24.03.13

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Im grauen und nebeligen November 2012 entschließen wir uns, diesem Wetter im Januar zu entfliehen. Unsere Wahl fällt auf die Karibik. Zahlreichen Informationen zufolge versucht man, in der Dominikanischen Republik den Massen- und Billigtourismus der 80er Jahre in einen hochwertigeren Tourismus zu überführen - wir werden uns das mal ansehen. Anfang Dezember zeigt der Winter seine Krallen und zu Weihnachten werden in Bayern die Biergärten geöffnet.

9. Januar 2013:

Um 4.00 Uhr holt uns das Taxi von zu Hause ab und bringt uns zum Hamburger Flughafen. Nach dem Check-In warten wir auf den Abflug und es geht nach Düsseldorf. Dort haben wir rd. 3 Std. Wartezeit bis uns Air Berlin nach Punta Cana bringt. Der 9:30 Std Flug verläuft reibungslos. Der Flughafen besteht aus zwei palmenwedelgedeckten "Terminals" - kaum zu glauben, dass hier rd. 2 Mio  Touristen pro Jahr ankommen! Man geht zu Fuß in die Abfertigungshallen. Dort erwartet einen ein nicht zu durchschauendes Wirrwarr an internationalem Schlangestehen bei der Pass- und Visakontrolle (Russen und französisch sprechende Menschen sind auch gerade gelandet), aber mit einheimischer Musik! Danach sucht man sein Gepäck auf zwei - nicht wirklich ausgeschilderten - Gepäckbändern. Unseres kommt natürlich auf dem Band, an dem Bernd nicht steht!

Mit Gepäck suchen wir jetzt Hinweise auf die mit gebuchte Bus-Transfertour, die wir nach meinem "Alleingang" durch die Menschenmenge tatsächlich finden.

Nach ca. 1/2 Stunde Fahrt landen wir in unserem Hotel Riu Naiboa, nahe des Ortes Bávaro. Dort werden wir freundlich mit einem Begrüßungsdrink empfangen, erhalten Schlüssel und andere Utensilien sowie eine "Einweisung" auf das all-inclusive-Hotel. U.a. ist der Rum auf dem Zimmer inbegriffen - schade, dass keiner da ist und 3 Tage braucht, um angeliefert zu werden!

Nachdem die Koffer auf das Zimmer geliefert sind, wir ausgepackt und geduscht haben, inspizieren wir die Hotelumgebung:

Im Hotelgarten sind Verkaufsstände aufgebaut, die das hier übliche Angebot präsentieren: Tabak/Zigarren, Ketten, Schmuck mit dem einheimischen Stein Larimar, naive Malerei und T-Shirts. Wir bekommen von einem Verkäufer eine "Voodoo-Kette" und ein Perlenarmband in Rasta-Farben geschenkt. Zum Kaufen ist uns aber nach der langen Anreise nicht zumute.

Durch den Hotelgarten entlang des Pools und einer abgesetzten Poolbar geht es in eine kleine "Karibik-Straße" mit bunten Häuschen, die mit demselben Kram handeln wir die Stände. Nach ca. 300 m erreicht man am Ende der Karibik-Straße den Strand. Der Wind pustet uns kräftig entgegen, es herrscht die "blaue Stunde", die Sonne ist gerade am untergehen. Wir laufen noch ein paar Meter am Strand entlang, lassen unsere Füße im lauwarmen Wasser erste Karibik-Atmosphäre erleben. Wir beenden diesen anstrengenden Tag mit ein paar Bierchen und fallen todmüde ins Bett.

Die Zeitumstellung noch nicht verdaut, "stehen" wir beide am nächsten Morgen gegen 6.30 Uhr im Bett und finden uns Punkt 7.00 Uhr zum Frühstück ein. Das Buffet bietet für jeden etwas. Allerdings sollte der Küchenchef lernen, dass man den harten Strunk in der Mitte der Ananas beim Zerkleinern herauslöst.

Uns bleibt jetzt genügend Zeit für einen ersten wirklichen Strandspaziergang: Der Wind ist immer noch recht frisch, das Meer kräuselt sich entsprechend in den typisch karibischen Farben, die gefühlte Temperatur bleibt aber auch dadurch sehr angenehm und das warme Wasser umspielt sanft unsere Füße. Der Strand ist von Kokospalmen gesäumt und versteckt die angrenzenden, maximal 4-stöckigen Hotels mit ansprechender Architektur und wunderschönen Anlagen.

