Florida 2014: Kathrins
50.er
oder
„failure
is not an option“

07.01. - 09.01.2014
Anreise
Für Kathrins 50. Geburtstag wollen wir
einmal wieder dem Winterwetter entfliehen und haben uns nach langem
Hin und Her (...ob nun Kuba oder nicht...) für Florida entschieden.
Die Anreise erfolgt über Hamburg mit
Zwischenübernachtung in Frankfurt und weiter nach Orlando. Das Taxi,
das uns von Zuhause abholt, ist nicht im besten Zustand und wir sind
froh, heil am Hamburger Flughafen anzukommen. Das scheinbar
preiswerte Flughafen-Frankfurt-nahe Hotel in Hofheim erreicht man
nur mit einem Taxi für 35,- EUR pro Tour. Der im Internet angebotene
kostenlose Shuttle Service zwischen Hotel und Flughafen für
Übernachtungsgäste ist leider irgendwie nicht verfügbar und so
müssen wir wieder mit einem Taxi zum Flughafen fahren.
Die Preise und das Angebot des
Hotel-Restaurants überzeugen nicht wirklich. Kathrin findet
allerdings ein asiatisches Restaurant, das leckeres Essen zu
verträglichen Preisen bietet.

Den nächsten Morgen begehen wir ganz
gemächlich, da unser Flug erst am frühen Nachmittag abgeht. Auch
diesmal erfolgt - so wie bereits in Hamburg - das Einchecken nur
noch am Automaten und das Gepäck wird dann wie gewohnt am Schalter
aufgegeben.
Auf dem Flug von Frankfurt nach
Orlando hat Bernd mit Fenstersitz fast immer freie Sicht nach unten
und es zeigen sich tolle Bilder von verschneiten Landschaften,
eingefrorenen Meeren und drin herumfahrenden Schiffen, deren lange
Gassen im Eis weit zu sehen sind. Wir fliegen die gesamte Ostküste
der USA herunter, die – wie fast ganz Nordamerika - zur Zeit in
großen Teilen unter Eis und Schnee liegt.

In Orlando gestalten sich die
Einreiseformalitäten und das Schlangestehen weit weniger
bürokratisch und zeitaufwendig als angenommen. Unser Hotel (Airport
Hyatt Regency) befindet sich direkt im zentralen
Abfertigungsterminal. Dass man sich auf einem internationalen
Flughafen aufhält, merkt und hört man in diesem Hotel überhaupt
nicht. Leider gibt es im Hyatt nur auf einer der Flügelseiten Lifte
und der Weg zu unserem Zimmer führt uns genau gegenüber, immer um
das mächtige Atrium herum. Das wäre weniger erwähnenswert, wenn
Bernd denn wieder ohne Probleme laufen könnte. Aber leider verfolgen
ihn heftige Gelenkschmerzen in den Füßen und Knien fast die gesamte
Reise über.

09.1. - 10.01. Port
Orange
Kathrin verbindet das Frühstück-Holen
bei Starbuck´s mit dem von der Wohnmobilvermietung „Road Bear“
geforderten Anruf, um den Übernahmezeitpunkt des Campers zu
vereinbaren. Wir hatten vorab per e-mail darum gebeten, uns diese
Zeit z.B. als Nachricht an der Rezeption zu hinterlassen – aber: no
way.....
Jetzt kommt plötzlich Hektik auf, da
wir schon in wenigen Minuten um 9.00 zur Übernahme des Campers dort
sein sollen (was vorher offenbar nicht abzusehen war? Wir sind
übrigens die einzigen Kunden, die heute ein Fahrzeug übernehmen!
Nach unseren bisherigen Informationen begann die „pick-up-time“
frühestens gegen 11.00 Uhr!).
Die Hotelrezeption empfiehlt uns das
„Taxi“ im 1. Stock, bei dem es sich letztendlich um einen
Limousinenservice handelt, was wir nicht wussten. Der Vermieter ist
jetzt „pissed“, da er hierfür $33 für die Fahrt bezahlen muss und es
mit einem Yellow Cab billiger gewesen wäre.
Die Übergabe erfolgt schlichtweg
„bocklos“ („“Ich brauche ja wohl nicht zu erklären, wie eine
Automatik /ein Gasherd/Zu- und Abwasser funktionieren...“).
Lediglich die Frage nach Absperrhähnen reißt ihn aus seiner
Selbstverständlichkeit: „Was? Ähhh...nöhh, gibt’s nicht“). Es hagelt
eine Menge Maßregelungen sowie deren geldliche Ahndung bei
Missachtung (inkl. Besenreines Hinterlassen des „Motorraums“ -
gemeint war sicher die Fahrerkabine....). Und dann das Märchen mit
der Maut: Da wir an den Mautstationen ja permanent Gefahr laufen,
die falschen Kassenstellen anzulaufen (was selbstverständlich vom
Mautbetreiber „Sun Pass“ und natürlich auch von „Road Bear“ mit
einer Strafe von je $ 100,-- belegt wird), empfiehlt sich nur die
Übernahme eines Transponders mit automatischer Abrechnung aller
mautpflichtig gefahrenen Strecken für läppische $ 50,--. Dazu kommen
noch je $ 9,- für zwei gut eingesessene Campingstühle, die nicht im
sogenannten „convienience-kit“ (je $ 35,-- p.P.) enthalten sind.
Letzteres stellt sich eher als Grundausstattung des unteren Niveaus
heraus (Geschirr, Bettwäsche, Handtücher), ist in unseren Augen bei
der Vermietung selbstverständlich und hat mit „Convienience“ gar
nichts zu tun. Selbiges gilt für die „preperation fee“ von immerhin
2 x $ 100,-- ).
Das Ganze war überhaupt kein Vergleich
zu KEA auf Neuseeland!!!!!
Es folgen die ersten vorsichtigen
Schritte mit dem E350 8-Zylinder Ford Wohnmobil mit Slide Out (der
den Wagen im Stand um gut 50cm in der Mitte verbreitert und ein
äußerst angenehmes Raumgefühl gibt). Der Wagen verfügt über
Citywasser-Anschluss und ein geschlossenes Abwassersystem mit
genormten Ablaufschlauch, so lebt man – nachdem alles auf dem
Stellplatz angeschlossen ist - also wie im eigenen Haus völlig
autark (ohne Sanitärhäuschen) – so etwas in Europa wäre ein Traum.

