Kleine Straßen rund
um Freudenstadt (2)
Vom Campingplatz Langenwald aus fahren wir
zunächst zum Tanken nach Freudenstadt (City!). Von da aus möchten
wir nicht über große Bundesstraßen in unser heutiges „Wedelrevier“
geleitet werden und verlassen uns daher auf unser Navi. Das führt
uns tatsächlich sofort auf eine kleine Dorfstraße nach Grüntal,
weiter auf schmalen, hügeligen Wiesenwegen in die beschaulichen
Dörfchen Unter- und Obermusbach mit fast rein einheimischer
Struktur. In letzterem befindet sich allerdings der Direktverkauf
der regional bekannten und geschätzten Räucherei der Familie Wein,
der auch gern von Touristen aufgesucht wird. Davon ist heute aber
nichts zu merken.
Ein kleines Schild führt uns Richtung
Kälberbronn durch ein verwunschenes kurviges Waldstück – das
Glatteiszeichen muss uns wohl jetzt im August nicht so sehr
interessieren….
Über eine kleine gelbe Landstraße mit
überraschend scharfen Kurven erreichen wir das Örtchen Erzgrube, das
sich am Anfang des Naherholungsgebietes an der hübschen
Nagold-Talsperre befindet. Hier gibt es viele Parkmöglichkeiten,
seichte Badestellen, nette Ausflugslokale und Spazierwege. Das
Wasser leuchtet blau-grün und lädt zum Baden ein, zumal heute in der
Woche außer einer Motorradgruppe bei der Rast kaum Leute da sind.
Die Straße schwingt sich munter in gut fahrbaren Kurven entlang des
Stausees und später des Flüsschens. Letztes Mal haben wir das sehr
kleine, enge Teerband über Beuren nach Simmerfeld genommen, heute
probieren wir `mal die etwas größere Straße ab Altensteig aus, die
sich etwas weniger spektakulär, aber zügiger fahren lässt.
In Simmerfeld überqueren wir die B 294 und
düsen auf gutem Belag rd. 8 km mit viel Spaß über fantastische
Kurven in das etwas touristischere Dörfchen Enzklösterle mit einigen
Hotel und Gaststätten. Rechts ab Richtung Bad Wildbad und nach
wenigen Kilometers wieder links nach Kaltenbronn: Hier arbeitet sich
eine wiederum landschaftlich und fahrerisch sehr reizvolle Strecke
durch das Lichtspiel des Waldes den Berg hinauf. Oben ist die enge
Kurvenstrecke aufgrund des regen Wanderbetriebs mit Recht auf 50
km/h reduziert, nach dem Pass geht es aber zügig weiter bergab. Die
Ausbaustrecke endet irgendwann und man bekommt ein ganz anderes
Gefühl für die Signale, die das Mopped an den Fahrer zurück meldet.
Nicht nur der Belag, auch die Streckenführung wird abenteuerlich:
enge Passagen mit uneinsehbaren Kurven, dafür aber reger, nicht
immer kleiner Gegenverkehr – Obacht also! Sogar unser Navi verliert
beim ersten Mal die Orientierung und zeigt uns an, dass wir „neben
der Straße“ fahren.
Wir erreichen trotzdem den sehr ursprünglichen
Ort Reichental. Das Rathaus und viele der Hausfundamente sind hier
aus dem landestypischen roten Feldstein gemauert. Überall sieht man
schön gearbeitete Fachwerkfassaden, die allerdings nicht so auf
Hochglanz poliert sind, wie in den „Besucherstädtchen“. Die Straße
windet sich zwischen den Gebäuden z.T. einspurig hindurch. Danach
wird der Streckenbelag wieder besser und der Weg führt wieder in
großzügigeren Kurven am Flüsschen entlang nach Hilpertsau.