Um 10.00 Uhr finden wir uns zur Begrüßungsveranstaltung der Reiseleitung ein. Dort erhalten wir Informationen zu den feilgebotenen Produkten (mit der Einschränkung: nicht am Strand kaufen!), den landesüblichen Getränken (Rum immer mit "B", also Brugal oder Barceló) und natürlich zu den angebotenen Ausflügen. Die Preise hierzu lässt man lieber weg.....Wir gehören ja zu den selbständigen, unternehmungslustigen Typen. Also frage ich nach Sicherheitslage, Autovermietung und Infrastruktur. Die Antwort ist niederschmetternd: Außerhalb des Resorts sei es gefährlich, die Straßen seien im Umbau und den Fahrstil hätte ich ja gestern selbst gesehen. Mein Kommentar: "Es gibt Schlimmeres" verhallt ungehört....

Aber noch wollen wir ja die Karibik-Atmosphäre genießen - dabei sind wir auf der Atlantik-Seite, was sich aber später als Vorteil herausstellt. Also ab an den Strand, aber vorsichtig! Mit Lichtschutzfaktor 30 eingecremt, unternehmen wir in den ersten Tagen fast nur Strandspaziergänge von rd. 1 1/2 Stunden und ziehen uns dann in den Schatten zurück. Andere - auch angesichts weniger Zeit - setzen sich sofort der prallen Sonne aus und verbrennen sich prompt den "Pelz". Wir haben dort Sonnenbrände im Laufe der Zeit gesehen, die als Verbrennungen 2. Grades in Krankenhäusern in Ölbäder gelegt werden! Und wer glaubt, die Menschen würden hieraus schlau, der irrt gewaltig!

Wir kommen jedoch ohne Sonnenbrand aus, achten aber auch auf ständigen Wechsel von Sonne und Schatten am Strand. Unsere fast endlosen Strandspaziergänge führen uns kilometerweit am traumhaften Strand ohne Muscheln und Steine (bedingt durch das vorgelagerte Riff) entlang oder aber in die andere Richtung zu einem Hüttendorf, in dem dieselben Waren angeboten werden wie in der Karibik-Straße, nur verhandelbar und dadurch deutlich preiswerter.

Am Strand herrscht neben dem normalen Badegeschehen mit mal mehr, mal weniger ansehnlichen Menschen reger Betrieb: Verkäufer bieten Tabak (übrigens originalverpackt!), Holzfiguren und - unvermeidlich - Kokosnüsse an. Alles aber unaufdringlich!

Darüber hinaus werden Ausflüge und typische Beachaktivitäten angeboten. Alle Nase lang schweben z.B. Menschen an bunten Paraglideschirmen über die Küstenlinie.

Nach einigen Tagen ist auch bei uns der Wunsch nach einer Abwechslung vom Strandtreiben da. Da ich den Ausführungen der Reiseleiterin nicht glauben kann, erkundige ich mich an der Rezeption nach der Sicherheitslage bei Verlassen des Resorts. Natürlich könne man sich auswärts bewegen, nach Bávaro soll es sogar einen kostenlosen Shuttle-Bus geben! Eine Preisliste für Mietwagen gibt es aber auch auf Anfrage nicht.

Wir versuchen es zunächst zu Fuß. An den Wohneinheiten der Angestellten vorbei geht es durch eine Sumpflandschaft zum Ein-/Ausgangstor mit grimmigem Wächter, der uns aber gern die Frage nach dem Weg in die Ortschaft beantwortet. Danach wird es allerdings ärmlich: eine sehr schlechte Straße führt entlang hoher Mauern in einen kleinen Vorort. Hier gibt es viele freundlich wirkende Leute, Bars, kleine Läden und sogar einen Auto- und Moppedverleiher. Der Fahrer des Überlandbusses nach Higüey hupt uns an, ob wir noch mitwollen. Wir winken dankend ab.

Der weitere Weg in den Ort führt einige Kilometer über eine "Schnellstraße" ohne Fußgängerweg. Da es auch noch anfängt zu regnen, kehren wir lieber um und entschließen uns, den Bus um 11.15 Uhr nach Bávaro zu nehmen. Leider warten wir - wie auch ein paar andere Neugierige - auf den vergeblich.