Unser erster Abstecher nach dem
obligatorischen Großeinkauf bei ALDI bringt uns nach Daytona Beach.
Der erste Campingplatz bietet keine Highlights, aber die
Möglichkeit, die allgemeinen Funktionalitäten des Campers
auszuprobieren. Am nächsten Tag fahren wir wieder ab, versuchen
noch, an den berühmten „Autostrand“ kommen, wo schon früher Rennen
stattgefunden haben, und der auch heute noch als Park- und
Flaniermeile von Fahrzeugen genutzt wird. Aufgrund des recht
heftigen Sturmes ist aber derzeit von dem Strand nicht viel zu sehen
– schon gar nicht von den Harleys, da die „Daytona-Bike-Week“ erst
im Februar stattfindet.
10.01 – 12.01. St. Augustine / Anastasia State
Park
Über die kleine Küstenstraße A1A geht
es gemächlich am Meer entlang. Hier gibt es immer wieder tolle
Häuser und hübsche Einblicke in deren Gärten. Viele davon stehen
auch zur Ferienvermietung bereit.
Unser heutiger Campingplatz ist in
einem State Park untergebracht. Wir stehen mitten im „Wald“,
abgeschottet durch natürliche Baum- und Heckenbegrenzungen zum
Nachbarn und können trotzdem das Meer rauschen hören. Ein
ausgiebiger Spaziergang am Meer darf nicht fehlen, soweit das mit
Bernds Beinen geht. Trotz Wochenendes sieht man wenige Leute dort,
was vielleicht auch mit am immer noch steifen Wind liegt.

Zum Frühstück gibt es die leckersten
und saftigsten Grapefruits, die wir je gegessen haben.
Am Abreisetag (Kathrins 50.
Geburtstag) besuchen wir das Städtchen St. Augustine mit seiner
Festung „San Marcos“ und der „Altstadt“ (hier gilt so ziemlich alles
als das Älteste der USA, da hier die Spanier seinerzeit anlandeten)
und schlendern durch die morgens noch leeren, engen Gassen.

Die Fahrt geht heute wieder mit
unserer blubbernden 8-Zylinger-Sänfte über die aussichtsreiche A1A
mit Einkauf bei „Publix“ zurück nach Daytona und dann auf dem
ziemlich geraden Highway 1 in Richtung Cape Canaveral.
12.01. - 15.01. Cape Canaveral
Im „Jetty Park“
kommen wir auf dem Campingplatz fast neben den Cruising Terminals
der Carnival-Linie unter (drei Kreuzfahrer laufen heute mit lautem
Getute der Typhone aus) und wir fühlen uns mit unserem Wohnmobil
ganz klein zwischen den „Big Rigs“ (Wohnwagen mit Sattelauflieger
auf einem Pick-up).
Am nächsten Tag
genießen wir erst einmal das Strandleben: Nach einem gemütlichen
Spaziergang an dem fast endlos erscheinenden, wunderschönen Strand
setzen wir uns mit unseren Campingstühlen vor die flachen Dünen und
halten unsere Körper – natürlich gut eingecremt - in die Sonne. Dazu
gibt es ein „chicken-wings-picknick“.

Am folgenden Tag
fahren wir zum Besucherzentrum des John F. Kennedy Space-Centers.
Als erstes setzen
wir uns mit dem Ticketautomaten auseinander, da die Schalter gerade
ziemlich voll sind. Nachdem wir den richtigen Tarif gefunden und die
Tickets gelöst haben, treibt uns ein Regenschauer in die erste der
Ausstellungshallen. Hier werden die Anfänge der Raumfahrt mit den
Mercury und Gemini-Raktenprojekten inkl. noch recht einfacher
Ausstattung gezeigt.
Dann geht es in
den Rocket Garden mit diversen Raketenmodellen verschiedener Größen
(hier werden einem erst die Dimensionen bewusst), der Gangway, die
die Astronauten in die Kapsel führt und die total enge Kapsel
selbst. Das sah damals schon im Fernsehen so klein aus, ist aber
noch viel enger als gedacht!
In unserem Ticket enthalten ist auch eine Bus-Tour, die über das
weite Gelände (mit vielen Tieren wie Aligatoren und Seevögeln) an
die Raketenabschussrampe führt. Beeindruckend ist auch das für den
Raketentransport benötigte Kettenfahrzeug und die dafür angelegte
„Straße“: Der sogenannte „Crawler“ ist unbeschreiblich groß,
entsprechend schwer und die Ketten gigantisch!
Der Weg geht auch
am Konstruktionsgebäude vorbei, das nach Einstellung der
Space-Shuttle-Programme nicht mehr im eigentlichen Sinne genutzt
wird. Allerdings haben sich Firmen wie Boing hierin angesiedelt –
und man weiß ja nie, ob das in Zukunft nicht doch noch einmal
gebraucht wird......

Die Bus-Tour
bringt uns zum Schluss in das Apollo/Saturn V-Center. Hier wird es
jetzt extrem beeindruckend: Wir erleben als Zuschauer auf der
„Hinterbank“ den Start einer Apollo-Rakete im „Fireroom“ (also der
Startzentrale) mit, der dort originalgetreu aufgebaut ist.
Eigentlich erschreckend ist die vollständig analoge Technik mit
Glühlämpchen, Kippschaltern, Telefonhörern usw.. Wir sind zwar
Kinder aus dieser Zeit, können uns aber kaum noch vorstellen, dass
damit Raumfahrt möglich wurde!
Dem Start voraus
geht der Check-up zwischen Flightdirector und dem jeweils
zuständigen Fachmitarbeiter (die jeweiligen Plätze werden immer dann
beleuchtet, wenn einer „spricht“). Danach ergeben sich bestimmte
Fortschrittsstufen, für die auf einer großen Tafel nach und nach
beschriftete Leuchtfelder angeknipst werden. Es folgt der klassische
Countdown und dann folgt der Raketenstart, bei dem sogar unsere
Zuschauersitze erbeben....Wir bekommen eine Gänsehaut! Als Kind hat
Kathrin mit ihrem Vater die Apollo-Starts im TV verfolgt und fühlt
sich genau jetzt in diese Zeit zurückversetzt.

