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Report 2016


Fjordnorwegen-Motorradreise vom 21. Juni – 14. Juli 2016

 

Bernd hat unsere erste längere gemeinsame Tour mit dem Motorrad geradezu generalstabsmäßig vorbereitet: Neues Koffersystem, Schlafsäcke, selbst aufblasende Iso-Matten und Kopfkissen in regendichten Taschen, funktionelle Küchenausstattung und Kathrins persönliche Ausstattung mit Regenklamotten inkl. Handschuhe!

Jetzt muss „frau“ sich nur noch für die persönlichen Sachen entscheiden – und nimmt viel zu viel mit, wie sich im Nachhinein herausstellt.

Auf- und Absteigen mit dem ganzen Gepäck haben wir ja schon ein wenig auf der Tour zu Johanning ins Weserbergland geübt und klappt jetzt schon recht ordentlich!

21. Juni (Tag 1): Fahrt nach Stadum

Gegen 10.00 Uhr starten wir dann bei wolkigem Himmel zu unserer ersten Etappe nach Stadum nahe der dänischen Grenze. Dort wohnen Kalli und Mugge, bei denen wir heute übernachten dürfen. Zunächst geht’s über die weniger befahrene A24 bis Bornhöved und anschließend über möglichst kleine Straßen quer durch Schleswig-Holstein. In Breiholz queren wir den Nord-Ostsee-Kanal nach einem kleinen Snack beim Fähranleger. Viele Dörfer, durch die wir kommen, sind hübsch geschmückt: häufig hängen bunte Fähnchen an den Hecken, andere haben sich gelbe Säcke mit buntem Inhalt auf die Straße gelegt.

So kommen wir am frühen Nachmittag bei unseren Gastgebern an, die uns fröhlich in Empfang nehmen, uns ihre Garage zur Verfügung stellen und mit Kaffee und Kuchen versorgen. Ihre Kinder Silke und Kai schauen auch noch auf einen Klönschnack herein.

Bei jetzt sonnigen 22 °C grillen wir und sitzen noch lange draußen. Ein lustiger Abend!

Fahrzeit: 3:12 Kilometer: 221,1

22. Juni (Tag 2); Anreise zur Fähre Hirtshals - Bergen

Heute spielt das Wetter nicht so schön mit: Zwar werden aus bedeckten 18 °C zunächst wolkige 22°C, im Verlauf des Tages regnet es aber immer häufiger und heftiger, so dass auf der Fahrt die Regenklamotten das erste Mal zum Volleinsatz kommen.

Nach reichhaltigem Frühstück fahren wir gegen 10.20 Uhr los und passieren hinter Meddelby die dänische Grenze an einem kleinen Übergang, der aber auch – infolge der Flüchtlingsproblematik – kontrolliert wird. Der Zöllner erkennt uns als „harmlose Deutsche“ und wünscht uns eine gute Reise.

Aufgrund der Wetterlage haben wir uns entschieden, die schnellste Strecke zu nehmen. So düsen wir Richtung Kolding, wo wir auf die Autobahn auffahren. Mit diversen Stopps geht es über Aarhus und Aalborg nach Hirtshals, wo wir ca. gegen 16.00 Uhr ankommen.

Wir suchen uns in der „Innenstadt“ zunächst einen Geldautomaten, da wir keine dänischen Kronen dabei haben und wir nicht wissen, wie auf der (dänischen) Fähre gezahlt werden kann. Anschließend verschlägt es uns in einen eigentlich asiatischen Imbiss. Da wir aber die ausschließlich in dänisch bezeichneten Gerichte nicht lesen können, entscheiden wir uns für die Bebilderten: Es folgt eine Hähnchen-Pita und ein Burger – beides echt lecker! Da Ganze wird von einer umfangreichen An- und Ausziehprozedur begleitet, denn es regnet immer noch!.

Gegen 17.30 Uhr fahren wir zum Fähranleger. Mit unserer Vorbuchung geht das Einchecken turbo-schnell, wir sind die ersten und stehen nun auf „Lane 1“ auf Platz 1. Hinter uns reiht sich ein englischer Biker ein, der ganz nett, aber aufgrund seines Bartes und der Tatsache, dass er die Zähne kaum auseinander kriegt, nur sehr schlecht zu verstehen ist. Nach und nach füllt sich Lane 1 und man kommt unter den Bikern in Gespräch über geplante Routen und bereits gemachte Erfahrungen. Gegen 19.00 Uhr werden wir an Bord gelassen. Jetzt werden die Moppeds mit bereitgestellten Gurten festgezurrt (es empfiehlt sich ein Puffer zwischen Sitzbank und Gurt) und die vorher zur Übernachtung gepackten Fährtaschen und Tankrucksäcke auf die Kabinen gebracht. Die Kabine ist einfach aber funktionell mit 2 Einzelbetten (eines davon klappbar), Garderobe und dem auf Schiffen üblichen Bad. Wir gönnen uns eine Dusche und begeben uns gleich danach an Deck. Es hat inzwischen nicht nur aufgehört zu regnen, jetzt kommt auch noch die Sonne raus und begleitet uns beim Auslaufen kurz nach 20.00 Uhr.

Danach holen wir uns je eine kleine Pizza und 1 Bier im Restaurant. Ein 0,3 Bier kostet hier 45 DKR. Später entdecken wir, dass nach dem Auslaufen der Duty-Free-Shop geöffnet hat. Hier gibt es ein 6-Pack 0,3 Bier zu 35-39 DKR und darf auch an Bord verzehrt werden! Der Abend ist gerettet und wir nehmen auch noch ein 6-Pack für morgen Abend mit!

In der Dämmerung verfolgen wir den Schiffsverkehr in der Umgebung und fallen schließlich gegen 23.00 Uhr todmüde ins Bett.

Fahrzeit: 4:45 Kilometer 398,5


23. Juni (Tag 3): Bergen – Tvinde (erste Eindrücke nach der Fähre)

Das Schiff fährt von Hirtshals über Stavanger nach Bergen. Um 5.50 Uhr werden wir aus unseren süßesten Träumen durch eine – wahrscheinlich irrtümlich in alle Kabinen geleitete – Lautsprecheransage gerissen, die die Ankunft in Stavanger um 6.30 Uhr avisiert. Nach dem Auslaufen schlafen wir noch einmal ein, bis der Wecker um 8.00 Uhr seine Pflicht tut.

Wir haben uns ein kleines Frühstück mitgebracht, das wir in der Kabine verzehren. Anschließend holen wir uns im Restaurant 2 Kaffee und genießen bei schönem Wetter und 19 °C die Fahrt durch die Schärenlandschaft in Richtung Bergen. Bergen bei gutem Wetter? Das wäre ja mal was!

Gegen 10.00 Uhr ziehen wir uns die Moppedsachen an, da wir gegen 10.30 die Kabine räumen müssen. Zwischen 10.30 und 11.00 Uhr wird das Autodeck zum Einladen freigegeben. Den Andrang kann man sich vorstellen! Und das mit Sack und Pack und Helmen.....

Danach geht’s nochmal an Deck und siehe da: Das Wetter trübt sich mehr und mehr ein je näher wir an Bergen herankommen. Dort fängt es dann auch an zu regnen – wie es halt in Bergen üblich ist.

Zwischendurch halten wir noch ein Pläuschchen mit dem einen oder anderen Biker. Der gestern total durchnässte Engländer erzählt von sauna-artigen Verhältnissen in seiner Kabine beim Trocken seiner Lederhose über Nacht. Von einem sehr netten Thüringer erhalten wir den Tipp, sich mal den Gamle Strynfjellvegen (sehr alte Passstraße) anzuschauen, die in Teilen noch als Schieferstrecke vorhanden ist.

Um 12.25 Uhr erfolgt der Aufruf, sich zu den Fahrzeugen zu begeben, um 12.30 Uhr legt die Fähre pünktlich in Bergen an, um 12.45 Uhr rollen wir aus dem Schiffsbauch Richtung Fischmarkt.

Hier decken wir uns erst einmal mit Wildlachs ein, wobei Kathrins Augen dabei sehr groß sind (es wird ein Einkauf für ca. 50,--, aber mit erstklassiger Qualität!).

Mit Regenklamotten an, bahnen wir uns jetzt den Weg aus der Stadt heraus, der durch mehrere Tunnels mit nur kleinen „Lichtblicken“ führt. Hinter jedem der einzelnen Tunnels wird es trockener und wärmer – und es gibt keine Gelegenheit, die Regensachen auszuziehen! Wir fühlen uns wie im Bratschlauch bis endlich eine Bushaltestelle Gelegenheit zum Ausziehen bietet!

Schon befinden wir uns inmitten der wunderbaren Fjordlandschaft: steile Felswände, die im Wasser stehen erinnern uns an den Milford-Sound in Neuseeland oder die Felsenmassive bei Grenoble. Gepflegte Dörfer mit typischen Holzhäusern, meist in rot gestrichen, fangen unsere Blicke. Es ist beeindruckend hier und es wird immer wärmer!

Wir wollen – auch aufgrund des ersten Tages und der vorangeschrittenen Zeit heute nur eine kleine Etappe machen. Also tanken wir nach rd. 100 km in Voss und suchen uns unsere erste Hütte. In Tvinde werden wir an einem sehr touristischen Campingplatz mit fotogenem Riesenwasserfall fündig. Der zieht auch Busse mit Asiaten an, die hier auch gern Souvenirs kaufen, wenn es denn mit der Sprache klappt (Nur weil beide zur Begrüßung „Hei“ sagen, spricht man noch lange nicht die gleiche Sprache, was eine Chinesin am Kiosk aber nicht realisiert und munter auf den norwegischen Betreiber einplappert).

Unsere Hütte Nr. 8 ist sehr einfach, verfügt eigentlich nur über zwei Betten und einen laut brummenden Kühlschrank. Toilette und Wasser gibt es nur im Sanitärgebäude. Da ist es gut, dass wir ein einfaches Essen eingeplant haben: Es gibt leckeren Lachs satt auf Brot auf der Terrasse mit inzwischen herrlichen Sonnenschein und 22 °C . Wir beschließen den Tag mit dem 6-Pack vom Schiff und genießen die Atmosphäre mit dem Wasserfall trotz der relativ lauten Straße.

Heute mache ich die ersten Erfahrungen mit meiner neuen Schlafausrüstung: Den Schlafsack empfinde ich als „völlige Fehlkonstruktion“, weil man sich nicht in ihm drehen kann. Mit ihm drehen geht aufgrund des Kopflappens auch nicht....Ich arrangiere mich in tiefer Nacht, ihn einfach offen als Decke zu nutzen – so geht’s! Das kleine Kopfkissen ist super und die selbst aufblasende Matte ebenfalls.