Es ist tatsächlich so wie im Reiseführer beschrieben: Das Überwinden der Resortmauern, um mit Land und Leuten in Kontakt zu kommen, ist schwieriger als gedacht. Der Unterschied zwischen Hotelanlage und Dorf ist schon recht krass! Wir vergleichen unsere "Lage" mit dem Film "Pleasantville", wo einem auch eine paradiesisch heile Welt vorgegaukelt wird, bis die Einwohner merken, dass es eine Kunstwelt für das Fernsehen ist.

Weniger "pleasant" ist die Abendsituation: Nach dem Essen - in der Regel draußen bei Mervin - gibt es eigentlich keine echte Unterhaltung. Die Strandbar ist geschlossen, in der Poolbar pflegen zwei selbstverliebte Barkeeper ihre Tresengemeinde - andere Leute finden kaum Beachtung und keine Bedienung. In der einzig verbleibenden Bar findet jeden Abend eine Kinderveranstaltung mit immer gleichem Ablauf (wir können schon mitsingen) und anschließend Bingo statt. Also statten wir uns mit Drinks aus und machen es uns auf dem Balkon in der lauen Abendluft gemütlich.

Schließlich kommen wir dann aber doch noch zu unserer "Abwechslung": Eine Segway-Tour durch eine Luxus-Hotel-Anlage in Punta Cana auf der karibischen Seite. Wir werden mit einem Kleinbus in Hotel abgeholt und mit anderen Teilnehmern über die neu ausgebaute "Autopista" nach Punta Cana gefahren. Dort gibt es eine kurze Einweisung auf das Gerät, das wirklich kinderleicht und mit viel Spaß zu bedienen ist! Und dann geht es auch schon los: Im Tross mit einer kanadischen Familie und einem spanischen Paar düsen wir auf mal geteerten Wegen, mal über Naturpfade durch die sehr hübsch angelegte Parklandschaft. Der erste Stopp findet an einem Traumstrand mit geradezu kitschig schöner Ansicht und natürlich Kokospalmen zum Baden statt. Das Meer ist auf der Karibikseite deutlich ruhiger, allerdings liegt uns der Wellengang und er Wind am Atlantik mehr.

Weiter geht´s in teils rasanter Fahrt durch die Anlage am Meer entlang zu einem Leguangehege und später in ein urwaldähnliches Gebiet (das eigentlich nicht für Flip-Flops geeignet ist) zu einem Idyllisch gelegenen kleinen Teich, in dem sich Wasserschildkröten befinden sollen. Diese bekommen wir leider nicht zu Gesicht, da ein mitgefahrener Kanadier sich mit Anlauf ins blaue Nass stürzen muss. Bernd rutscht auf feuchten Holzbohlen aus und verletzt sich das Knie, was ihn für mehrere Tage stark beeinträchtigt.

Auf der Rückfahrt fahren wir durch Bávaro "City": Luxus-Resorts, Touri-Läden, schlechte Straßen und viel Ärmlichkeit drum herum. Meine Ausflugsfreude legt sich deutlich. Bernd will immer noch mit einem kleinen Mopped los. Angesichts der Fahrweise, der Tatsache, dass man das schwächste Glied in der Verkehrsgemeinschaft ist und keinem attraktiven Ziel innerhalb von rd. 80 km nehmen wir aber davon Abstand.

Also genießen wir unseren Strand mit Sonnen, Spaziergängen, Baden und einem Pina Colada bzw. Daiquiri am Nachmittag.Ich lerne fast täglich eine Lektion Spanisch, Bernd hat diverse Bücher auf seinem Kindle dabei.

Zu einem alten Schweizer Ehepaar, das genau so lange da ist wie wir, haben wir regelmäßig Kontakt beim Frühstück und vor dem Abendessen, er kommt jeden Tag am Strand an unseren Liegen vorbei und muss dabei seinen "Witz des Tages" los werden. Es ist ein nettes Verhältnis und wir haben eine Menge Spaß zusammen.

Ansonsten ist das Publikum recht gemischt: Zunächst wimmelt es vor in der Regel trinkfreudigen Russen, die nicht ein Wort in einer anderen Sprache können. Später fallen spanischsprachige "Schulklassen" ein, die die Poolbar in Beschlag legen und eine Nacht derart laut randalieren, dass es am nächsten Morgen Beschwerden nur so hagelt. Ansonsten gibt es diverse skurile Typen: Ein Herr wirkt wie aus dem "Asterix-bei-den-Briten"-Heft entsprungen (wir nennen ihn Fünf-Uhr-Tee-Fix), seine Frau sieht aus wie Olivia (die Freundin von Popey). Einige Tage später entlarvt er sich mit dem T-shirt-Aufdruck "I´m a Canadian" als Nicht-Brite.