Es folgt eine Halle, in der die Apollo 14-Rakete in ihren einzelnen
Stufen plus Mondfähre ausgestellt – wahnsinnig interessant mit guten
Erläuterungen zum besseren Verständnis, aber man kann nicht alles
lesen....Auch hier sind wieder Exponate wie Raumanzüge der
verschiedenen Missionen, technische „Spickzettel“ der Astronauten
(ziemlich einfach....) und z.B. Mondgestein zu sehen. Kathrin
„springt“ das Motto der beinahe gescheiterten Apollo-13-Mission als
Leitlinie an: „failure is not an option!“ Das hilft später auf der
Reise als Durchhalteparole in so manchen Fällen.....

Nach der Rückfahrt ins Space-Center stürzen wir uns auf die
Atlantis-Missionen: Ein kurzer Film stimmt uns auf die
Entstehungsgeschichte der Atlantis-Space-Shuttles ein, die immerhin
rd. 12 Jahre dauerte und von vielen Rückschlägen gezeichnet war.
Dann geht es in ein Rundkino, wo in 3D Szenen aus dem Weltall aus
der Sicht der Atlantis-Besatzung gezeigt werden – schon toll, aber
dann kommt´s: Wie aus einem Nebel zeichnen sich plötzlich „im
Weltraum“ die Konturen des Atlantis-Shuttles ab, werden immer
deutlicher, dann wird eine „Milchwand“ zur Seite gezogen und da
„schwebt“ die richtige Atlantis in Lebensgröße – aufgeklappt unter
die Decke gehängt im riesigen Nebenraum! Wieder Gänsehaut!
Auch hier ist die Ausstellung wieder unheimlich interessant und
spektakulär. Gezeigt werden z.B. die „Kabinen“ der Astronauten und
Fragen der Lebensweise an Bord. U.a. anderem wird da auch geklärt,
wie eigentlich ein Astronaut in der Schwerelosigkeit „`mal muss“
(wer das wissen will, sollte `mal ins Kennedy-Space-Center
gehen...(:-))....).
Darüber hinaus
gibt es verschiedenste Simulatoren, an denen man seine eigene
Geschicklichkeit z.B. beim Manövrieren unter Beweis stellen kann.
Außerdem werden die einzelnen Phasen erläutert, die das Shuttle vom
Start bis zum Wiedereintritt in die Erdatmosphäre durchlebt (hier
auch beeindruckend: die Hitzeschilde als „Kacheln“ an der
Außenhaut).
Natürlich darf
auch ein Gedenken an die vielen geglückten, aber auch die zwei
unglücklichen Missionen mit tödlichem Ende nicht fehlen.
Wir sind inzwischen nach rd 5 ½ Stunden von all den Informationen
ziemlich platt und Bernds Füße wollen auch nicht mehr. Es gäbe noch
eine Unmenge zu sehen, so z.B. die als phantastisch beschriebenen
Filme im IMAX-Theater auf Großbild-/3-D-Leinwand (u.a. Aufnahmen des
Hubble-Teleskops), Simulatoren und „Astronauten-Ausbildungsgänge“,
die z.T.in der „Hall of Fame“ (ebenfalls im Preis inbegriffen))
stattfinden. Wer will kann gegen Aufpreis mit einem Ex-Astronauten
Essen gehen und ihn nach seinen Erlebnissen befragen. Stoff gibt es
noch für viele Besuche – es lohnt sich wirklich, auch wenn Manches
mit dem typisch amerikanischen, heroischen Pathos gezeigt wird, was
uns Europäern eher überschwänglich und in Teilen recht übertrieben
vorkommt.
15.01. - 16.01. Nettles Island
Unsere Weiterfahrt führt uns über die
vorgelagerte „Sandbank“ der Space- und Teasure-Coast über die A1A
entlang des Indian River (der eigentlich eine Lagune ist), vorbei an
wunderschönen, ruhigen Wohnparks an einen Ort, den wir uns vorher
nicht hätten vorstellen können: „The Village at Nettles Island“:
Eine künstlich angelegte Insel mit wohlgeordneter Infrastruktur, ein
sogenanntes „Condominium“, ein in sich geschlossenes, gut bewachtes
Rentnerparadies. Hier stehen kleine Ferienhäuser, zu solchen
umgebaute Wohnwagen oder „big rigs“ und busartige Wohnmobile auf
sauber und symetrisch angelegten Grundstücken. Herzstück der Anlage
sind Pool, Clubhaus (mit diversen Aktivitäten über den gesamten Tag
hinweg), ein Bootshafen – und was überhaupt nicht fehlen darf –
mind. St. 20 Shuffleboard-Felder (dieses Spiel hat sich uns noch
nicht erschlossen).
Alles kennt und liebt sich, man
besucht sich gegenseitig und überwintert hier gemeinsam. Dazu jagen
die Rentner mit ihren elektrischen Golfwagen (jeder hat einen!)
durch die Gassen, dass man aufpassen muss, nicht angefahren zu
werden. Das Ganze wirkt völlig bizarr und erinnert geradezu an einen
Sciene-Fiction-Film, in dem die Menschen verlernt haben zu laufen.
Wir bekommen den Platz 999 (für „overnighter“
oder „Fremdkörper“) zugewiesen, auf dem es zunächst kein Wasser und
kein Strom gibt. Ein netter Nachbar, der sich sofort vorgestellt
hat, telefoniert mit der Rezeption und nach einiger Zeit ist alles
o.k..
Unser kalifornisches Kennzeichen ruft
sofort einige Nachbarn auf den Plan, die uns die Schuld an dem sich
verschlechternden Wetter geben wollen und mit Erstaunen feststellen,
dass wir gar nicht aus California sondern aus „good old Germany“
sind - wobei wahrscheinlich einige davon noch nicht einmal genau
wissen, wo das eigentlich liegt!
Über einen kleinen Rundgang erkunden wir dieses geschlossene Reich
und sind froh, dies morgen wieder zu verlassen (zumal die Preise
horrend sind).
16.01 – 19.01. Key
Largo
Wir meiden
bewusst die sehr touristischen Orte wie Palm Beach, Fort Lauderdale
und Miami, da wir dort keine geeigneten Stellplatzmöglichkeiten
finden, die uns eine Erkundung der Orte (ohne unser Wohnmobil)
ermöglichen würden. In den Orten gibt es keine hierfür ausgelegten
Parkplätze und Roller oder Fahrräder kann man – für gesalzene Preise
- erst an den Hotspots mieten, wie aber dahin kommen? In den USA hat
man über die big rigs mit dem Zugfahrzeug oder dem hinter dem
busähnlichen Wohnmobil hergezogenen Jeep immer ein Auto parat. Daher
ist man auf solche Leute wie wir gar nicht eingerichtet. Das haben
wir schon in Cape Canaveral gemerkt, als wir nach einem
Shuttle-Service zum Space-Center fragten, man völlig verwirrt
reagierte (ohne eigenes Auto?) und uns ein Taxi für $ 80, – anbot.
Somit verdrücken
wir uns aus dem Verkehrsgewirr auf den Highways um Miami und fahren
durch das Hinterland über den Okeechobee-See, die „echte
Fernfahrerstraße“ 27 und Florida City zum Einstieg in die Keys und
machen hier in Key Largo erst einmal Halt. Leider schlägt wieder die
Gicht zu und wir müssen 2 Tage pausieren. Das gibt uns aber
reichlich Zeit, unseren Ausflug nach Key West zu planen.