.Fahrzeit 2:14 Kilometer: 118,7


 

24.Juni (Tag 4): Tvinde – Byrkjelo (gefühlte 100 Tunnels und Aurlandsfjellet)


Nach unserem jetzt allmorgendlichen Ritual des Einpackens und Aufsattelns übergeben wir gegen 10.00 Uhr den Schlüssel und düsen bei wolkigen 18 °C los. Die gute, kurvenreiche Stecke wird begleitet von steilen Felsmassiven, Wasserfällen und hübschen Bachläufen bzw. Seen. Heute machen wir erneut diverse Tunnelerfahrungen, hier besonders erwähnenswert der Gudvangen-Tunnel mit rd. 11,5 km Länge. Es folgen dann schnell zwei weitere mit ca. 6 km bzw. 7km.

Unser erstes Ziel ist der Ort Flam, von wo aus die Flam-Bahn eine spektakuläre Strecke in die Berge nimmt. Wir haben die Fahrt schon einmal auf unserer ersten Norwegenreise 1991 gemacht und hätten heute auch gar keine Chance mitzufahren, da ein Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt und eine Unzahl asiatischer Touristen bereits Schlange steht. Wir bummeln ein wenig durch den Ort und schauen in die Touri-Shops. Als wir zu unserem Mopped zurückkommen, inspiziert ein Chinese das Gefährt samt Gepäck. Sein „Daumen-hoch“ und grinsendes Gewippte signalisiert uns, dass er das irgendwie gut findet – mehr Kommunikation ist einfach nicht drin.....

Es fängt an zu nieseln und wir brechen auf Richtung Aurlandsvangen, wo wir die Straße über das gleichnamige Fjellet nehmen: Eine schmale, meist einspurige Straße mit diversen Ausweichbuchten durch zunächst Häuser, dann Wald gibt schließlich einen fantastischen Blick auf die unter uns liegenden Fjorde frei. Mit tollen Kurven und engen Serpentinen schlängelt sie sich weiter hoch auf 1.306 m Passhöhe. Hier liegen Schneefelder am Straßenrand und es ist 7 °C kalt. Der Regen wird stärker, also Regenjacken an! Die Vegetation ist hier kärger (erinnert uns an Nockberge), Flechten und Moose bestimmen das Bild. Als wir bergab am Schild „Laerdal-Kommune“ vorbeikommen, tauchen auch wieder kleine Birken auf und ein warmer Luftzug weht uns entgegen. Wir wedeln mit tollen Ausblicken auf die grandiose Landschaft herunter nach Laerdalsoyri und zum Fähranleger Fodnes, wo wir uns in die Warteschlange einreihen, aus der wir aufgrund eines hohen Kantsteins auch nicht mehr heraus können. Ein langer Stau hat sich gebildet. Ein ebenfalls wartender Norweger kommt von sich auf auf uns zu, als er sieht, dass wir Ausländer sind, und erklärt uns die Situation: Eine Fähre ist defekt und es ist Freitag Mittag vor dem Wochenende, an dem die Ferien beginnen – also viel los! Er bietet uns einen Kaffee an und wir schnacken ein bisschen über unsere Tour, Norwegen im Allgemeinen (er ist eigentlich Däne, lebt aber schon lange hier) und seinen Job.

Nach ca. 1 Stunde Warten im Nieselregen (sehr unangenehm, wenn man keine Mütze hat...) kommen wir schließlich auf das Schiff. Die Passage ist für uns kostenlos, da der Kassierer in der Warteschlange nicht bei uns war und auch auf dem Schiff keiner zum Bezahlen kommt.

In Sogndal findet ein Fußballjudendfest statt, erkennbar an Plakaten, Fähnchen und belegten Parkplätzen. Somit entschließen wir uns, über die Straße 5 weiterzufahren. Wir halten kurz am Norsk-BreMuseum (dort gibt es drei Mammutfiguren im Außenbereich und eine öffentliche, sehr saubere Toilette), später fahren wir am Brikdalsbreen vorbei, der gegenüber 1991 erschreckend geschrumpft ist.

Im Örtchen Skei haben wir für heute eingekauft und nach zwei fehlgeschlagenen Anläufen, eine Hütte anzumieten, landen wir schließlich in Byrkjelo. Hier gibt es einen sehr aufgeräumten Campingplatz, auf dem wir sehr freundlich empfangen werde, einen Supermarkt und eine Tankstelle. Wir beschließen, hier einen Ruhetag einzulegen.

Nach einer Super-Dusche (warm mit reichlich Wasser) gönnen wir uns ein Bier auf der Terrasse unseres Häuschens und anschließend ein kleines, aber feines Mahl: Käsenudeln mit Lachs und Gurkenscheiben mit Salz – lecker!

Es fängt an zu regnen, wir gehen in unsere Hütte Nr. 2 (heute mit Wasser und Kücheneinrichtung und natürlich laut brummendem Kühlschrank). Fassungslos verfolgen wir über das Handy die Nachrichten vom Brexit!

Pflicht ist jeden Tag, das Tagebuch mit Leben zu füllen, so auch heute.

Fahrzeit 3:47 Kilometer: 229,5


 

25.Juni (Tag 5): Byrkjelo - Ruhetag

Heute verbringen wir einen ruhigen Tag: Nach einem gemütlichen Frühstück mit 2. Tee fahren wir mit dem Mopped kurz zum Einkaufen und Tanken. Es regnet bei 16 °C. Auf dem Supermarktparkplatz spricht uns ein Münchner mit total vollgepacktem Auto an, wie wir das bei dem Wetter aushalten. Wir machen ihm klar, dass mit guter Regenkleidung die Nässe draußen bleibt. Er ist völlig entnervt vom Regen.....

In einer Regenpause drehen wir eine „Inspektionsrunde“ über den Campingplatz und laufen zur benachbarten „Bakery“, die viele schöne Sachen, neben Brot auch Lachs, Wurst und Hähnchen, zu verkaufen hat. Wir nehmen uns Kuchen mit und machen es uns in der Hütte gemütlich.

Bernd hat aus dem Sanitärhäuschen eine dort ausgelegte, total geniale Norwegenkarte mitgebracht, auf der die schönsten Touristenstraßen und viele Campingplätze mit Hütten verzeichnet sind. Hiermit lässt sich der weitere Tourverlauf ganz wunderbar planen, wozu wir diesen Tag dann auch für die nächsten Etappen nutzen.

Nach der Dusche machen wir uns wieder ein leckeres Essen: Es gibt Rindfleischstreifen mit TK-Gemüse. Am späteren Nachmittag klart das Wetter soweit auf, dass wir sogar noch ein Bierchen auf der Terrasse trinken können. Es wird dann aber schnell kühl, so dass wir den Rest des Abends innen verbringen.

Fahrzeit: 0:02 Kilometer. 0,5


 

26.Juni (Tag 6): Byrkjelo – Mindresunde (Gamle Strynfjellvegen)

7.15 Uhr, ca. 14 °C, aufsteigender Nebel.

Wir machen uns wechselseitig im Waschhäuschen fertig, packen und reinigen die Hütte.

Nach der Schlüsselübergabe gegen 8.40 Uhr fahren wir auf einer kleinen Straße durch Wiesen, Wald und Schafherden auf der Fahrbahn nach Utvik über einen Bergkamm, der einen tollen Blick auf den Fjord freigibt. Anschließend geht es am Fjord entlang durch hübsche Dörfchen mit roten und weißen Häusern, grandiosen Fjordlandschaften mit senkrechten Felswänden und Wasserfällen. Eine Wolkenschicht wabert zwischen Wasser und Bergkämmen – irgendwie mystisch....

In Olden kommen wir an der Tankstelle vorbei, an der Bernd und Thomas 2015 bei ihrer Nordkapp-Tour wegen einer Reifenpanne Halt machen mussten. Es tröpfelt mal wieder, aber nicht genug, um Regenzeug anzulegen!

Hinter Stryn gibt es vielen Hütten, die vermietet werden – wir werden da später noch landen....

Nach dem Jostedalsbreencenter wird’s alpin: lange, gut fahrbare, oft 180°-Kurvenführen zum Einstieg in den „Gamle Strynfjellvegen“, die alte Passstraße von Ospeli nach Grotli, von der der Thüringer auf der Fähre erzählt hatte.

Die max. 1 ½ spurige Straße schlängelt sich mit engen Kurven und Serpentinen anspruchsvoll auf eine Hochebene, wo sich ein Sommer-Ski-Gebiet inkl. Liften und Loipen befindet. Jetzt verwundert uns auch nicht mehr, dass wir vorhin hinter einem Auto mit Snowboard auf dem Gepäckträger her gefahren sind (im Juni!).

Ab hier wird die bislang geteerten Straße zur Schiefer-Schotterstrecke und das Wetter wird schlechter. Wo zuerst noch Flechten und Moose am Straßenrand zu sehen waren, kommen jetzt Schneefelder und rd. 1,50 m hohe -ränder auf. Halb gefrorene Seen schimmern in weiß, hellblau und smaragdfarben). Eine beeindruckende Kulisse!

Der leichte aber kontinuierliche Regen bei 9 °C wird jetzt unangenehm: Regenvollmontur an und ganz vorsichtig fahren auf der nassen Schotterpiste. Autos nehmen auf Moppeds bei diesem Wetter wenig Rücksicht!

Am Ende der Straße kehren wir durch 3 lange Tunnels zurück Richtung Stryn. Wir halten am Jostedalsbreencenter und schauen kurz in die Ausstellung, flüchten aber, als ein Bus mit einer Gruppe AIDA-Touristen dort einfällt.

Es regnet jetzt immer schlimmer und wir entscheiden uns, es für heute gut sein zu lassen. Auf dem Hinweg haben wir schon in Mindresunde ein recht ansprechendes Hüttencamp gesehen, dass wir jetzt ansteuern. Es ist gerade Mittagspause. Als wir uns ein bisschen hilflos umsehen, kommt ein Mann von dem benachbarten Bauernhaus, sagt wir sollen uns einfach in Hütte Nr. 9 einnisten (Schlüssel steckt!) und uns nach 15.00 Uhr in der Rezeption anmelden.

Die Hütte ist toll: Toilette, Dusche, TV, voll eingerichtete Küche, Wohn- und Schlafzimmer an einem idyllischem See – hat aber auch mit NOK 850,-- ihren Preis!

Hier kommt auch das von Bernd vorausschauend mitgenommene Fliegennetz am Fenster das erste Mal zum Einsatz, da der See leider auch viele dicke Mückenviecher anlockt.

Aufgrund des Regens gucken wir EM-Fussball (Frankreich : Island = 2 : 1 und Deutschland : Slowakei = 3 : 0) mit norwegischen Kommentaren – ist überall das gleiche....

