Im grauen und nebeligen November 2012 entschließen wir uns, diesem
Wetter im Januar zu entfliehen. Unsere Wahl fällt auf die Karibik.
Zahlreichen Informationen zufolge versucht man, in der
Dominikanischen Republik den Massen- und Billigtourismus der 80er
Jahre in einen hochwertigeren Tourismus zu überführen - wir werden
uns das mal ansehen. Anfang Dezember zeigt der Winter seine Krallen
und zu Weihnachten werden in Bayern die Biergärten geöffnet.
9. Januar 2013:
Um 4.00 Uhr holt uns das Taxi von zu Hause ab und bringt uns zum
Hamburger Flughafen. Nach dem Check-In warten wir auf den Abflug und
es geht nach Düsseldorf. Dort haben wir rd. 3 Std. Wartezeit bis uns
Air Berlin nach Punta Cana bringt. Der 9:30 Std Flug verläuft
reibungslos. Der Flughafen besteht aus zwei palmenwedelgedeckten
"Terminals" - kaum zu glauben, dass hier rd. 2 Mio Touristen pro
Jahr ankommen! Man geht zu Fuß in die Abfertigungshallen. Dort
erwartet einen ein nicht zu durchschauendes Wirrwarr an
internationalem Schlangestehen bei der Pass- und Visakontrolle
(Russen und französisch sprechende Menschen sind auch gerade
gelandet), aber mit einheimischer Musik! Danach sucht man sein
Gepäck auf zwei - nicht wirklich ausgeschilderten - Gepäckbändern.
Unseres kommt natürlich auf dem Band, an dem Bernd nicht steht!
Mit Gepäck suchen wir jetzt Hinweise auf die mit gebuchte
Bus-Transfertour, die wir nach meinem "Alleingang" durch die
Menschenmenge tatsächlich finden.
Nach ca. 1/2 Stunde Fahrt landen wir in unserem Hotel Riu Naiboa,
nahe des Ortes Bávaro. Dort werden wir freundlich mit einem
Begrüßungsdrink empfangen, erhalten Schlüssel und andere Utensilien
sowie eine "Einweisung" auf das all-inclusive-Hotel. U.a. ist der
Rum auf dem Zimmer inbegriffen - schade, dass keiner da ist und 3
Tage braucht, um angeliefert zu werden!
Nachdem die Koffer auf das Zimmer geliefert sind, wir ausgepackt und
geduscht haben, inspizieren wir die Hotelumgebung:
Im Hotelgarten sind Verkaufsstände aufgebaut, die das hier übliche
Angebot präsentieren: Tabak/Zigarren, Ketten, Schmuck mit dem
einheimischen Stein Larimar, naive Malerei und T-Shirts. Wir
bekommen von einem Verkäufer eine "Voodoo-Kette" und ein
Perlenarmband in Rasta-Farben geschenkt. Zum Kaufen ist uns aber
nach der langen Anreise nicht zumute.
Durch den Hotelgarten entlang des Pools und einer abgesetzten
Poolbar geht es in eine kleine "Karibik-Straße" mit bunten Häuschen,
die mit demselben Kram handeln wir die Stände. Nach ca. 300 m
erreicht man am Ende der Karibik-Straße den Strand. Der Wind pustet
uns kräftig entgegen, es herrscht die "blaue Stunde", die Sonne ist
gerade am untergehen. Wir laufen noch ein paar Meter am Strand
entlang, lassen unsere Füße im lauwarmen Wasser erste
Karibik-Atmosphäre erleben. Wir beenden diesen anstrengenden Tag mit
ein paar Bierchen und fallen todmüde ins Bett.
Die Zeitumstellung noch nicht verdaut, "stehen" wir beide am
nächsten Morgen gegen 6.30 Uhr im Bett und finden uns Punkt 7.00 Uhr
zum Frühstück ein. Das Buffet bietet für jeden etwas. Allerdings
sollte der Küchenchef lernen, dass man den harten Strunk in der
Mitte der Ananas beim Zerkleinern herauslöst.
Uns bleibt jetzt genügend Zeit für einen ersten wirklichen
Strandspaziergang: Der Wind ist immer noch recht frisch, das Meer
kräuselt sich entsprechend in den typisch karibischen Farben, die
gefühlte Temperatur bleibt aber auch dadurch sehr angenehm und das
warme Wasser umspielt sanft unsere Füße. Der Strand ist von
Kokospalmen gesäumt und versteckt die angrenzenden, maximal
4-stöckigen Hotels mit ansprechender Architektur und wunderschönen
Anlagen.