In Key Largo gibt es mit dem John Pennekamp Coral Reef ein riesiges
Unterwasserparadies, in dem man tolle Tauch- und Schnorchelgänge
machen kann – allerdings ist das Wetter für jegliches Badevergnügen
zu kalt. Angeln ist nicht so unser Ding und der Mini-Strand am
Campground gibt leider auch nichts her. Ein Besuch des örtlichen
Outlet-Centers bestätigt, dass man nichts geschenkt bekommt.
Am 19. fahren wir
dann über viele Brücken und kleine aufgereihte Inselchen nach Key
West. Besonders beeindruckend ist die Seven Mile Bridge und die
nebenher laufende alte Brücke. Dank guter Vorbereitung, Kathrins
ausgeprägter Navigation und Bernds eiserner Nerven finden wir einen
Parkplatz für das Wohnmobil und schlendern (eigentlich müsste es
humpeln heißen)) anschließend durch Key West. Am „Southernmost“ (90
Meilen Punkt bis Kuba, der durch eine Boje an Land gekennzeichnet
ist) herrscht reger Andrang, um ein passendes Foto zu machen
(witzig: wirklich jeder reicht den Fotoapparat seinem Nachfolger,
der dann das Foto vom Vorgängerpäarchen macht).

Wir erkunden den
netten Higgs Beach mit Seebrücke und landen schließlich in der
Duval-Street, der Einkaufsmeile von Key West. In einem
Souvenier-Shop drängen sich einzelne Kleinigkeiten förmlich auf.
Außerdem gibt es dort ein paar sehr sehenswerte Häuser im
sogenannten Conch-Stil (mit Türmchen, und gedrechselten
Balkonumrandungen). Die Mallory Square, der quirlige Platz, an dem
sich zum Sonnenuntergang viele „Zuschauer“ und Gaukler versammeln,
den Leuchtturm sowie den Kreuzfahrtanleger lassen wir aufgrund
unserer eingeschränkten Laufmöglichkeiten aus. Der Ort ist wirklich
recht hübsch und hat schon seinen eignen Charme, erstickt aber auch
in touristischer Vermarktung von Hemmingway und der hier beginnenden
Meilenzählung der Key-Straße Richtung Norden.

Der für den
Rückweg ausgesuchte Campground im State Park Bahia Honda ist leider
seit Monaten ausgebucht und so fahren wir wieder nach Key Largo und
übernachten wieder auf einem „Overflow Platz“ (ohne Strom und
Wasseranschluss, dafür aber extrem preiswert für die Keys). Dies
eröffnet uns aber die Möglichkeit, am Montag bei „Publix“ um die
Ecke, die Vorräte zu ergänzen (es geht in die Everglades – da gibt
es nichts) und bei „Big K“ für Bernd ein paar preiswerte
Winterstiefel für unseren Aufenthalt in New York zu kaufen, da er
jetzt wieder in normale Schuhe hineinpasst.
20.01 – 22.01.
Evergaldes National Park / Campground Flamingo
Über Florida-City
finden wir den Einstieg in die 9336, die einzige Straße in den
Everglades National Park. 38 Meilen nach der Parkeinfahrt durch
Steppe-/Sumpf- und Mangrovenlandschaft erreichen wir den Campground
Flamingo. Für $ 16,- dürfen wir auf einem Platz ohne Strom und
Wasser stehen. Insgesamt aber ist der gesamte Platz die Wucht. So
hatte sich Bernd die Plätze in überall vorgestellt: Viel Platz und
ein befestigter Parkstreifen für das Wohnmobil und viel unberührte
Natur drum herum!

Wir gehen an der
Bay entlang mit ihrer wunderschönen Inselwelt zum ca. 2 km
entfernten Visitor Center. Schon auf dem Weg dorthin begegnen uns
diverse Vögel, die wir noch nie zuvor gesehen haben. Im kleinen
Hafen zeigen sich dann gleich zwei amerikanische Krokodile (recht
mächtig) in der Sonne liegend, und ein Manatee (Seekuh) bekommen wir
zu sehen, das die Algen am Steg ziemlich lecker findet.