Zu Essen gibt es heute einen Hackfleischtopf mit Tomaten, Brot und der restlichen Gurke. Das Bierchen gönnen wir uns auch, allerdings geht uns heute der Rum aus, von dem wir jeden Tag einen kleinen Schluck – aus rein medizinischen Gründen! - genommen haben.....

Wir waschen verschiedene Kleidungsstücke aus und legen sie zum Trocknen auf die Fußbodenheizung im Bad, da die Dusche allerdings ein Leck hat, sind einige Sachen am Morgen nasser als vorher....

Fahrzeit 3:21 Kilometer: 197,4


 

27. Juni (Tag 7): Mindresunde - Fagervik (Alesund und gefühlte 100 Tunnel)

Heute geht’s nach dem Einpacken und Hütte reinigen gegen 10.00 Uhr bei 15 °C und Nieselregen los. In Stryn tanken wir erst einmal auf und fahren anschließend über die Straße Nr. 60 zunächst durch Wald, später am Fjordrand mit steilem Fels entlang Richtung Alesund.. Das Wetter wechselt heute ständig zwischen sonnigen Abschnitten und leichtem Regen. Das bietet auch unterschiedlichste Anblicke der Landschaft: Mal leuchten uns sagenhafte Farben (wie am Lake Wanaka in Neuseeland) von den gegenüberliegenden Bergen an, mal zeigt sich ein düsteres Wolkenbild. Ein Blick zurück von der Fähre Festoya – Solavagen auf den Hjorundfjorden bietet eine wolkenverhangene, fast bedrohliche Ansicht wie man sie häufig im Milford Sound (ebenfalls NZ) antrifft.

Die Fahrt führt auch immer wieder durch verschieden lange, gut beleuchtete und belüftete Tunnel.

In Alesund finden wir tatsächlich einen der wenigen Motorradparkplätze in der Innenstadt. Es folgt ein kurzer Bummel durch die Altstadt mit Hafen und ein Fish & Chips-Snack.

Noch ein schneller Einkaufsstopp an der E39/136 und wir düsen weiter Richtung Molde. Nachdem wir einen Pass überquert haben, erwischt uns heftiger Regen! Der angepeilte Campingplatz soll nicht mehr so weit entfernt sein – und so schlimm wird es wohl nicht werden....denkste!

Die letzten 30 km werden wir mit ordentlich Wasser von oben eingedeckt. Der erste Versuch, eine Hütte zu mieten, scheitert schon an der äußeren Beschaffenheit. Also nochmals ca. 7 km weiter nach Fagervik.

Hier stehen hübsche Fischerhäuschen direkt am Fjord und es hat aufgehört zu regnen! Allerdings ist niemand an der Rezeption. Wir schauen auf dem Campingplatz, ob wir jemanden finden, da kommt vom gegenüber liegenden Hügel eine ältere Frau auf uns zu. Sie spricht ein wenig englisch, macht klar, dass wir bleiben können und ruft ihren Sohn an, der innerhalb von 5 Minuten eintrifft und sogar deutsch spricht.

Wir sind total durchnässt und akzeptieren eine „Luxushütte“ für NOK 1.200 mit Endreinigung. Bezahlen funktioniert über Unterschrift auf dem Handydisplay des Vermieters mittels einer Lastschrift-App!

Die Fischerhaus verfügt über eine Einbauküche mit Herd im Holzofendesign, einen 6-sitzigen Essbereich, eine Lederwohnzimmer und ein tolles Bad, natürlich mit Fussbodenheizung. Darüber hinaus gibt es eine Terrasse und einen fantastischen Blick auf den Fjord, der sich mit nachlassendem Wind zu einem Spiegelsee entwickelt. Traumhaft!

Wir trocknen unsere Kleider – auch die von gestern Nacht und bereiten uns „Tapas-Böllar“ mit TK-Gemüse zu. Das Bier am Abend haben wir uns heute redlich verdient.

Angsichts der heute absolvierten gefühlten 100 Tunnels reißt es Bernd zu der Aussage hin: “Tunnel unter 5 km sind nur Torbögen!“

Fahrzeit: 3:45 Kilometer: 211,5


 

28. Juni (Tag 8): Fagervik - Ellingsgarden (Atlantikstraße)

Der Tag beginnt heiter bis wolkig bei ca. 14 °C mit besagtem Traumausblick auf den Fjord. Nach dem Aufladen des Gepäcks geht es zum Tanken in den nächsten Ort und dann weiter „unseren“ Fjord entlang zur Fähre Vestnes-Molde. Auf der Fährfahrt zeigt sich wieder einmal eine grandiose Fjordlandschaft im Rückspiegel!

Am Ortsrand von Molde bauen wir unseren heutigen Einkaufsstopp ein und orientieren uns dann in weniger besiedelte Gebiete Richtung Bud, wo die Atlantikstraße auf der Südseite beginnt.

Wir erwischen zunächst noch einen Teil der „alten“ Straße, die durch Wiesen und Wald führt. Die Gegend verändert sich dann in ein Heide-Kussel-Gelände mit kleinen Sträuchern, Häuschen ducken sich hinter Hügeln oder Bäumchen ab. Einige davon haben hübsche Gärten und sind sehr aufwendig – da möchte man schon in der Garage wohnen!

Etwas weiter sieht man jetzt Buchten, die von Gletschern geformt wurde, zur Zeit der Ebbe mit Tang und freiliegenden Felsen. Es verwundert, dass es keine windschiefen Bäume gibt, die man eigentlich hier erwarten würde.

Man fährt jetzt direkt am Atlantikufer durch die Schären über viele Brücken und endlich auch über die berühmte, anmutig geschwungene. Hier legen wir eine kleine Rast ein und werden nach wenigen Augenblicken von Teilnehmern einer Bustour aus Bayern umzingelt! Irgendwas ist ja immer.....

Wir flüchten also weiter Richtung Kristiansund durch eine Küstenlandschaft wie in Norddeutschland, später mit Kiefernwald und wieder über viele Brücken. Ein Hinweisschild lässt uns noch einen Abstecher auf eine kleine Insel machen, die ganz nett ist, sich aber als Sackgasse erweist..

Schließlich nehmen wir den 5,7 km langen Mauttunnel (gut geleuchtet und belüftet) nach Kristiansund. Er ist je Richtung zweispurig und hat ein Gefälle von 10 %, so dass sich Bernd die Formulierung „highway to hell“ aufdrängt. Zum Glück gibt uns der „highway“ nach ebenfalls steiler Auffahrt wieder frei.

Wir legen hinter der Stadt eine kleine Pause ein und düsen dann weiter über die E39 in Richtung Trondheim. Die Gegend erinnert jetzt an ein Mittelgebirgslandschaft mit Bergen und Seen und Waldpassagen. Allerdings gibt es hier keine Hütten außer auf dem Campingplatz „Magnillen“, den Bernd nach den Erfahrungen mit primitivsten Sanitäranlagen aus dem letzten Jahr auf gar keinen Fall anlaufen möchte.

So nehmen wir die Fähre Kanestraum – Halsa und näheren uns damit dem nächsten Regengebiet. Der nächstgelegene, in der Karte eingezeichnete Campingplatz in Hennset verfügt über keine Hütten. Der Regen wird aber immer heftiger! Also weiter, jetzt wieder in Regenzeugvollmontur! Es wird kalt und äußerst unangenehm!

In Ellingsgarden finden wir endlich eine Übernachtungsmöglichkeit. Die muss allerdings noch gereinigt werden (nachmittags!) und wir warten stehend triefend im Restaurant. An Setzen und einen Kaffee trinken ist in unserem Zustand nicht zu denken......

Hütte Nr. 2 ist zwar ganz nett eingerichtet und nicht billig, hat aber nur die „quick and dirty-Reinigung“ abbekommen. Das Schlafzimmerrollo hängt „auf halb Acht“, Müllsack und Toilettenpapier müssen wir uns im strömenden Regen an der Rezeption nachholen. Aber wenigstens sitzen wir jetzt im Trockenen!

Nach der Dusche fühlen wir uns ein wenig besser. Nach dem Essen (heute Schweinefleischstreifen mit TK-Gemüse) starten wir noch die Routenplanung für morgen bei einem - wieder verdienten - Bierchen.

Fahrzeit: 5:38 Kilometer: 283,8


 

29. Juni (Tag 9): Ellingsgarden – Trasavika/Viggie (Trondheim + Fjord)

Der Tag startet heute um 7.10 Uhr mit strahlendem Sonnenschein, heiter bis wolkig bei ca.13° C und einem Wadenkrampf bei Kathrin.

Heute geht es an unser nördlichestes Reiseziel nach Trondheim! Nach Frühstück, packen und aufladen, Müll und Schlüssel weg bringen geht es ca. 9.30 Uhr los: Die E 39 windet sich zunächst durch Nadelwald, dann durch eine Mittelgebirgslandschaft mit Seen und Flüssen und mündet schließlich in die städtischen Industrievororte von Trondheim. Wir folgen den Schildern Richtung „Sentrum“ und landen in einem Wirrwarr kleiner, verwinkelter Gassen (Einbahnstrassen) auf der Suche nach einem geeigneten Parkplatz. Schließlich wollen wir mit dem vollgepacktem Mopped nicht in der allerletzten Ecke stehen....Außerdem wir es langsam warm....

Endlich finden wir direkt hinter dem großen Marktplatz eine schattige Parkgelegenheit auf dem Bürgersteig einer belebteren Straße. Wir überqueren den Marktplatz mit seinen vielen unterschiedlichen Buden (hier gibt’s selbstverständlich auch Einiges vom Elch und Rentier)

und kommen über eine Fussgängerzone mit hübschen Stadthäusern zum DOM-Platz. Die gotische Kirche ist Sitz und Residenz des Erzbischofs und erinnert mit seinen „Fensterblumen“ ein wenig an Notre Dame in Paris. Der barocke Turmanbau sieht ein wenig aus wie „San Vitale“ in Ravenna und so empfinden wir auch angesichts der jetzt wolkenlosen 19 °C ein leicht mediterranes Flair.

Durch kleine Seitenstrassen gelangen wir wieder zurück zum Mopped.

Angesichts des tollen Wetters heute wollen wir den Tag noch ein bisschen genießen und beschließen somit, eine Unterkunft am Fjord zu suchen.

Über Orkanger geht es jetzt zurück nach Viggje zum Campingplatz „Trasavika“ mit sehr schönen rustikalen Hütten am Fjord. Unser Haus Nr. 15 , das wir aufgrund von Baumaßnahmen in kleineren Hütten zum Sonderpreis bekommen, verfügt über eine Superausstattung; separates Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Ledercouch, Einbauküche und Essbereich, WC/Dusche und Terrasse, die wir ausgiebig bei Snack, Kaffee/Tee, später auch Bier nutzen!