Um 10.00 Uhr finden wir uns zur Begrüßungsveranstaltung der
Reiseleitung ein. Dort erhalten wir Informationen zu den
feilgebotenen Produkten (mit der Einschränkung: nicht am Strand
kaufen!), den landesüblichen Getränken (Rum immer mit "B", also
Brugal oder Barceló) und natürlich zu den angebotenen Ausflügen. Die
Preise hierzu lässt man lieber weg.....Wir gehören ja zu den
selbständigen, unternehmungslustigen Typen. Also frage ich nach
Sicherheitslage, Autovermietung und Infrastruktur. Die Antwort ist
niederschmetternd: Außerhalb des Resorts sei es gefährlich, die
Straßen seien im Umbau und den Fahrstil hätte ich ja gestern selbst
gesehen. Mein Kommentar: "Es gibt Schlimmeres" verhallt ungehört....
Aber noch wollen wir ja die Karibik-Atmosphäre genießen - dabei sind
wir auf der Atlantik-Seite, was sich aber später als Vorteil
herausstellt. Also ab an den Strand, aber vorsichtig! Mit
Lichtschutzfaktor 30 eingecremt, unternehmen wir in den ersten Tagen
fast nur Strandspaziergänge von rd. 1 1/2 Stunden und ziehen uns
dann in den Schatten zurück. Andere - auch angesichts weniger Zeit -
setzen sich sofort der prallen Sonne aus und verbrennen sich prompt
den "Pelz". Wir haben dort Sonnenbrände im Laufe der Zeit gesehen,
die als Verbrennungen 2. Grades in Krankenhäusern in Ölbäder gelegt
werden! Und wer glaubt, die Menschen würden hieraus schlau, der irrt
gewaltig!
Wir kommen jedoch ohne Sonnenbrand aus, achten aber auch auf
ständigen Wechsel von Sonne und Schatten am Strand. Unsere fast
endlosen Strandspaziergänge führen uns kilometerweit am traumhaften
Strand ohne Muscheln und Steine (bedingt durch das vorgelagerte
Riff) entlang oder aber in die andere Richtung zu einem Hüttendorf,
in dem dieselben Waren angeboten werden wie in der Karibik-Straße,
nur verhandelbar und dadurch deutlich preiswerter.
Am Strand herrscht neben dem normalen Badegeschehen mit mal mehr,
mal weniger ansehnlichen Menschen reger Betrieb: Verkäufer bieten
Tabak (übrigens originalverpackt!), Holzfiguren und - unvermeidlich
- Kokosnüsse an. Alles aber unaufdringlich!
Darüber hinaus werden Ausflüge und typische Beachaktivitäten
angeboten. Alle Nase lang schweben z.B. Menschen an bunten
Paraglideschirmen über die Küstenlinie.
Nach einigen Tagen ist auch bei uns der Wunsch nach einer
Abwechslung vom Strandtreiben da. Da ich den Ausführungen der
Reiseleiterin nicht glauben kann, erkundige ich mich an der
Rezeption nach der Sicherheitslage bei Verlassen des Resorts.
Natürlich könne man sich auswärts bewegen, nach Bávaro soll es sogar
einen kostenlosen Shuttle-Bus geben! Eine Preisliste für Mietwagen
gibt es aber auch auf Anfrage nicht.
Wir versuchen es zunächst zu Fuß. An den Wohneinheiten der
Angestellten vorbei geht es durch eine Sumpflandschaft zum
Ein-/Ausgangstor mit grimmigem Wächter, der uns aber gern die Frage
nach dem Weg in die Ortschaft beantwortet. Danach wird es allerdings
ärmlich: eine sehr schlechte Straße führt entlang hoher Mauern in
einen kleinen Vorort. Hier gibt es viele freundlich wirkende Leute,
Bars, kleine Läden und sogar einen Auto- und Moppedverleiher. Der
Fahrer des Überlandbusses nach Higüey hupt uns an, ob wir noch
mitwollen. Wir winken dankend ab.
Der weitere Weg in den Ort führt einige Kilometer über eine
"Schnellstraße" ohne Fußgängerweg. Da es auch noch anfängt zu
regnen, kehren wir lieber um und entschließen uns, den Bus um 11.15
Uhr nach Bávaro zu nehmen. Leider warten wir - wie auch ein paar
andere Neugierige - auf den vergeblich.