Nach der Hektik
der vergangenen Tage ist es hier still und beschaulich. Der
Abendhimmel zeigt sich in einem tollen rot, wie man es leider nicht
mit dem Fotoapparat einfangen kann, und man fühlt sich hier wie auf
einer einsamen Insel.
Am zweiten Morgen
sehen wir einen beeindruckenden Sonnenaufgang und zwei Regenbögen
gleichzeitig. Es wird regnerisch. Das erzählt uns auch die kauzige
Oma vom Nachbarstellplatz (komische Anglerfamilie mit abgesetztem
Pick-up-Aufsatz und Außenküche, alles ein wenig verwahrlost), die
scheinbar nur über das Wort „cold“ als Vokabelschatz für Dusche und
Wetter, aber fünf Jahre Everglades-Erfahrung verfügt. Wir nehmen sie
zu diesem Zeitpunkt nicht ganz so ernst, werden aber in der Folge
häufiger an ihre Äußerungen denken.....
Und so fällt
unsere am Mittag begonnene Tour mit dem Kanu durch die Mangroven
buchstäblich ins Wasser : Nach der Hälfte unserer 2-stündigen
Paddeltour setzt erst leichter, dann heftiger Regen ein. Wir sind
beide nass bis auf die Knochen, versuchen uns im Kiosk, wo wir das
Boot gemietet haben, zunächst mit Kaffee zu wärmen. Da wir keine
Regenjacken mit haben, versucht Kathrin noch zwei Regenponchos in
Form von Müllsäcken zu besorgen, was uns der Kioskbetreiber aber
verweigert. Die Rangerin im Visitor Center dagegen versteht unsere
unglückliche Situation mit dem langen Weg zum Campground und reicht
heimlich unter dem Tresen zwei Müllsäcke durch, damit das niemand
mitbekommt. Das werden wir ihr nie vergessen!
Auf dem Fußmarsch
zum Campground begleiten uns Geier und schauen uns neugierig zu.
„Ihr kriegt uns nicht!“

Im Wohnmobil
gibt’s erst einmal trockene Klamotten und eine heiße Brühe. Aber
Bernds Bein hat der zügige Fußmarsch nicht gut getan.
Kathrin wird
angesichts der immer wieder auftauchenden Laufprobleme bei Bernd
nachdenklich, ob und wie wir die Rückreise im Notfall bewältigen
können. Das kostet auch manchmal die halbe oder ganze Nachtruhe.....
Am nächsten
Morgen auf dem Weg aus dem Everglades-Nationalpark biegen wir noch
im Royal Palm Visitor-Center ab. Dort gibt es zwei „Trails“, einen
eher botanisch geprägten („Gumbo Limbo Trail“) mit Erläuterungen zu
den typischen Pflanzen der Gegend. Völlig faszinierend ist aber der
nach dem Kormoran ähnlichen Vogel benannte „Anhinga-Trail“: Neben
diesen Vögeln, die nach jedem Wassereinsatz ihr Gefieder mit
ausgebreiteten Flügeln trocknen, gibt es diverse Tierarten in
unmittelbaren Nähe – teils fast zum Anfassen nah“ - zu sehen, was
man insbesondere bei den Aligatoren besser vermeiden sollte. Die
liegen z.T. auf dem Weg oder kaum daneben und sonnen sich, manch
einer scheinbar zum „Sonnenanbeter“ erstarrt. Wasserschildkröten
paddeln munter herum, überall stehen große, kleine, weiße und bunte
Reiher und warten auf eine Mahlzeit. Die einheimischen
„Riesen-Fische“ kommen dafür nicht in Frage – sie lassen sich nicht
in einem Stück herunterschlingen! Alles in allem ein sehr
beeindruckender Rundweg, der einem die Tiere in ihrer natürlich
Umgebung nahebringt und den man auf keinen Fall auslassen sollte!

Die weitere Fahrt
führt nach dem Durchqueren eines Indianergebiets, in dem eher auf
den Tourismus zugeschnittene Dinge (=Nepp) gezeigt werden, durch den
„Cypress National Park“, an dem wiederum Aligatoren und weiße Reiher
„an der Straße“ völlig unbeeindruckt vom Verkehr herumstehen. Bei
einem Halt mitten in der Landschaft erleben wir den ohrenbetäubenden
Lärm der Airboats (die scheinbar typischen, durch einen
Rückenpropeller getriebenen Gleitboote), die nur außerhalb der Parks
eingesetzt werden dürfen – aus gutem Grund! Wir nehmen jedenfalls
von einer solchen Fahrt Abstand.
22.01 – 23.01.
Naples / San Marco
Heute landen wir
auf dem KOA-Campground in Naples, einem „besseren“ Ort an der
Westküste. Kathrin wäscht Wäsche (mit „Familienanschluss“ an die
hiesige Rentnergemeinde) und Bernd aktualisiert unseren Standort im
Internet und plaudert etwas mit T.K. via Facebook. Für viel Geld
stehen wir auf einem Platz der nicht wirklich toll ist – für eine
Nacht geht es aber. Die Nacht ist lausig kalt (rd. 7 °C) und morgens
muss die Heizung ordentlich arbeiten. Tatsächlich, es wird „cold“...
23.01 – 26.01. Red
Coconut Beach / Fort Myers
Die morgendliche
Fahrt führt uns über das hübsche und vornehme Marco Island. Dort
wollen wir eigentlich die tollen Strände wie „Tigertail“ sehen. Dies
bleibt uns aber verwehrt, da es keinen öffentlichen Strandzugang
gibt bzw. wir mit dem Wohnmobil dort nicht hinkommen. Quer durch
Naples auf breiten und überfüllten Straßen (mind. 3-spurig) geht es
in einer sehr anstrengenden Fahrt zum nächsten Campground in Fort
Myers Beach – direkt am meilenlangen Strand der Halbinsel Estero.
Dort wollen wir bis Sonntag jetzt stehen bleiben. Nur einmal über
die Straße gelangt man an einen langen und feinsandigen Strand, den
wir auch gleich zu Fuß erkunden.
Nach dem
Abendessen genießen wir noch einen tollen Sonnenuntergang am Meer,
bei dem mehrere Delphine ihre Bahnen durch das ruhige Wasser ziehen
- fast kitschig und wie bestellt (oder doch aus Plastik, wie Bernd
vermutet.....?).