Vorher haben wir noch im Nachbarort Orkanger unsere Vorräte ergänzt und eine Campingplatzrunde gedreht: Es gibt einen eigenen Strand und ganz neue, moderne Häuschen, die sehr einladend aussehen. Hier könnte man bestimmt noch viel länger aushalten.....

Nach Spaghetti Bolognese folgt noch die Routenplanung für morgen und übermorgen. Als die Sonne hinter den Hügeln verschwindet wird es kühl und wir gehen `rein.

Fahrzeit: 2:22 Kilometer:129,6

 

30. Juni (Tag 10): Trasavika/Viggie – Gjerdset (Fahrt nach Andalsnes)

Heute morgen um 4.15 Uhr werden wir Zeuge eines sensationellen Sonnenaufgangs über den gegenüberliegenden Berg am Fjord!

Aufstehen ist dann aber doch erst gegen 8.00 Uhr, erneut bei heiter bis wolkigen 18 °C.

Nach Frühstück, packen und Schlüsselübergabe düsen wir über die kleine Fjordstraße nach Orkanger und weiter über die E 65, die sich mit schönen Kurven entlang eines steinigen Flusses durch hügelige Landschaft zieht. Wir sind hier fast ganz allein...

Nach der Fähre Kvenna - Alvundfossen erwartet uns wieder eine Fjordstraße, die schließlich über einen Pass führt, an dem zwei Moppeds mit Hamburger Kennzeichen rasten. Wir grüßen kurz und wedeln aber gleich weiter.

Gegen 14.00 Uhr kommen wir zu dem angepeilten Campingsplatz Nr. 88 (Eidsbygda). Man erkennt auf den ersten Blick, dass dieser eindeutig in deutscher Hand ist: Nur deutsche Gäste, eine unumstößliche Mittagspause bis 15.00 Uhr und einfachste Hütten zu leicht überhöhten Preisen.

Wir schauen uns nur kurz auf dem Platz um und uns dann in die Augen. Ohne weitere Worte steigen wir wieder auf unser Mopped – nee, so nicht!

Nur wenige Kilometer weiter weist uns ein Schild auf die Hüttensiedlung „Gjerdset“ hin: Großzügige, weiß getünchte Holzhäuschen mit großer Veranda erhöht am Hang gelegen locken mit tollem Ausblick auf den See und die umliegende Berglandschaft. Wir werden sehr freundlich empfangen, mit Prospekten über Trollstigen und Geiranger versorgt. Nach einem Einkaufstipp erhalten wir noch den Hinweis, dass jeden Abend der „Hot Pot“ angefeuert wird und wir selbstverständlich gern daran teil haben könnten!

Der Weg zum Einkaufen führt an dem anderen Campingplatz vorbei über eine tolle kleine Kurvenstrecke zu einem kleinen Dorf (Rovden) mit einem noch kleineren Supermarkt, der aber alles hat, was man so braucht.

Wieder an unserer Hütte angelangt, genießen wir den grandiosen Ausblick bei ständig ändernden Wettervorhältnissen: Mal gleißender Sonnenschein, mal fiese, dunkle Gewitterwolken über den Bergen – ein Schauspiel!

Wir sind heute wieder einmal nicht nass geworden, können sogar unsere ausgewaschene Wäsche auf der Veranda trocknen!

Nach unserem Abendessen, das aus Käsenudeln, Lachs und Gurkenscheiben besteht, schauen wir noch lange auf die beeindruckende Kulisse und sind heilfroh, hierher gewechselt zu haben.

Fahrzeit: 4:00 Kilometer: 257,7


 

1. Juli (Tag 11): Gjerdset - Bispen bei Lom (Trollstigen, Geiranger, Dalsnibba))

Der Morgen begrüßt uns heute mit einem „Toblerone-Gipfel-Glühen“ in orange (leider kein Handy zur Hand)! Der richtige Auftakt zu einem Tag mit einer der aufregendsten Passagen auf dieser Tour! Und das bei heiterem Himmel und noch 12 °C...

Frühstück gibt es heute natürlich mit Ausblick, packen, putzen, Müll und Schlüssel weg. Gegen 9.20 Uhr geht’s los Richtung Trollstigen, einer der bekanntesten Bergstraßen in Norwegen. Zunächst rollen wir die 64 am Fjord entlang nach Andalsnes, wo ein „Costa" Kreuzschiff gerade eingelaufen ist.

Wir beeilen uns, vor den Bussen auf die spektakuläre Straße zu kommen, halten daher nur kurz am Parkplatz mit Kiosk und Trollfiguren und düsen schnell weiter durch schöne Kurven und beeindruckende Spitzkehren am steilen Hang, von denen zwei vorbei bzw. fast durch den Wasserfall führen. Die Straße ist recht eng und nur an manchen Stellen passierbar/zweispurig zu befahren. Obwohl sonst fast noch nichts los ist, haben wir leider im oberen Teil ein Motorradgespann vor uns, das die Dynamik der Strecke nicht mitmacht......

Wir halten am Aussichtspunkt und genießen ausgiebg die Aussicht auf die umliegenden Berge, den Wasserfall und die Zick-Zack-Straße, die sich hierher nach oben windet. Man hat sich bei der Gestaltung des Aussichtspunktes viel Mühe gegeben, gut begehbare Wege am künstlichen Flusslauf angelegt und teilweise mutige Aussichtsplattformen zum Fotografieren ausgebildet. Ein Souvenier im Shop darf nicht fehlen und weiter geht es über die Passstraße durch eine Hochebene, aus der uns flotte Kurven und Kehren durch Kiefern- und Birkenhaine ins Tal zu einem munter plätschernden türkis-weißen Bach führen. Hier ist der richtige Platz für einen Zwischenstopp!

Von hier aus ist es nicht mehr weit zur Fähre Linge- Eidsdal, die wir hinter 3 Autos verlassen, diese aber nach ganz kurzem Weg schon überholen können. Jetzt haben wir freie Bahn auf der Super-Kurvenstrecke nach Geiranger! Doch schon kurz nach dem Pass stehen Busse, Autos und Menschen auf der Straße, um den ersten Blick nach unten in den berühmten Fjord zu nutzen. Also ganz vorsichtig hier vorbei und dann folgt ein einziges Zick-Zack mit tollen Aussichten nach unten ins „Dorf“. Hier herrscht Chaos! Busse, Wohnmobile, Staus von PkW, Menschen einzeln und in Gruppen von den Kreuzfahrern überall....Bloß weg hier!!!!!!

Ohne Zwischenstopp arbeiten wir uns durch das Chaos, ein Pole will uns fast noch abrammen, wir nehmen die Sepentinenstraße hinauf, halten auch nicht bei den Aussichtsparkplätzen, überholen vor uns liegende Busse, WoMos und Autos und sind froh, wieder frei Fahrt haben.

Die Straße schlängelt sich erneut spektakulär den Berg hoch, die Vegetation und die Luft werden dünner. An der Mautstation berappen wir NOK 120 und fahren hoch zur Bergspitze Dalsnibba (1.476m), die man nach ebenfalls abenteuerlicher Strecke erreicht. Von hier aus hat man an klaren Tagen wie heute einen uneingeschränkten Blick auf den Geiranger-Fjord (ohne Trubel und Gedränge), in dem die Kreuzfahrerschiffe (heute zwei) noch so klein wie Streichholzschachteln sind. Auch die berühmten „Sieben Schwestern“ (Wasserfälle am Fjordeingang) sieht man noch von hier aus.

Diese sind besonders sehenswert, wenn man per Schiff in den Geiranger-Fjord einfährt. Das geht zum einen mit einem Kreuzfahrtschiff aber auch mit der Fähre von Hellesylt aus nach Geiranger – ist fast wie Kreuzfahren......

Leider flippen immer wieder Menschen an solchen Positionen aus; so auch hier: Einige klettern über die Geländer zum schroffen, steilen Abhang, um bessere Fotos machen zu können. Die „Krönung“ ist eine tschechische Familie mit zwei kleinen Kinden hinter der Absperrung, die dazu noch kleine Steinchen den Abhang hinterunter in Richtung Straße werden.....Ohne Worte.....

Trotz der grandiosen Aussicht entschließen wir uns aufgrund der „Belagerung“ von drei tschechischen PkW-Besatzungen und 10 °C relativ schnell zur Weiterfahrt. Es folgt eine Passstraße begleitet von einem Fluss, der im oberen Lauf mit Stromschnellen gurgelt, später sich eher als „old-man-river“ gibt. Bei Grotli biegen wir auf eine breitere Straße Richtung Lom ein und halten in dem Örtchen Domfoss zum Einkaufen. Der Campingsplatz dort spricht uns beide an, allerdings haben wir heute die Übernachtung in Lom geplant, so dass wir weiter düsen. Ein Fehler, wie sich später herausstellt!

Denn im Nebenort findet über das anstehende Wochenende ein Musik-Festival statt, das viele Übernachtungsmöglichkeiten für sich beansprucht. In Lom angekommen müssen wir feststellen, das es dort sehr touristisch zugeht, alles ist voller Menschen und selbst einfachste Hütten in der Umgebung kosten ein Schweine-Geld.

Also beschließen wir, die 25 km nach Domfoss wieder zurück zu fahren. Doch auch hier ist alles besetzt. Wir klappern jetzt jede Möglichkeit zur Übernachtung ab und finden endlich in Bispen einen Campingplatz mit einer letzten Gelegenheit: Zwar ist das eine „Doppelhütte“ (Nachbarn direkt hinter der Holzwand), doch die Nebenleute (holländisches Paar) sind recht friedlich. Die Herausforderung ist eher die Schlafgelegenheit im „Hems“, also in einem per Leiter erklimmbaren Obergeschoß-Bett. Toilette und Dusche befinden sich im Sanitärgebäude, aber kochen können wir hier: Es gibt Grillfleisch mit Potatoe-Wedges und Gemüse. Bier darf nach der Wahnsinnstour, die sich doch sehr lange gezogen hat, nicht fehlen!

Nach Tagebuch und Routenplanung für morgen geht es dann auch zügig ins Bett.

Fahrzeit: 5:0 Kilometer: 284,2


 

2. Juli (Tag 12): Bispen – Gaupne bei Sogndal (Sognefjellet)

7.30 Uhr, wolkig nach Schauern in der Nacht und 14 °C. Das Waschhäuschen ist schon jetzt gut besucht, wir ziehen es vor, uns in der Hütte fertig zu machen.

Beim Aufpacken gibt’s noch einen kurzen Schnack mit unseren holländischen Nachbarn und dann geht es erneut über die Straße 15 nach Lom, wo wir rechts abbiegen in Richtung Sognefjellet.