Es ist tatsächlich so wie im Reiseführer beschrieben: Das Überwinden
der Resortmauern, um mit Land und Leuten in Kontakt zu kommen, ist
schwieriger als gedacht. Der Unterschied zwischen Hotelanlage und
Dorf ist schon recht krass! Wir vergleichen unsere "Lage" mit dem
Film "Pleasantville", wo einem auch eine paradiesisch heile Welt
vorgegaukelt wird, bis die Einwohner merken, dass es eine Kunstwelt
für das Fernsehen ist.
Weniger "pleasant" ist die Abendsituation: Nach dem Essen - in der
Regel draußen bei Mervin - gibt es eigentlich keine echte
Unterhaltung. Die Strandbar ist geschlossen, in der Poolbar pflegen
zwei selbstverliebte Barkeeper ihre Tresengemeinde - andere Leute
finden kaum Beachtung und keine Bedienung. In der einzig
verbleibenden Bar findet jeden Abend eine Kinderveranstaltung mit
immer gleichem Ablauf (wir können schon mitsingen) und anschließend
Bingo statt. Also statten wir uns mit Drinks aus und machen es uns
auf dem Balkon in der lauen Abendluft gemütlich.
Schließlich kommen wir dann aber doch noch zu unserer "Abwechslung":
Eine Segway-Tour durch eine Luxus-Hotel-Anlage in Punta Cana auf der
karibischen Seite. Wir werden mit einem Kleinbus in Hotel abgeholt
und mit anderen Teilnehmern über die neu ausgebaute "Autopista" nach
Punta Cana gefahren. Dort gibt es eine kurze Einweisung auf das
Gerät, das wirklich kinderleicht und mit viel Spaß zu bedienen ist!
Und dann geht es auch schon los: Im Tross mit einer kanadischen
Familie und einem spanischen Paar düsen wir auf mal geteerten Wegen,
mal über Naturpfade durch die sehr hübsch angelegte Parklandschaft.
Der erste Stopp findet an einem Traumstrand mit geradezu kitschig
schöner Ansicht und natürlich Kokospalmen zum Baden statt. Das Meer
ist auf der Karibikseite deutlich ruhiger, allerdings liegt uns der
Wellengang und er Wind am Atlantik mehr.
Weiter geht´s in teils rasanter Fahrt durch die Anlage am Meer
entlang zu einem Leguangehege und später in ein urwaldähnliches
Gebiet (das eigentlich nicht für Flip-Flops geeignet ist) zu einem
Idyllisch gelegenen kleinen Teich, in dem sich Wasserschildkröten
befinden sollen. Diese bekommen wir leider nicht zu Gesicht, da ein
mitgefahrener Kanadier sich mit Anlauf ins blaue Nass stürzen muss.
Bernd rutscht auf feuchten Holzbohlen aus und verletzt sich das
Knie, was ihn für mehrere Tage stark beeinträchtigt.
Auf der Rückfahrt fahren wir durch Bávaro "City": Luxus-Resorts,
Touri-Läden, schlechte Straßen und viel Ärmlichkeit drum herum.
Meine Ausflugsfreude legt sich deutlich. Bernd will immer noch mit
einem kleinen Mopped los. Angesichts der Fahrweise, der Tatsache,
dass man das schwächste Glied in der Verkehrsgemeinschaft ist und
keinem attraktiven Ziel innerhalb von rd. 80 km nehmen wir aber
davon Abstand.
Also genießen wir unseren Strand mit Sonnen, Spaziergängen, Baden
und einem Pina Colada bzw. Daiquiri am Nachmittag.Ich lerne fast
täglich eine Lektion Spanisch, Bernd hat diverse Bücher auf seinem
Kindle dabei.
Zu einem alten Schweizer Ehepaar, das genau so lange da ist wie wir,
haben wir regelmäßig Kontakt beim Frühstück und vor dem Abendessen,
er kommt jeden Tag am Strand an unseren Liegen vorbei und muss dabei
seinen "Witz des Tages" los werden. Es ist ein nettes Verhältnis und
wir haben eine Menge Spaß zusammen.