An einem Abend
findet eine Campground-party statt, zu der auch wir durch einen
„Anwohner“ eingeladen werden. Wir erleben diese aber lieber aus
sicherer Entfernung von unserem Platz aus mit, da alle an uns
vorbeigezogenen Teilnehmer etwas Kulinarisches beitragen und wir mit
leeren Händen da stehen würden. Ein Live-Sänger interpretiert auf
seine sehr eigene Weise diverse bekannte Lieder und Evergreens und
wir fühlen uns unwillkürlich an das Chili-Fest in Madrid aus dem
Film „Born to be wild“ erinnert.
Von einer
schwedischen Nachbarin hören wir, dass es nach „Downtown“ einen
Trolley-Service (altertümlich anmutender Bus) gibt, der nur wenige „bucks“
(= 1 USD) kostet. Wir machen uns auf den Weg (Bernds Beine machen
heute mal mit!) und landen bald (ohne Trolley-Einsatz) zu Fuß am
„Time Square“, wo diverse „hippe“Bars und bunte Geschäfte mit
T-shirts und Badesachen ihre Dienste feil bieten. Wir bummeln ein
wenig herum, schlendern zur großen Brücke und dem kleinen Hafen und
anschließend über den Strand wieder zurück. Hier herrscht heute
(Sa.!) reichlich Leben, obwohl gerade eine dichte Wolkenschicht
einzieht und das Strandleben nicht mehr so richtig zum Vergnügen
macht.
Tatsächlich zieht
schlechtes Wetter auf und es macht keinen Sinn, hier weiter
auszuharren. Also beschließen wir, weiter nach Norden zu verlegen.
Also, ´mal wieder Vorräte aufstocken, tanken und los! Da wir keine
detaillierte Karte von Fort Myers Beach haben, navigiert uns Kathrin
- wie schon auf der Herfahrt - mit einer Karte aus einem
Gutscheinheft – das funktioniert erstaunlich gut!
Über die 41 geht
es u.a. über Port Charlotte nach „Venice“, bei dessen historischem
Stadtkern uns die Tränen vor Lachen in die Augen schießen – so
stellen die sich also den Markus-Platz vor?
26.01 – 31.01. Fort
de Soto / St. Petersburg
Über das
geschäftige Sarasota geht es in Richtung St. Petersburg. Hier haben
wir uns auf der vorgelagerten Insel den ruhigen County Park
(Naturschutzgebiet) Fort de Soto als Bleibe ausgesucht. Diesen
erreicht man am besten von Süden her über die beeindruckende „Sunshine
Skyway Bridge“: bemerkenswert hoch, rd. 18 km lang und mit
sagenhaftem Blick über die Tampa Bay und St. Petersburg. Wie zwei
weitere folgende Brücken ist sie mautpflichtig, aber wir können mit
unserem Sun-Pass-Transponder einfach durch die Stationen ohne Halt
hindurch fahren. Doch auch die anderen Spuren sind gut und
rechtzeitig ausgeschildert als „exact coins“ oder „change
provided“-Spuren.
Der Campground
liegt total idyllisch direkt an der Tampa Bay und unser Stellplatz
unmittelbar am Wasser. Alle Plätze sind voneinander durch Palmen und
Büsche getrennt. Überall stolzieren Reiher und andere Vögel ohne
Scheu herum, an „unserem Strandabschnitt“ graben sich kleine Krebse
in den Sand ein, eine Familie Waschbären balgt sich unter unserem
Wohnmobil.

In der ersten
Nacht regnet es reichlich, der Morgen begrüßt uns mit Nebel und die
Schiffe der Tampa Bay uns mit Nebelhörnern. Heute ist ´mal wieder so
ein Tag, an dem mit Bernds Füßen gar nichts geht. Also bleiben wir
im Wagen und beschließen, die restlichen Tage an diesem hübschen,
naturnahen Platz zu verbringen.
Am nächsten Tag
werden wir dafür belohnt: Bei einer „original amerikanischen“
Sightseeing-Tour (mit dem Wohnmobil überall ganz nah heran fahren,
möglichst nicht laufen) erkunden wir bei wunderbarem Sonnenwetter
die Strände und das alte Fort des Parks. Zwei Seebrücken gehören
auch dazu.
Anschließend
machen wir es uns an einem so gut wie menschenleeren Strandabschnitt
am Oststrand mit Blick auf die Sunshine Skyway Bridge gemütlich.
Hier gibt es saubere Toiletten und Duschen, eine „picknick-area“ mit
beschatteten Sitzplätzen und blitzsauberen Grillstationen für
jedermann. Auch das Parken ist in dem Eintrittsgeld des Parks (= $
5,-- pro Auto!) mit enthalten! Das stelle man sich einmal an der
Ostsee vor....
Eine
Delphinschule zieht springend und spielend durch die Bucht und kommt
später noch einmal zurück. Am Abend beobachten wir sie wieder, wie
sich im Sonnenuntergang gemeinsam Jagd auf forellenartige Fische
machen, die zu dieser Tageszeit – wohl ihrerseits auf Nahrungssuche
– aus dem Wasser springen. Das Licht taucht das Ganze in eine
unbeschreibliche Atmosphäre!
Der Folgetag
bringt leider wieder ein Tiefdruckgebiet mit sich, das uns erneut
eine Zwangspause aufdrängt. Heute kommt es – wohl aufgrund der
geringen Temperaturen (...“cold...“ klingt die kauzige Stimme der
Oma im Kopf) und dem damit erhöhten Einsatz von Elektroheizungen in
den üppig ausgestatteten Mega-Mobilen - zu einem Stromausfall auf
dem gesamten Platz. Der gemeine amerikanische Camper kommt dabei
schnell in Hektik, weil er doch einige Verbraucher mehr am Laufen
hat als wir. Unsere Nachbarn, die Knights, haben allerdings schon
Alarm geschlagen und nach rd. einer Stunde ist das Problem
beseitigt.
Am Donnerstag
erkunden wir dann bei ebenfalls mäßigem Wetter mit unserer „Sänfte“
(Wohnmobil) die Küstenstraße Richtung Norden durch sehr
unterschiedliche Orte (´mal klein und beschaulich, ´mal Szenetreff,
aber immer mit hübschem Strand) bis zum recht touristisch geprägten
Ort Clearwater (hat eher was von Eschborn...). Hier nehmen wir noch
ein paar größere Brücken mit, ehe wir uns wieder an den Stellplatz
heranpirschen.
Es geht auf die
Abgabe des Mobils zu und so bereiten wir uns auf die „Heimreise“
vor. Am Freitag geht es dann ein letztes Mal über die Hochbrücke und
dann auf die vielbefahrene Interstate 95, auf der es um Tampa recht
eng und unübersichtlich wird. Das motiviert uns zu einem weiteren
Landausflug über die kleinere Straße 92 ostwärts von Lakeland über
Kissimmee bis direkt nach Orlando hinein.
31.01. - 01.02.
Orlando / KOA Campground Lake Whippoorwill
Bei Regen kommen
wir auf dem Platz an und bekommen den letzten freien Stellplatz. Gas
können wir leider nicht sofort auftanken, da dies nach Auskunft der
Campingplatzbetreiber wegen statischer Aufladung bei Regen verboten
ist. Kathrin packt die Taschen und wir machen uns und das Wohnmobil
abreisefertig.
Am nächsten
Morgen ist es zunächst sehr neblig, klart dann aber etwas auf. Heute
können wir den Gastank füllen und tanken auch an der nächsten
Benzin-Tankstelle voll. Die Übergabe an Road Bear erfolgt
unkompliziert mit einer freundlichen Unterhaltung und wir schließen
dieses anfangs mehr ungute Kapitel ab, zumal sich auch der Wagen in
einem einwandfreien Zustand zeigte. Die Sun-Pass-Regelung war im
Nachhinein betrachtet zwar sehr beruhigend, den ausgegebenen Betrag
von $ 50,-- (inkl. $ 9,-- Gerätebereitstellung) haben wir aber nicht
einmal annäherungsweise „abgearbeitet“.
01.02. - 03.02.
Double Tree by Hilton at Universal / Orlando
Ein
altersschwaches Taxi mit einem dazu passenden, torfnasigen Fahrer
bringt uns (tatsächlich!) in unser Hotel. Dort besorgt Kathrin als
erstes mal einen Wheelchair für Bernd, der heute wieder ständig
zunehmende Schmerzen hat und nicht laufen kann. So können wir uns
wenigstens gemeinsam auf den Hotelgelände bewegen und im inzwischen
sonnigen Innenhof eine Pizza essen gehen. An den Besuch eines
Vergnügungsparks oder die einmal überlegte Anmietung einer Harley
zum Abschluss ist nicht zu denken.
Am 2. Tag können
wir noch einige Stunden am Pool bei herrlichstem Wetter sitzen und
genießen. Das entschädigt ein wenig und so hätten wir uns das auch
für die gesamte letzte Woche gewünscht!