Hier biegen wir nach links auf die B 462
Richtung Forbach ein, wissen aber, dass die Strecke zwischen Forbach
und Raumünzach gesperrt ist, müssen also einen „Ausstieg“ auf die B
500 finden. An dem auf der anderen Flussseite gelegenen, mit
reichlich Blumenschmuck verziertem Dorf vorbei düsen wir an der Murg
entlang bis endlich ein Rechtsabbieger nach Bermersbach auftaucht.
Diese Straße kennt keine Geraden, ist anfangs noch einigermaßen
breit und aus gutem Grund für LKW gesperrt. Das kann einen
französischen Bus aber nicht aufhalten! Wir sehen zu, dass wir ihn
so schnell wie möglich noch auf den ersten Metern überholen – danach
ergibt sich keine Gelegenheit mehr…..Was der Busfahrer sicher nicht
weiß, ist, dass oben im Dorf eine Baustelle eingerichtet ist, die
die gerade Weiterfahrt verhindert. Die Umleitung erfolgt über eine
Spitzkehre, die von uns mit einiger Mühe, von PKW mit einigem
Rangieren und von längeren Fahrzeugen überhaupt nicht befahren
werden kann. Wendemöglichkeiten bieten sich nicht wirklich an!
Nachdem wir an der Baustellenampel eine Zeit
gewartet haben, sehen wir beim Weiterfahren den Bus an der Ampel
stehen – er dürfte sich jetzt seines Problems bewusst
werden…..später wiedergesehen haben wir weder ihn noch das folgenden
Auto.
Die Straße schlängelt sich eng am Berg entlang,
ist recht schmal und der Belag berichtet von harten Wintern,
allerdings ohne Schwerlastverkehr. Eine solche Straße erinnert mich
eher an die Bergregion hinter Bled in Slowenien. Wir halten an einem
Aussichtspunkt, an dem es nicht nur einen schönen Blick auf das
Bergpanorama sondern auch eine achtlos weggeworfene
Zigarettenschachtel mit arabischer Schrift gibt – nicht einmal hier
beherrschen sich die Leute!
Wenige Meter danach fahren wir an der Bergkuppe
„Rote Lache“ vorbei, wo einige urige Ausflugslokale zur Einkehr
einladen.
Wir wedeln aber weiter bergab, wieder über eine
so typische kleine Bergstraße (eine Seite Fels, die andere Abhang)
und landen schließlich in Oberbeuern, einem Vorort von Baden-Baden.
Von hier aus führen uns Wegweiser zielsicher auf die
Schwarzwaldhöhenstraße (B 500), die schon früh mit zwar gut
ausgebauten, aber sich recht eng zuziehenden Kurven aufwartet.
Unsere inzwischen erreichte Schräglagenroutine verleitet Bernd zur
zügigen Fahrt, was sofort mit dem zweimaligem Aufsetzen der rechten
Fußraste, die allerdings bei der Tiger recht hoch sitzt, quittiert
wird. Wir legen eine kurze Schreckpause ein und begutachten die
angeschreddelte Raste von unten. Da sonst nichts passiert ist,
fahren wir – vielleicht etwas vorsichtiger – weiter über die üppige
Kurvenstrecke hinauf zur Bühlerhöhe. Die B 500 zieht sich am Kamm
durch den hohen Kiefernwald, der immer wieder wunderbare Ausblicke
freigibt.
Am Mummelsee ist wie immer viel Betrieb. Es ist
eines der touristischen Highlights auf der Straße mit Buden,
Gaststätten und natürlich der Umrundungsmöglichkeit um den See.
Danach steht uns nicht der Sinn. Somit düsen wir weiter und hungern
nach der bereits im ersten Teil (nur anders herum) gefahrenen
Kurvenspaß-Strecke nach Allerheiligen bzw. Oppenau und anschließend
über den genialen, gut zu fahrenden Lindwurm auf die 500 zurück nach
Kniebis Von hier aus ist es nur noch ein kurzes Stück über die B 28
zu unserem Campingplatz, was ganz gut ist, da von Frankreich her
dunkle Wolken aufkommen.
Noch vor dem Regen erreichen wir sicher unser
temporäres Zuhause.
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