Ansonsten ist das Publikum recht gemischt: Zunächst wimmelt es vor
in der Regel trinkfreudigen Russen, die nicht ein Wort in einer
anderen Sprache können. Später fallen spanischsprachige
"Schulklassen" ein, die die Poolbar in Beschlag legen und eine Nacht
derart laut randalieren, dass es am nächsten Morgen Beschwerden nur
so hagelt. Ansonsten gibt es diverse skurile Typen: Ein Herr wirkt
wie aus dem "Asterix-bei-den-Briten"-Heft entsprungen (wir nennen
ihn Fünf-Uhr-Tee-Fix), seine Frau sieht aus wie Olivia (die Freundin
von Popey). Einige Tage später entlarvt er sich mit dem
T-shirt-Aufdruck "I´m a Canadian" als Nicht-Brite.
Auf dem Weg zum Strand klopft sich Bernd plötzlich an die Stirn und
fragt: "Jemand zu Hause...." - wir schauen in das
Original(?)-Gesicht von George McFly!
Ein erschütterndes Erlebnis ist die Mutter, die ihrem vielleicht
2-jährigen Kind eine App auf ihrem Tablet zeigt und das gebannt
zuguckenden Gör von hinten füttert - bloß keine Kommunikation!
Ein Paar kommt bereits mit 3-Wochen Bräune, bleibt aber nur eine
Woche (und verbrennen sich trotzdem). Wir mutmaßen, dass sie zwei
Wochen im Keller unter der Sonnenbank gelegen haben und den Kollegen
erzählen, sie wären drei Wochen in der Karibik gewesen.
Ein anderes Paar hat die Angewohnheit, dass sie ihn vollständig (!)
inkl. Gesicht eincremt wie ein kleines Baby. Anschließend teilen sie
sich ihren MP3-Player und "zucken" gemeinsam zur Musik auf der
Liege. Außerdem rücken sie uns gern nachmittags "auf die Pelle"
aufgrund des veränderten Sonnenstandes.
Und es gibt auch richtig peinliche Leute, auf die wir hier gar nicht
mehr eingehen wollen.......
Auf einem unserer Strandspaziergänge treffen wir den Schweizer, der
im "Hüttendorf" Rum kaufen will. Wir begleiten ihn und lernen, dass
man mit ein bisschen Handeln 2 Flaschen "Brugal" für 1.000 Pesos
(=rd. Euro 15,--) kaufen kann. Vor unserer Abreise besorgen wir uns
ebenfalls 1.000 Pesos an der Rezeption und gehen in denselben Laden.
Wir erklären, dass wir mit unserem Onkel vor einigen Tagen schon
einmal hier waren und Rum zu gleichen Konditionen haben möchten.
Gustavo, unser Verkäufer, erkennt, dass wir ja regelmäßig mit der
ganzen Familie bei ihm kaufen! Ob wir denn auch im nächsten
Jahr....? Ganz bestimmt! Und ob wir den Rum selbst trinken oder
verschenken wollen? Mit großer Geste nimmt er uns den Brugal wieder
ab und tütet uns 2 Flaschen Columbus (aus der Brennerei Barceló)
ein. Wir hoffen, er hat uns keinen Fusel angedreht.....(zu Hause
entpuppt sich der Rum als echte Gaumenfreude!)
Nach vier Wochen ruft uns die Heimat zurück! Schon in der
Hotellounge können wir über Internet sehen, dass unser Flieger
aufgrund Schnee und Eis in Düsseldorf mit zwei Stunden Verspätung
losgeht. Wir gehen noch einmal kurz zum Strand, ehe uns ein fieser
Schauer ins Hotel zurückzwingt. Unsere Schweizer haben uns gesucht
und verabschieden sich ganz besonders herzlich von uns - sie fliegen
morgen. Nach Warten im Hotel und Transport zu Flughafen erwartet uns
eine Mega-Schlange: Alle Nationalitäten fahren wieder zum gleichen
Zeitpunkt ab! Auf der fast 2-stündigen Wartetortur durch die
Abfertigung will ein Fotografenstudio auch noch Fotos von eben
diesem Szenario verkaufen! Als wir endlich "durch" sind (mit Schuhe
ausziehen, Flip-Flops dürfen anbehalten werden), setzen wir uns in
das Terminal für die amerikanischen Reisenden, das fast leer ist.
Unseres ist total überfüllt. Im Flugzeug können wir beide nicht
schlafen.
Die 2 Stunden Verspätung holt der Flieger auch mit "Gas geben" nicht
mehr auf, was dazu führt, dass wir unseren Anschlussflug nach
Hamburg nicht mehr erreichen. Nach weiteren 4 Stunden fliegt uns
dann eine kleine Propellermaschine nach Hamburg. Wir sind völlig
erledigt, als wir gegen 15.00 Uhr nachmittags Ortszeit zu Hause
ankommen.
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