Hier bietet sich eine fantastische Motorradstrecke an, die heute (Samstag) allerdings durch ein Radrennen beeinträchtigt ist. Die flotte Kurvenstraße arbeitet sich bergauf durch Waldgebiet, an einem wilden, hell- türkisen Bach entlang, vorbei an majestätischen Seen und führt in eine kaum bewachsene Hochebene mit eindrucksvollen Felsformationen links und rechts. Später folgen Schneefelder am Straßenrand und es geht immer höher hinaus in eine Welt mit rd. 2.500 m hohen Gipfeln mit Neuschnee und nur noch 6 °C! Sehr frisch!

Die ca. 1.600 m hohe Passstraße führt jetzt schnurgeradeaus bergauf und bergab, bevor es mit munteren Kurven und Serpentinen wieder abwärts geht auf eine kleinere Straße durch märchenhafte Waldgebiete mit stillen Seen - aber auch Straßenschäden und wieder `mal Radfahrern!

Die Kulisse wechselt wieder in eine Fjordlandschaft: Links Wasser und in 1-2 km Entfernung steile Felsmassive, rechts Fels, Dörfer, Obstbäume am Hang. Tolle Gegend!

Wir wollen heute – auch wegen des Wochenendes – einen Ruhetag einlegen und entscheiden uns für Sandvik Camping in Gaupne, ca. 15 km von Sogndal entfernt. Es gibt hier einen Supermarkt und eine Tankstelle und der Ort sieht auch recht nett aus.


So mieten wir uns die nette kleine Hütte Nr.5, wenn auch ohne Toilette/Dusche, da auch hier fast alles ausgebucht ist. Die Rezeptionistin im angeschlossenen Hotel nimmt uns freundlich in Empfang und auch der Chef, Hans-Olov, begrüßt uns sehr zuvorkommend.

Beim Auspacken entdeckt Bernd bei dem Routine-Check ein Problem am Mopped: Öl auf der Frontbremsscheibe und dem Reifen! Der rechte Gabelsimmerring ist leck! Und das natürlich an einem Samstag-Mittag „in the middle of nowhere“!

Kathrin landet bei der Suche nach Hilfe bei Hans-Olov, der nach kurzer Beschreibung in englisch das Problem versteht und sogar das Wort dafür kennt („Ah, simmerring?). Sofort versucht er, uns behilflich zu sein. Aus dem örtlichen Motorradclub – man kennt sich hier eben – kontaktiert er zwei Bekannte, von denen einer – zur Zeit auf den Lofoten weilend – eine Motorradwerkstatt in Sogndal benennen kann. Hans-Olov kündigt uns dort per SMS für Montag an und ist auch sonst unheimlich bemüht!

Wir sorgen jetzt erst einmal für unseren Wochenendeinkauf und überlegen unsere Situation bei Kaffee und Kuchen, während noch immer das Radrennen auf der Hauptstraße an uns vorbeiläuft.

Können wir weiterfahren? Tipps aus dem Internet bieten abenteuerliche „Dichtungslösungen“ u.a. über Socken an....Thomas (Dekra-Gutachter) verbietet Bernd jegliche Weiterfahrt....Wir werden zum ADAC Kontakt aufnehmen, mal hören was die uns sagen – schließlich ist Bernd Plus-Mitglied!

Wir bereiten uns ein BBC-Hacksteak mit TK-Gemüse zu, gönnen uns auf den Schreck einige Bierchen und lassen den Tag revue passieren. Hierzu gehören leider auch zwei Unfälle, die wir gesehen haben: Ein Moppedfahrer auf dem Fjell, der an einer rutschigen Holzbrücke gestürzt war und vom Rettungshubschraube abgeholt wurde, und ein Frontalzusammenstoß zweier PkW – wohl durch ein Radfahrer-Überholmanöver ….leider kommt auch so etwas in der beschaulichen Idylle vor......

Fahrzeit: 2:18 Kilometer: 127,0


 

3. Juli (Tag 13): Gaupne bei Sogndal (Ruhetag mit Ortserkundung)

Nach heftigem Regen in der Nacht, zeigt sich der Himmel am Morgen mit 15 °C bewölkt.

Wir lassen uns heute Zeit beim Frühstück mit Ei und 2. Tee, verlängern später unseren Aufenthalt an der Rezeption und sprechen erneut mit Hans-Olov, der anbietet, am Montag mit dem Händler zu telefonieren (sein Norwegisch ist eindeutig besser als unseres...).

Bernd telefoniert dann mit dem ADAC: Außer der Auskunft, dass man dort technische Probleme hätte, erfährt er, dass

Da muss man wohl noch die Möglichkeiten mit der Werkstatt abstimmen...Wir erstellen einen „Telefonleitfaden“ für Hans-Olov für morgen.....

Die Sonne kommt immer wieder heraus und wir beschließen, uns den Ort genauer anzusehen. So spazieren wir durch Gaupne mit „Einkaufszentrum“, großem Busbahnhof, Schule, vielen schönen Häuschen und auf dem Hügel die Gamle Kirke, die alte gut erhaltene Holzkirche von 1647.

Anschließend trinken wir Kaffee „im Garten“, später auf der Terrasse nach aufkommendem Niesel. Per Internet versucht Bernd noch über weitere Kumpels mehr über das Thema Simmerringe zu erfahren, was die Sachlage aber nicht wirklich verbessert oder verändert.

Auf der Terrasse beobachten wir bei einem gemütlichen Bier den Einzug diverser neue Nachbarn: ein dänisches Paar, zwei Asiaten, zwei Zelterinnen und schließlich eine Männer-Motorrad-Truppe aus TIR (=Tirschenreuth/Oberpfalz), die allesamt beladen sind wie „Circus Sarasani“, obwohl alles Einzelfahrer.....

Unser Sonntagsessen besteht heute aus Pfeffersteak mit Spaghetti und Gemüse – wieder sehr lecker!

Wir befassen uns noch mit der möglichen Weiterfahrt, Fotos, Facebook und hören im Radio die Fußball-EM-Partie Frankreich : Island = 4 : 1 – schade für die sympathischen Isländer!

Fahrzeit: 0 Kilometer: 0


 

4. Juli (Tag 14): Gaupne bei Sogndal (Mietauto aus Sogndal abholen)

8.00 Uhr, 16 °C, sonnige Abschnitte und Schauer wechseln sich ab.

Nach dem Frühstück wieder ab ins Hotel, eine weitere Nacht verlängern. Hans-Olov hat inzwischen über Facebook Kontakt zur Werkstatt aufgenommen, da der Mechaniker nicht telefonisch erreichbar ist, und schon einmal unsere Fahrzeugdaten zur Ersatzteilbestellung weitergegeben. Wann die Reparatur erfolgen kann, ist noch unklar. Er hätte aber ein Angebot von Sixt in Sogndal für einen Mietwagen bis Freitag für NOK 3.000,-- eingeholt.....

Wir stimmen zu, Hans-Olov macht das mit dem Vermieter klar und erklärt uns, wie wir mit dem Bus von Gaupne nach Sogndal kommen und wo wir Sixt und die Werkstatt finden.

Somit verlängern wir nun bis Freitag und wechseln in diesem Zuge auch in eine bessere Hütte mit Dusche/WC.

Nach der Reinigung unseres „alten“ Hütte ziehen wir um, kaufen kurz ein und nehmen den 13.30 Uhr Bus nach Sogndal. Wir können mit Karte im Bus zahlen und erleben eine schöne Fahrt über die Dörfer in die größere Stadt, wo wir gegen 14.20 Uhr ankommen.

Die Sixt-Vertretung finden wir nach der Erklärung leicht, der Mitarbeiter ist „im Bilde“ - und schwupss – haben wir einen Golf neuester Generation mit diversen Assistenzsystemen, die Bernd im Verlauf noch sehr zu schätzen lernt.

Die Motorradwerkstatt liegt nur wenige Meter entfernt. Dort besagt jedoch ein handschriftliches Schild, dass heute und morgen geschlossen sei!

Wir fahren zurück zum Platz und berichten Hans-Olov von unseren Erfahrungen. Wir beschließen, das Mopped am Mittwoch über den ADAC dorthin einschleppen zu lassen. Hans-Olov mailt das und lässt sich die Ersatzteilbestellung bestätigen.

Nun ist alles angeschoben und wir wenden uns unserem Essen (Schweinegeschnetzeltes mit TK-Gemüse und Brot), einem Kaltgetränk auf der Terrasse bei ca. 20 °C und schließlich der Dusche zu.


Fahrzeit: - Kilometer: -


 

5. Juli (Tag 15): Gaupne bei Sogndal (mit dem Mietauto zum Gaularfjell)
 

Nach dem Frühstück und dem bequemen „Fertigmachen“ im „eigenen“ Bad telefoniert Bernd mit dem ADAC und verabredet, dass das Mopped morgen zwischen 9.00 Uhr und 9.30 Uhr mit einem Abschleppwagen abgeholt wird.

Gegen 9.45 Uhr fahren wir mit dem Mietwagen los Richtung Sogndal und weiter die Straße 55 am Fjord entlang mit tollen Ausblicken und hübschen Häuschen zur Fähre Hella – Dragsvik. Dort treffen wir auf den NDR-Moderator Udo Biss, der hier gerade für den NDR-“Ostseereport“ eine Sequenz dreht, die in 14 Tagen gesendet werden soll.

Wir folgen der Straße 13, eine romantische Fjordstraße (die uns ein wenig an den Queen Charlotte Drive in NZ erinnert) mit fast keinem Verkehr – was auch gut ist, denn die Fahrbahn ist sehr eng!

Nach einer Weile dreht die Straße ins Landesinnere ab und schwingt sich in beachtlichen Serpentinen (sicher vergleichbar mit Trollstigen) zum 745 m hoch gelegenen, gerade neu eröffneten Aussichtspunkt des Gaularfjells auf. Dieser „hängt“ fast frei schwebend über dem Abgrund und ermöglicht eine beeindruckende Sicht auf die weite, umliegende schneebedeckte Berglandschaft. Auch der „Rückblick“ auf die Straße fasziniert.

Nach der Benutzung einer der höchstgelegenen und schönsten Toiletten in Norwegen (es gibt noch eine andere am Aurlandsfjell....) fahren wir nur wenigen Meter weiter, bis wir von einem Schaf mit zwei Schäfchen auf der Straße gestoppt werden. Die „Frau Mama“ ist derartig „belehrungsresistent“, dass sie nicht auf hupen oder sanftes Anstupsen mit dem Auto reagiert; Kathrin muss aussteigen und die Schaffamilie von der Fahrbahn verscheuchen.....

Die weitere Fahrt hält wieder tolle Landschaftseindrücke für uns bereit: zwei Wasserfälle an einem entfernten Hang, eine Klamm mit einer geschwungenen Eisenbrücke, Holzpfahlwege in eine sehenswerte Moorlandschaft hinein....