03.02. - 05.02.
Abreise
Am Abreisetag
(Montag 03.02.) werden wir um 8:30 Uhr von einem zuvor bestellten
Shuttle-Service zum Flughafen Orlando gefahren. Das Gepäck werden
wir sofort los, da die Inlandsflüge bevorzugt schon vor dem Gebäude
angenommen werden. Nach der Sicherheitskontrolle mit Körperscanner
gehen wir in unser Gate. Um 11:10 kommt unser Flieger aus NY, um
10.11 Uhr wird unser Flug nach Newark wegen der Wetterlage
gestrichen (Boarding wäre um 11:20 gewesen). Der Flug fällt aus, da
im gesamten Bereich New York starke Schneefälle herunter kommen.
Jetzt sitzen wir hier und keiner weiß wie es weiter geht. Kathrin
stellt sich in einer langen Schlange zum Umbuchen an.

Zunächst stellen
sich zwei United-Mitarbeiter im Gate den Fragen der Fluggäste, dann
verabschiedet sich die eine (offensichtlich vorgesetzte) Dame nach
nur einem Passagier mit dem Hinweis, sie müsse auf die Toilette. Der
Mann (Leon) ist weiter bemüht, Lösungen anzubieten, es wird
zwischenzeitlich eine Call-Center-Hotline freigeschaltet, über die
US-Direktflüge ohne weitere Anschlusserfordernisse relativ schnell
eine Umbuchung bekommen können. Die United-Dame kommt nicht wieder,
die kleine Schlange an ihrem Schalter steht weiter wartend da,
unsere wird leider auch kaum kleiner. Inzwischen (nach ca. ¾ Stunde)
öffnet hinter uns ein „Customer-Care-Center“ und nimmt
Fragen/Umbuchungen auf. Jetzt verabschiedet sich auch „unser“
Mitarbeiter mit dem Hinweis, er brauche einen Kaffee! Tatsächlich
kommt er nach rd. 5 Minuten mit Getränk wieder. Später nimmt eine
eher unerfahrene bis hilflose Kollegin die verlassene Schlange neben
ihm wieder auf. Nach rd. 1 ½ Stunden erreicht Kathrin den Schalter.
Leon versucht uns noch heute um 20:00 Uhr auf Frankfurt umzubuchen.
Durch die lange Wartezeit ist dieser Flieger aber inzwischen bis auf
den letzten Platz belegt. Er prüft, uns über London oder sonst
irgendwie nach Europa zu bringen (der nächste Newark-Flug ist auch
schon verspätet, keiner rechnet damit, dass der heute noch
`rausgeht! Rd. 1.900 Flüge sollen an diesem Tag verspätet oder
gestrichen worden sein!). Schließlich bucht er uns für den nächsten
Tag auf den gleichen Flug nach NY, dann im Anschluss nach Frankfurt
und Hamburg. Der geplante Aufenthalt in New York mit
Manhattan-Rundfahrt war damit nicht mehr sinnvoll und wir waren ganz
froh über die „direkte“ Rückreisemöglichkeit.
Die Kolumbianer
hinter Kathrin in der Reihe werden an den „Customer-Care-Schalter“
geschickt, obwohl sie schon genau so lange gewartet hatten. Leon und
seine Kollegin wurden schon dreimal per Funk an ihren neuen
Einsatzort bestellt und „müssen nur tun, was ihre Vorgesetzten
sagen“. Die Kolumbianer verlangen nach dem Vorgesetzten, der zwar
gerufen wird – ob er aber kommt....?
Das allerdings
heißt für uns: Übernachtung in Orlando! Also sichern wir uns erst
einmal ein Hotelzimmer im Airport Hyatt Regency, das wir ja von der
Herreise schon kennen.

