieren eine Weile über den Auerhahnweg, der heute auch gut besucht ist, um später in den ungeräumten Wald einzutauchen. Nach dieser sehr anstrengenden Tour sind wir froh, wieder „zu Hause“ zu sein mit einem Grog!
Dasselbe geschieht auch am Sonntag, nur dass die Menschen da noch rücksichtsloser und aggressiver auf der Piste und der Rodelbahn auftreten. Wir ziehen wieder in „menschenleerere“ Gefilde ab, sehen zu, dass wir zu möglichst ungewöhnlichen Zeiten etwas zu Essen bekommen und halten uns aus dem „öffentlichen“ Wochenende fern....
Über Internet haben wir ein zum Verkauf stehendes Haus in Wildemann entdeckt, dass u.a. für Vermietung genutzt werden kann. Da es zunächst sehr preiswert erscheint, befassen wir uns längere Zeit mit dem Objekt und seinen Möglichkeiten, nehmen aber nach Studium des Exposés und Außenbesichtigung Abstand davon. War aber eine interessante Überlegung und ein willkommener Zeitvertreib.
Wir haben inzwischen beschlossen, unseren Aufenthalt in dem Winter-Wonderland noch bis Freitag, 20.01., zu verlängern – auf keinen Fall noch ein Wochenende! Ab Montag wird es wieder ruhig, wenngleich auch in der Woche einige Touristen mehr da sind als bei unserer Ankunft. Es schneit immer wieder, so dass wir insgesamt dreimal unseren Boxer vom Schnee befreien müssen. Im Ort sind sie jetzt permanent dabei, die Schneemassen aus den Straßen und von den Parkplätzen zu räumen, um für den kommenden Ansturm gerüstet zu sein.
Wir genießen die tief verschneite glitzernde Landschaft, die Äste an den Fichten hängen unter dem Gewicht der Schneelasten durch, der Wind formt bizarre Zacken an den Büschen, der Kurpark hat eine weiße Mütze auf, zwei draußen stehende Motorräder leider auch.
Es ist kalt und die Betätigung im Schnee macht unheimlich Spaß! So wandern wir immer wieder gern rund um oder auf den Bocksberg. Bernd hat zusätzlich das Langlaufen auf der jetzt gespurten, fast leeren Piste wieder für sich entdeckt: Die 5 km-Runde geht von Tag zu Tag besser und er hat einen Heidenspaß sich auszupumpen! Ärgerlich sind nur die Fußgänger, die trotz Ausschilderung einer Loipe ihre Fußstapfen hierin hinterlassen müssen....
Kathrin kommt aufgrund ihres „Klumpfusses“ derzeit nicht in ihre Langlaufschuhe und geht währenddessen allein spazieren.
Abends lassen wir es uns jeweils bei gutem Essen bei Café Steffens gut gehen und genießen unsere „Winterzeit“ in vollen Zügen!
Beim letzten Abendessen sitzt am Nebentisch eine ältere Dame, die einen Kräutertee bestellt und genau deren Inhaltsstoffe erfahren möchte... und ein Mann mit einem Smart-Phone, der offensichtlich ein Geburtstags-Jingle sucht......
Zum Freitag hin zeichnet sich zumindest der gleiche Hype ab wie die Woche davor! Außerdem kommen erste Warnungen bzgl. abbrechender Äste oder gar ganzer Bäume aufgrund der feuchteren Schneelasten und aufkommendem Wind. Zeit um Abzuhauen!
Wir versuchen, die letzten Schneereste vom Boxerdach zu entfernen; er bleibt jedoch ein Irokese, was – trotz mehrerer Bekämpfungsversuche - noch bis zu Hause anhält. Auf der Fahrt aus dem Harz kommt uns schon wieder die Wochenendkarawane entgegen und das Radio vermeldet diverse Probleme......ohne uns!