Wir halten an einer Stromschnelle des begleitenden Baches am „Lisholenvoss“, wo eine moderne Stahlbrücke die Sicht von allen Seiten auf das Naturschauspiel erlaubt.

Die Bergstraße `rauf und `runter mit schönen Kurven und Kehren (hier müssen wir unbedingt noch einmal mit dem Mopped lang...) geht es am See entlang bis wir auf die größere Straße 5/E39 stoßen. Ebenfalls am See entlang düsen wir zurück über Skei Richtung Sogndal.

Bernd spielt den ganzen Tag schon mit den Assistenzsystemen des Mietwagens und ist insbesondere begeistert von der Abstandshaltefunktion mit automatischer Bremse inkl. `Runterschalten bis hin zum Stopp.

Mit dem Spurhaltesassistenten freundet er sich erst im Laufe der Woche näher an.

Nach diversen Tunnel und wieder Super-Fjordaussichten kehren wir gegen 15.30 Uhr zurück nach Gaupne. Wir kaufen ein, genießen zwei Bier bei bestem Wetter (Sonne, ca. 20 °C) auf der Terrasse und bereiten uns Spaghetti Bolognese zu. So lassen wir diesen wunderbaren Tag noch einmal an uns revue passieren.

Wir sitzen noch lange draußen bis uns einsetzender Nieselregen ins Haus treibt.

Heute entscheiden wir uns dann auch, unsere Rückfahrt nach Deutschland zu planen: Der 13. Juli ist der angepeilte Termin – buchen werden wir aber erst, wenn wir Genaueres über die Moppedreparatur wissen.


Fahrzeit (Auto): 5:00 Kilometer: ca. 300


 

6. Juli (Tag 16): Gaupne bei Sogndal (mit dem Mietauto zum Tindevegen)

In dieser Nacht ist Kathrin ins Wohnzimmer umgezogen, da sich am Rand ihrer Matratze ein „schwarzes Loch“ aufgetan hat, das sie immer wieder in diese Mulde gezogen hat.

Gegen 8.00 Uhr meldet sich der Abschlepper und kündigt sich für 9.00 Uhr an.

Wir frühstücken und bereiten alles vor, warten dann bis 9.30 Uhr auf den Wagen.

Der Fahrer geht es sehr sorgsam mit dem Mopped um; Bernd und er verladen und verzurren es gemeinsam.

Unser neuer niederländischer Nachbar hat auch ein Autopanne und würde am liebsten gern gleich mit aufladen, was ihm der Fahrer aber ausredet....

So fahren wir also mit unserem Mietauto hinter dem Abschleppwagen her, laden bei „MC Centre“ mit ab und besprechen mit dem tatsächlich anwesenden Schrauber und Inhaber den Auftrag: Beide Simmerringe sind bestellt und werden erneuert, sobald die Teile aus Schweden da sind. Wir drängen auf spätestens Freitag mit Blick auf die Fähre nach Deutschland.

Das Abschleppunternehmen rechnet direkt mit dem ADAC ab, so dass wir nichts damit zu haben.

Also können wir jetzt unseren Tag frei gestalten: Gegen 10.50 Uhr nehmen wir Kurs auf die Fähre Mannheller – Fodnes und richten uns weiter Richtung Oslo. Hohe Berge, Wasserfälle und ein Fluss begleiten uns, es folgen viele Tunnel, die man jedoch häufig über die „historischen Straßen“ umfahren kann. Auf ca. 800 m kommen wir in ein Skigebiet mit vielen Blockhütten und einer riesengroßen Baustelle am Ende. Wir biegen bei Tyinkrysset links ab auf eine kleine Straße am See, überall Blockhütten, schneebedeckte Berge und eine karge Landschaft säumen den Weg, dann wieder eine Bergstraße mit schönen Kurven und noch einmal eine Baustelle mit ca. 5 Minuten Aufenthalt mitten in der Pampa!

Schließlich gelangen wir an den kleinen Ort Oevere Ardal, wo die Straße „Tindevegen“ beginnt. Die schlängelt sich in diversen, engsten Serpentinen, einspurig mit gelegentlichen Ausweichbuchten den Berg hoch! Mit dem Mopped wäre das schon ziemlich anspruchsvoll und wir sind auch mit dem Mietwagen ganz froh, dass uns ein Postauto eine Weile „den Weg bahnt“ (es gibt hier tatsächlich Gegenverkehr)!

So gelangen wir zunächst auf eine Hochebene, auf der Moose und Flechten das Bild bestimmen. Es folgt eine Art „Route 66“ nur bergauf/bergab und dann eine Mautstation (80 NOK, die sich lohnen und Bernd ist in seinem Element!) Eine spektakuläre Straße in gutem Zustand mit herrlichen Ausblicken auf das umliegende Hochgebirge führt auf einen ca. 1.300 m Pass. Bei Turtago biegen wir links ab und landen wieder auf einer Bergstraße mit tollen Kurven, z.T. sehr eng, am Fels hoch über dem Tal. Über das Örtchen Fortun erreichen wir nach flotter Talfahrt wieder die Fjordstraße nach Gaupne zwischen ansehnlichen Häuschen und türkis/smaragd-farbenem Wasser.....

In Gaupne kaufen wir kurz ein und arrangieren uns an der Rezeption für Do.- und Fr. eine neue Hütte, da unsere ab dann besetzt ist.

Auf der Terrasse arbeiten wir die grandiosen Eindrücke der heutigen Tour bei Kaffee und Keksen nach, ehe wir uns das Hauptgericht „Cordon bleu“ zubereiten.

Inzwischen ist es kühl geworden, so das wir nach der Dusche versuchen, im Haus das TV-Gerät zu starten: Heute läuft das Halbfinale der Fußfall-EM zwischen Wales und Portugal. Obwohl wir sonst nicht so fußballorientiert sind, nehmen wir das heute als Abendgestaltung mit begleitenden Bierchen gern an – allerdings über`s Radio, da das mit dem Fernseher nicht klappt....

Portugal schießt Wales mit 2:0 aus der Umlaufbahn und Kathrin kämpft in der Nacht wieder mit dem „schwarzen Loch“.......


 

Fahrtzeit: 4:19 Kilometer: 233


 

Ende Teil 2 des Films „Mit dem Motorrad durch Norwegen“


 

7. Juli (Tag 17): Gaupne bei Sogndal (mit dem Mietauto zur Fjordstraße 615)

8.00 Uhr, fast bedeckt, ca. 15 °C. Kathrin hat gut geschlafen – im Wohnzimmer!

Nach dem Frühstück bekommen wir überraschend Besuch: Hans-Olov steht vor der Tür und fragt, ob wir heute statt in die gestern arrangierte Hütte Nr. 15 auch in ein Zimmer seines angeschlossenen Hotels ziehen würde. Ansonsten müsste er über das Wochenende Gäste mehrfach verlegen. Er würde uns das Zimmer (inkl. Frühstück!) zum Preis unserer „einfachen“ Hütte Nr. 15 überlassen...

Auch wenn er das nicht angeboten hätte, wären wir seiner Bitte gefolgt – so hilfsbereit wie er sich uns gegenüber verhalten hat, sind wir froh, ihm einen Gefallen tun zu können!

Also alles einpacken (schon `mal motorradgerecht, da wir unsere Schlafutensilien ja im Hotel nicht brauchen), unsere Hütte Nr. 6 sauber machen und umziehen in Zimmer Nr. 207.

Gegen 9.50 Uhr fahren wir dann wieder los Richtung Sogndal (es gibt hier nur zwei Richtungen....), dort biegen wir auf die Straße Nr. 5 (Felsen, gurgelnder Bach, schöne Kurven) Richtung Skei ein. Hinter dem Fjaerlandstunnel bietet ein Parkplatz auf der linken Seite einen atemberaubenden Panorama-Blick. Auf dem Weg nach Byrkjelo kommen wir wieder an der ausgedünnten Gletscherzunge des Brikdalsbreen vorbei.

Wir wenden uns dann Richtung Sadane, wo wir auf eine enge Straße (Nr. 615) am Fjord mit wenig Verkehr kommen. Hübsche Fischerhütten und tolle Fjord-Landschaftsbilder säumen den Weg, eine Kehre – und ein neuer Fjord mit einer niedlichen Ortschaft tut sich unter uns auf. Ein enger Anstieg mit wenigen Ausweichstellen führt uns auf ein Hochplateau mit Seen, Blockhütten und Birkenhainen – fast kitschig!

Am Ende der Straße halten wir uns Richtung Fjorde und Bergen und biegen dann links zum Gualarfjell ein, das wir von vorgestern schon ein bisschen kennen. Diesmal fahren wir die Strecke aber andersherum, was ganz neue Eindrücke mit sich bringt: Wir entdecken mächtige, breite Wasserfälle und genießen es, nach einem Stopp am Aussichtspunkt das Kurven-Zick-Zack herunter zu wedeln.

So landen wir wieder an der Fähre Dragsvik – Hella und schließlich in Sogndal, wo wir einen Halt bei der „Werkstatt unseres Vertrauens“ einlegen. Die ist geschlossen, unser Mopped steht aber ohne Vorderrad drinnen – gewisse Fortschritte sind also erkennbar!

Wieder im Hotel genehmigen wir uns heute Pizza und Bier im Restaurant – nicht billig, aber lecker!

Heute Abend läuft das 2. EM-Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich – das muss man wohl sehen!

Wir bitten einen jungen Mann an der Rezeption, uns beim Einrichten des TV-Gerätes behilflich zu sein (es gibt hier wirklich „kleine Geheimnisse“ beim Einschalten). Allerdings hat er uns das falsche Programm eingerichtet, denn Deutschland verliert mit 0: 2! Das war nicht geplant....


 

Fahrzeit: 6:19 Kilometer: 398


 

8. Juli (Tag 18): Gaupne bei Sogndal (Nygaardsbreen und Mopped abholen)

Heute wieder 8.00 Uhr, fast bedeckt, ca. 15 °C.

Frühstück im Hotel: Idar – unser Schrauber - meldet sich telefonisch: Das Mopped ist fertig und kann ab 14.30 Uhr abgeholt werden!

Der Zeitpunkt deckt sich hervorragend mit dem Abgabetermin des Mietautos gegen 15.00 Uhr in Sogndal nur wenige Meter entfernt!

Wir packen unsere Sachen schon einmal so weit wie möglich vor und buchen jetzt auch die Fähre Oslo-Kiel am 13.07.. Da fällt uns auf, dass die Kreditkarte durch Unterkunft, Mietwagen, Fähre und jetzt noch Reparatur ziemlich „zum Glühen“ kommt. Bernd tätigt einen Anruf bei VISA-Kreditkartenmanagement, schildert die Situation und kann prompt eine sofort gültige Limiterhöhung erreichen, die uns den nötigen finanziellen Spielraum zurück gibt!