Danach geht es an
das Wiedererlangen unseres Gepäcks: Im Baggage-Claim-Office werden
wir zunächst an irgendwelche Bänder verwiesen – hier ist aber
nichts. Da Bernd wieder mit Schmerzen zu kämpfen hat, übernimmt
jetzt Kathrin das Thema allein. Freundliches aber bestimmtes
Auftreten veranlassen „Lorey“ zu einer umfangreichen Recherche auf
verschiedenen Stationen und sie findet unsere Taschen tatsächlich
nach einiger Zeit und vielen Anfragen – alle sind durch die
Situation angespannt und genervt!
Mit Koffern ins
Hotel, duschen, danach will „House-Keeping“ zum Telefon-Test in
unser Zimmer, lassen das aber lieber sein, nachdem sie Kathrin im
Handtuch an der Tür begegnet sind....!
Kathrin will sich
gerade wundern, warum die eine Tasche nicht so gepackt ist, wie sie
es ursprünglich gemacht hat (Bernd?????), als sie der Hinweiszettel
anleuchtet, dass die Sicherheitsbehörde TSA den Koffer (wohl wegen
des darin befindlichen Stativs) „untersucht“ hat. Es ist aber nach
erster Sichtung noch alles da – inkl. der gekauften
Souvenir-T-shirts!
Bei der anderen
Tasche sind alle Kofferanhänger abgerissen. Wir improvisieren neue
aus bereits benutzten....
Jetzt gönnen wir
uns im Airport ein sehr leckeres, relativ preiswertes Asia-Essen bei
„Panda Express“ und - auf diesen Tag hin - je drei kleine Bier.
Am nächsten
Morgen verkündet der im Zimmer installierte Fernseher, der auch die
Abflugtafel des Airports zeigt, dass unser Flug nach New York auch
schon wieder Verspätung hat – gfls. bekommen wir die Anschlussflüge
gar nicht!
Nach einem
schnellen Frühstück von Starbuck´s checken wir aus, lassen uns von
„Kurt“, dem Hoteldiener, mit dem Gepäck helfen und stellen uns an
den United-Schalter (mit Personalbesetzung) an. Dieser ist zwar
eigentlich für die abreisenden Tänzerinnen eines Wettbewerbs vom
Wochenende reserviert; der United-Mann begreift aber sofort die
missliche Situation und öffnet einen Schalter für uns!
Er bucht uns
jetzt um auf: Orlando – Chicago, Chicago – Frankfurt, Frankfurt –
Hamburg. Ein Direktflug nach Frankfurt geht heute nicht und ein
neuer Schneesturm zieht in den Nordosten der USA ein!
Mangels
Alternativen nehmen wir diese Möglichkeit, und zum ersten Abflug
müssen wir uns auch schon beeilen (Sicherheitscheck mit den ganzen „chicks“
und ihren Betreuern).
Der Flieger nach
Chicago ist glücklich erreicht. Dort haben wir wiederum 4 Stunden
Aufenthalt, was angesichts der Wetternachrichten und einsetzender
Schneeflöckchen mit einem gewissen Unbehagen verbunden ist. Der
Versuch, eine 2 Stunden frühere Maschine zu nehmen, scheitert an
freien Plätzen.
Als wir das
Flugzeug besteigen, liegt schon eine recht dicke Schneeschicht auf
den Tragflächen und im Fenster sammelt sich auch immer
mehr....schaffen wir das noch rechtzeitig mit de-icing?
Ja, wir schaffen
es – mit ein bisschen Verspätung gegen 18.20 Uhr)! Später erfahren
wir, dass an diesem Abend im Norden und Nordosten wieder rd. 3.000
Flüge storniert wurden oder verspätet waren.
Der Kapitän gibt
zusammen mit dem Rückwind kräftig Gas: Schon nach weiteren rd. 7 ¾
Stunden landen wir gegen 9.00 Uhr Ortszeit in Frankfurt (die aber
sehr mühsam sind, da wir beide nicht schlafen können (Licht,
Kindergeschrei, unbequeme Sitze). Wir sind beide ziemlich übermüdet
nach den letzten Tagen.
In Frankfurt
werden wir dann „terroristenmäßig“ unter die Lupe genommen, dagegen
waren die US-Kontrollen noch harmlos: Der Pieper ist so empfindlich
eingestellt, dass er selbst ohne Metall anschlägt. Also Schuhe aus,
nochmal durch, abtasten, Handgepäck filzen, unser mitgebrachtes
US-Mineralwasser, durfte zwar im Flugzeug mit, aber nicht in den
Frankfurter Flughafen hinein.......
Angenervt gönnen
wir uns noch einen Cappuccino und einen Croissant, dann geht’s zum
Gate nach Hamburg. Gegen 12.15 Uhr fliegen wir dann Richtung Heimat,
wo uns nach der Landung das nächste Abenteuer erwartet:
Eine unserer
Taschen ist nicht mitgekommen! In der Gepäckermittlung kann man
schon sehen, dass die Tasche nach dem Flug von Orlando nach Chicago
auch die Weiterreise (der Flugnummer) nach Seattle angetreten hat
und nun dort als „herrenlos“ geführt wird. Sie wird in den nächsten
Tagen nachgeliefert und kommt dann tatsächlich – aufgrund der
Flugverzögerungen nach dem zweiten Schneesturm – am Samstag gegen
17.30 Uhr.
Es kam kein
TSA-Mitarbeiter als „Jack-in-the-Box“ aus dem Koffer.........
Als dann alles
„durch“ war, also insbesondere wir und dann noch das Gepäck wieder
heil zu Hause waren, schoss Kathrin der Gedanke durch den Kopf: „failure
is not an option...“ - wie bei Apollo 13: trotz aller Widrigkeiten
irgendwie nach Hause gekommen!
Copyright 2014 eurotourer.de