Als hilfreich hat sich in der Pannensituation erwiesen, dass Bernd sich einen ALDI-Auslands-Tarif für € 4,99 (jeweils gültig für 7 Tage) auf sein Handy geladen hatte. So waren die Telefonate nach Deutschland und auch Internet kein Problem!

Als Vormittagsprogramm gibt es heute eine Fahrt zum benachbarten Nygaardsbreen, den man über eine rd. 36 km lange Stichstraße von Gaupne aus erreicht. Diese führt am türkis-grünen Gletscherbach entlang, teils mit starken Stromschnellen und sogar einer Klamm, zwischen hohen Felsen mit schönen Wasserfällen hindurch zum Ort Jostedal. Der ist klein aber touristisch voll erschlossen: Hotel, Hütten, Campingplatz, Restaurant, Shops und Busse zum „Center“. Ab hier wird eine Maut zum Gletschersee erhoben.

Wir können Teile der – ebenfalls ziemlich geschrumpften – Gletscherzunge sehen und entscheiden, die Fahrt hier nicht weiter fortzusetzen!

Außerdem wird es jetzt für uns Zeit: Umziehen in Moppedklamotten und ab mit dem Auto nach Sogndal.

Die Rückgabe des Leihwagens ist genau so unkompliziert wie das Anmieten. „Alles klar?“ - „Ja!“ und das war´s dann auch schon. Bernd berichtet noch, wie sehr ihm die „Features“ am Auto gefallen haben – er hat sich ruck-zuck daran gewöhnt! Hoffentlich erinnert er auf dem Motorrad, dass dort keine solchen Assistenzsysteme verbaut sind....

Wir gehen zur Motorradwerkstatt, doch da ist noch keiner – das Mopped können wir aber sehen – fertig!

Gegen 14.40 Uhr kommt dann Idar (ganz in schwarz, wir vermuten eine Beerdigung). Wir überprüfen die Arbeit (sehr sorgfältig, nur Originalersatzteile), zahlen mit Kreditkarte (nicht teurer als bei uns!) und schnacken noch munter einen aus: Er hat deutsche Bekannte in einem Ort wenige Kilometer von uns entfernt, die er auch mal durch eine Panne kennengelernt hat und zu denen er seitdem ein freundschaftliches Verhältnis pflegt.

Wir düsen ab ins Hotel, montieren dort das Top-Case wieder und planen unsere Route mit Karte, Navi und einem Kaffee auf der Terrasse. Da das Wetter schön und warm ist, bleiben wir gleich da und gönnen wir uns – nach der Episode „Motorradreparatur“ - je zwei Bier und anschließend je eine Pizza im Restaurant.

Nach der Dusche und dem Bericht des Erlebten in das Tagebuch genießen wir noch eine Weile die Aussicht aus unserem Zimmerfenster.


Fahrzeit: 1:45 Kilometer: 135


 

9. Juli (Tag 19): Gaupne – Overe Eidfjord (Laerdaltunnel, Hardangervidda)
 

8.00 Uhr, 15 °C, bedeckt, in der Nacht hat es viel Regen gegeben.

Beim Frühstsück setzt sich heute ein italienische Familie ohne Gruß an unseren Tisch, was mich veranlasst, ihnen beim Verlassen des Tisches „buona giornata“ (schönen Tag!) zu wünschen – was sie erwiderten und sich den ganzen Tag gefragt haben, ob wir wohl ihr Gespräch mit verfolgen konnten.....

Nach dem Bezahlen und einem abschließenden Pläuschchen mit Hans-Olov beladen wir das Mopped und düsen los. Mit leichtem Regen und Regenzeug an geht es von Gaupne über Sogndal nach Mannheller, wo wir die Fähre nach Fodnes (die an der wir auf dem Hinweg so lange gewartet haben) nehmen. Schon kurz danach folgt ein weiteres norwegisches Meisterbauwert: der 24,5 km lange Laerdaltunnel. Zwar hat Kathrin ein wenig „Muffensausen“ vor der Länge, diese wird allerdings durch drei blau-bunt beleuchtete, großzügige „Grotten“ aufgelockert, so dass die Fahrt erträglich bleibt und irgendwie sogar eine Attraktion ist.

Gleich danach biegen wir links auf die Straße 50, zunächst am Fjord entlang Richtung Aurlandsdalen. Es folgen diverse Serpentinen und 360°-Kurven, z.T. im Tunnel! Danach ergibt sich ein spektakulärer Blick auf den Fjord – einfach super!

Weiter geht`s durch eine Hochebene mit „runden Wiesenbergen“ wie an der Nockalmstraße und Schneefelder, die Temperatur ist mit 7 °C recht erfrischend....

Auf der Straße 7 nach Geilo wird es dann wieder so warm, dass wir das Regenzeug ausziehen. Durch eine lila und gelb blühende Hochebene erreichen wir das muntere, etwas überlaufene Städtchen, wo wir einen Einkaufsstopp einlegen und zusehen, dass wir da schnell wieder weg kommen. Unseren Packsack müssen wir später noch einmal neu verzurren – waren wohl doch etwas zu schnell wieder unterwegs....

Es folgt noch ein Stopp mit – sonst weniger üblichem - Plumpsklo, bevor wir in die einsame Hochebene Hardangervidda eintauchen: „Runde“ Berge und Seen säumen unseren Weg, es wird kalt und das Wetter schlechter, also Regenjacken wieder an!

Da wir nicht wissen, was uns am Zielort erwartet, haben wir vorsorglich ein paar Bierdosen mehr mit genommen und sind nun auf den kurvien Strecken als „wedelnder Biertransporter“ unterwegs.

Am Voeringsfossen, einem beeindruckend hohen Wasserfall mit 183 m Freifallstrecke, beschließen wir aufgrund des Wetters, das nächste freie Quartier zu nehmen. Durch mehrere -“Korkenziehertunnel“ schrauben wir uns bergab in den Ort Overe Eidfjord. Auf dem Campingsplatz „Maberdalen“ finden wir eine nette, kleine Hütte für 2 Personen mit Toilette für NOK 475,--, die wir gleich für zwei Nächte buchen.

Nach dem Auspacken, gönnen wir uns 1 Bier bei Tagebuch, Internet und Routenplanung. Die Dusche ist im Waschhäuschen wenige Meter entfernt, warm und sauber. Danach gibt´s Essen: Hacksteaks mit Gemüse und Brot. Nach dem Abwasch kommt sogar noch einmal die Sonne heraus...Ein gutes Omen für morgen?

Fahrzeit: 4:36 Kilometer: 273,7


 

10. Juli (Tag 20): Overe Eidfjord (rund um den Sorfjord)

8.00 Uhr, 13 °C, Hochnebel.

Nach dem Frühstück erledigen wir die Routenplanung für unseren heutigen Ausflug und den Weg nach Oslo gleich mit.

Gegen 10.10 Uhr geht es bei leichem Nieselregen mit Regenjacken los: In dem nahgelegenen Eidfjord liegt die AIDAsol an der Pier; die Ausflüge starten gerade – bloß weg da!

Durch einen Tunnel, in dem sich ein blau beleuchteter Kreisverkehr befindet (!), fahren wir in Richtung Odda auf der größeren Fjordstraße 13. Links krallen sich Obstplantagen mit Kirschen und Äpfeln an den steilen Abhang, rechts bäumen sich gegenüber des Fjords Felswände mit Wasserfällen und Schnee auf – ein tolles Zusammenspiel...

Trotzdem es Sonntag Morgen ist gibt es auf der kurvigen, schmalen Straße mit diversen Tunneln viel Verkehr.

In Odda bestaunen wir die weiße Stabkirche und sitzen eine Weile am Fähranleger mit Blick auf den schmalen Fjord.

Wir fahren weiter über die 550 Richtung Utne, wo beide Fähren über den Hardangerfjorden abgehen. Hierüber könnten wir schnell zurück, wenn das Wetter sich verschlechtern sollte. Von Obst und wenig Verkehr begleitet, entschließen wir uns, noch eine Weile weiter nach Jondal zu fahren, wo es ebenfalls eine Fähre gibt. Nun geht es über eine abenteuerlich kleine, enge Straße, meist 1-spurig, bergauf, bergab, durch Wald und kleine Obstdörfchen, die an Verkaufsständen „Morellen“ anbieten. Es folgten Fischerhäuschen und kleine flache Inseln mit Birkenbewuchs, tollen Kurven und Serpentienen bis wir im Fährhafen von Jondal ankommen. Tolle Strecke!

Die Fähre sehen wir gerade noch ablegen – die nächste geht in 50 Minuten! So kommen wir dazu, das Dörfchen ein wenig zu besichtigen und – was noch wichtiger ist – es gibt hier einen dringend benötigten Tankautomaten! Unser Navi zeigte uns erst die nächste Tankmöglichkeit auf der anderen Seite an.

Wir genießen den Blick auf den Fjord und das Wetter wird besser, so dass die Zeit wie im Flug vergeht.

Nach der Fährfahrt nach Torvikbygd führt uns eine enge Straße mal in Uferhöhe, mal hoch am Fels mit schönen Ausblicken auf die Fjordlandschaft, kleinen Brücken und netten Kurven an einer Picknick-Area vorbei Richtung Granvin. Dort geht es über die eindrucksvolle große Brücke „Hardangerbrna“ wieder in den Tunnel mit dem blauen Kreisel und von dort zurück nach Eidfjord und zum Campinplatz.

Dort ziehen wir uns zunächst um und teilen uns ein Bier auf der Terasse, während wir die Tour noch einmal auf uns wirken lassen.

Es folgt die Dusche und eine Neuorgansition unserer Packtaschen mit Blick auf den Rest der Reise.


Heute gönnen wir uns in der hübschen Gaststätte des Campingsplatzes jeweils einen Hamburger mit Pommes und Bier dazu – lecker mit stolzem Preis (insg. NOK 645,--).

In der Hütte haben wir ja noch Bier, das zu Tagebuch und Internet ziemlich gut kommt – seit 17.00 Uhr regnet es zwar nicht doll aber durchgehend....

 

Fahrzeit: 4:24 Kilometer: 254,4


 

11. Juli (Tag 21): Overe Eidfjord – Lystang bei Notodden (Hardangervidda )

8.00, bedeckt, 7 °C (lauf Handy, gefühlt wie 13 °C).

Frühstück, Fertigmachen, Abwasch, räumen/packen, Schlüsselabgabe in einer Box und los vorsorglich in Regenjacken gegen 9.20 Uhr.

Es geht bergauf durch insgesamt 4 Tunnel, von denen drei „Korkenziehertunnel“ sind, d.h. es ist kaum zu glauben, dass man nach 360° immer noch in die gleiche Richtung kurvt – und das mehrfach und im Dunkeln....

Am vernebelten Voeringsfossen vorbei fahren wir wieder in die Hardangervidda. Zwar zeigen sich im Norden gewaltige Wolken über der Ebene, das Wetter ist heute aber etwas besser als auf der Herfahrt und so tun sich ganz andere Sichten und Farben auf: die gletschergeformten runde Berge schillernd in gelb, ocker, braun und weiß mit den dazwischen liegenden Seen. Manche Felsen sind förmlich grün.

Nach Geilo hin wird es wärmer und schöner. Ein lila Blumenteppich aus Lupinen und Fingerhut begrüßt uns. Die fliegende Artenvielfalt hinterläßt ihre Spuren auf unseren Helmen.

In Geilo tanken wir auf und wenden uns auf der Straße 40 gen Süden die Berge hoch.

Der Belag ist z.T. recht schlecht, dafür gibt es tolle Kurven. Heidelandschaft, später Birken- und Tannenwälder begleiten uns. Bei einem Stopp zum Wechsel des GoPro-Akkus zieht Bernd die Regenhose aus, da sich die Wolken heben. Das wird sich noch rächen!

Ab Bjorkfalla nehmen wir die kleine Straße 364 über das Fjell und hier beginnt ergiebiger Regen – natürlich ohne Unterstandsmöglichkeit! Schade, denn die Strecke ist eigentlich schön: tolle Bergstraße, später Hochplateau bergab wie in den Dolomiten. In Tinn Austbygd zieht Bernd sich zumindest als Windschutz die Regenhose wieder über die nasse Motorradhose.

Danach geht es am Fjord entlang auf einer breiten, gut ausgebauten Straße Richtung Notodden. Die Berge sind hier bewaldet, keine Felsen mehr. Die Sonne kommt jetzt auch `raus, so dass es erträglicher wird.

An Notodden vorbei finden wir auf dem Weg nach Gvarv den hübschen Campingplatz „Lystang“ mit See. Der Betreiber ist Holländer, sehr nett und spricht auch deutsch. Wir meiten Hütte 2 mit separatem Schlafzimmer, kleiner Küche, Wohnzimmer, Eßbereich und Geschirr sowie Terasse mit See- und Bergpanorama (für NOK 650,--). Allerdings sind Dusche und Toilette im nahegelegenen Sanitärgebäude.

Wir fahren noch schnell zum Einkaufen ins 5 km entfernte Nodagutu und kommen rechtzeitig zurück, um ein Gewitter über den Bergen hinter dem See trocken verfolgen zu können.

Heute essen wir Schweinfleischspießchen mit TK-Gemüse und Schinkennudeln aus der Tüte – lecker! Nach dem Abwasch im „Häuschen“ sitzen wir noch mit einem Bier auf der Terrasse, beobachten die Landschaft und die „einfallenden“ Camper aller möglichen Nationalitäten – wir sind nah an Oslo dran.....


Fahrzeit 4:10 Kilometer: 275,8


 

12. Juli (Tag 22): Lystang bei Notodden (Telemarkkanal )

Heute starten wir bei wolkigem Himmel und rd. 15 °C einen letzten Ausflug: Gegen 10.20 Uhr geht es los Richtung Telemarkkanal. Noch schnell auftanken in Gvurv, dann links ab auf geschwungenen Straßen durch Wiesen nach Ulefoss. Hier beobachten wir ein typisches Kanal-Ausflugsschiff beim Schleusen in der engen Kammer. Anschließend düsen wir rd. 10 km am Kanal entlang nach Linde. Eine Landstraße führt uns Richtung Seljord zu einem See und durch schöne Kurven, die sich aufgrund des guten Belags auch herrlich genießen lassen. Dann geht es durch ein Tal am Bach entlang auf eine tolle Kurvenstrecke, wie sie auch in den Alpen vorkommen könnte.Auf dem Weg nach Notodden legen wir einen Stopp in Heddal an der berühmten Stabkirche ein, die immer gut besucht ist – immerhin Weltkulturerbe!

Noch einmal auftanken für morgen und zurück zum Campingplatz.

Wir duschen, bevor der Andrang zu groß wird, trinken Kaffee auf der Terrasse und erkunden bei einem Spaziergang den See. Der Campingplatz bietet eine Grillhütte, einen Badesteg, Boote und Liegestühle sowie Picknick-Gelegenheiten an – und es gibt Mücken ohne Ende!
Wieder zurück in der Hütte folgt noch ein bisschen Internet-surfen und Tagebuch führen, bis ein Gewitter unsere Aufmerksamkeit bindet, das mit dunklen, fiesen Wolken und kräftigem Getöse von Selford Richtung Notodden zieht.

Heute verwerten wir eine Dose Rindfleisch zu einem Goulasch – ist zwar nicht das selbstgemachte wie zu Hause, schmeckt aber auch gut.

Bei einem Bierchen auf der Terrasse schauen wir dem Wechsel von Sonne und Wolken zu und bestaunen wieder neue Nachbarn.

Da es morgen auf die Fähre geht, wird noch schnell für jeden eine „Fährtasche“ gepackt, die wir zügig abschnallen können, um Kleidung und Kultursachen mit an Bord zu nehmen.

Fahrzeit: 2:29 Kilometer: 160,6


 

13. Juli (Tag 23): Lystang bei Notodden – Oslo (Fähre Colour Line))

Die Nacht wird aufgrund unserer Nachbarn durch Lärm und Kindergeschrei recht kurz. So sind wir heute schon um 6.30 Uhr auf, machen uns im Häuschen fertig und frühstücken dann. Der Rest ist ja lange eingespielt: Packen, sauber machen, aufladen, bezahlen.

Um 8.40 fahren wir los, der Himmel ist bewölkt, wir haben Regenjacken an. Von Notodden geht es über die E134 nach Drammen, wo stärkerer Regen einsetzt. Nach den jüngsten Erfahrungen ziehen wir daher unsere Regenhosen auch noch an. Auf der Autobahn nach Oslo kommt die Sonne raus, wir halten aber bis zum Fähranleger mit dem Regenzeug noch aus.

Der Check-in läuft reibungslos, wir werden als erste auf Lane 26 beordert. Dort ziehen wir erstmal die Regensachen aus und hängen sie über für Motorradfahrer bereitstehende Stühle, die auch gern von Autofahrern als „Sonnenplätzchen“ genutzt werden. Nach und nach kommen mehr Biker dazu und man unterhält sich über die Erlebnisse und Routen. Ab 13.00 Uhr beginnt die Verladung, allerdings die Autos Reihe 1-15 zuerst! Seit 12.30 Uhr ziehen aber schon dunkle Wolken auf, ein Gewitter bahnt sich an. Eine deutsche Bikerin versucht bei den Einweisern das Vorziehen der Moppeds durchzusetzen – aber nichts da! Hier hat alles seine Reihenfolge – egal ob man nass wird oder nicht! Um 13.25 Uhr sind jetzt nach den ersten Tropfen von oben die Motorräder dran, dann doch nicht – zuerst die Oldtimer – dann wieder wir, dann wieder Stopp auf der glatten Rampe (!). Schließlich finden wir dicht gedrängt unsere Plätzchen, verzurren die Bikes und sehen zu, dass wir in die Kabine und dann an Deck kommen. Dort sind wir ca. 13.55 Uhr und genehmigen uns ein Auslauf-Bier. Der jetzt richtig einsetzende Regen treibt uns ins Innere, von wo wir das Auslaufen verfolgen – das Observer-Deck ist inzwischen rappelvoll!

Im Oslo-Fjord kommt dann noch einmal die Sonne ein wenig heraus, so dass wir ein zweites Bier noch draußen mit der vorbeiziehenden Schärenlandschaft genießen.

Nach der Dusche und mit „zivilen“ Klamotten an gönnen wir uns jetzt jeder eine Pizza im Restaurant. Die Bedienungen sind international und affenartig schnell. Die Pizza ist nicht billig aber lecker.

Anschließen bummeln wir ein wenig durch das Schiff, stöbern im Duty-free-Shop und verbringen den Abend mit Drinks im Oberserver-Deck, das inzwischen aufgrund des Seegangs von 3-4 und der Windstärke 6-7 ziemlich leer geworden ist – einige sind sogar richiggehend seekrank.

Wir schaukeln mit Seegang durch die Nacht und schlafen beide wie die Babies.

Fahrzeit: 1:50 Kilometer: ca. 100


 

14. Juli (Tag 24): Oslo – Kiel (Fahrt nach Hause)

Um 7.30 Uhr geht der Wecker. Fertigmachen, Moppedsachen an, Taschen packen, teilen uns einen Apfel in der Kabine als „kleines Frühstück“.
Vom Oberdeck schauen wir uns das Einlaufen in die Kieler Förde an: Man sieht schon Eckernförde, dann Schöneberger Strand. Wir bleiben im Windschatten und genießen die Sonne bei 16 °C , während gegen 8.50 Kiel Leuchtturm an uns vorbei zieht. Gegen 9.00 Uhr sind wir auf Höhe Laboe.

Ca. 9.30 Uhr holen wir unsere Sachen aus der Kabine und wollen zum Mopped, erwischen aber die falsche Deckseite, bei der es keinen Zugang zu unserem Parkdeck gibt! Also nochmal hoch bis in den 6. Stock, Seitenwechsel und zurück in Etage 4! Alle Biker sind wieder beisammen – noch ein letztes Pläuschchen und ab geht es um 10.10 Uhr von Bord. Trotz der aktuellen Flüchtlingssituation gibt es in Kiel keine Kontrolle.

Wir biegen entgegen der meisten anderen nach links ab und bahnen uns über das Kieler Ostufer unseren Weg nach Laboe. Hier kaufen wir uns im örtlichen Edeka-Markt ein paar Strandknacker (super-leckere knusprige Brötchen) und Krabbensalat. Nahe dem Ehrenmal der U-Boot-Flotte am Kite-Surfer-Strand machen wir uns unsere Strandknacker-Krabbensalat-Brötchen und schließen so mit Blick auf die Kieler Bucht unsere Nordlandreise ab.


Fahrzeit: ca. 1 Stunde Kilometer: ca. 100


 

Fazit:

Wunderschöne, grandiose Landschaftsbilder, gute Straßen, freundliche und entspannte Menschen erwarten einen in Norwegen. Die Verkehrsdichte ist deutlich geringer als bei uns, die Autofahrer winken Motorräder gern bei kurvigen Strecken an sich vorbei.

Es ist zwar etwas teurer, aber den Preis wert. Die nicht vorgebuchte Tour mit Anmietung einzelner sehr unterschiedlicher Hütten auf Campingplätzen nach Wetter. Lust und Gegend hat sich nach unserer Einschätzung als gut machbar – und mit Blick auf die Pannensituation sogar absolut richtig – erwiesen.


 


 

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Stand: 27. April 2017.