Auf dem Weg zum Strand klopft sich Bernd plötzlich an die Stirn und fragt: "Jemand zu Hause...." - wir schauen in das Original(?)-Gesicht von George McFly!

Ein erschütterndes Erlebnis ist die Mutter, die ihrem vielleicht 2-jährigen Kind eine App auf ihrem Tablet zeigt und das gebannt zuguckenden Gör von hinten füttert - bloß keine Kommunikation!

Ein Paar kommt bereits mit 3-Wochen Bräune, bleibt aber nur eine Woche (und verbrennen sich trotzdem). Wir mutmaßen, dass sie zwei Wochen im Keller unter der Sonnenbank gelegen haben und den Kollegen erzählen, sie wären drei Wochen in der Karibik gewesen.

Ein anderes Paar hat die Angewohnheit, dass sie ihn vollständig (!) inkl. Gesicht eincremt wie ein kleines Baby. Anschließend teilen sie sich ihren MP3-Player und "zucken" gemeinsam zur Musik auf der Liege. Außerdem rücken sie uns gern nachmittags "auf die Pelle" aufgrund des veränderten Sonnenstandes.

Und es gibt auch richtig peinliche Leute, auf die wir hier gar nicht mehr eingehen wollen.......

Auf einem unserer Strandspaziergänge treffen wir den Schweizer, der im "Hüttendorf" Rum kaufen will. Wir begleiten ihn und lernen, dass man mit ein bisschen Handeln 2 Flaschen "Brugal" für 1.000 Pesos (=rd. Euro 15,--) kaufen kann. Vor unserer Abreise besorgen wir uns ebenfalls 1.000 Pesos an der Rezeption und gehen in denselben Laden. Wir erklären, dass wir mit unserem Onkel vor einigen Tagen schon einmal hier waren und Rum zu gleichen Konditionen haben möchten. Gustavo, unser Verkäufer, erkennt, dass wir ja regelmäßig mit der ganzen Familie bei ihm kaufen! Ob wir denn auch im nächsten Jahr....? Ganz bestimmt! Und ob wir den Rum selbst trinken oder verschenken wollen? Mit großer Geste nimmt er uns den Brugal wieder ab und tütet uns 2 Flaschen Columbus (aus der Brennerei Barceló) ein. Wir hoffen, er hat uns keinen Fusel angedreht.....(zu Hause entpuppt sich der Rum als echte Gaumenfreude!)

Nach vier Wochen ruft uns die Heimat zurück! Schon in der Hotellounge können wir über Internet sehen, dass unser Flieger aufgrund Schnee und Eis in Düsseldorf mit zwei Stunden Verspätung losgeht. Wir gehen noch einmal kurz zum Strand, ehe uns ein fieser Schauer ins Hotel zurückzwingt. Unsere Schweizer haben uns gesucht und verabschieden sich ganz besonders herzlich von uns - sie fliegen morgen. Nach Warten im Hotel und Transport zu Flughafen erwartet uns eine Mega-Schlange: Alle Nationalitäten fahren wieder zum gleichen Zeitpunkt ab! Auf der fast 2-stündigen Wartetortur durch die Abfertigung will ein Fotografenstudio auch noch Fotos von eben diesem Szenario verkaufen! Als wir endlich "durch" sind (mit Schuhe ausziehen, Flip-Flops dürfen anbehalten werden), setzen wir uns in das Terminal für die amerikanischen Reisenden, das fast leer ist. Unseres ist total überfüllt. Im Flugzeug können wir beide nicht schlafen.

Die 2 Stunden Verspätung holt der Flieger auch mit "Gas geben" nicht mehr auf, was dazu führt, dass wir unseren Anschlussflug nach Hamburg nicht mehr erreichen. Nach weiteren 4 Stunden fliegt uns dann eine kleine Propellermaschine nach Hamburg. Wir sind völlig erledigt, als wir gegen 15.00 Uhr nachmittags Ortszeit zu Hause ankommen.

 

 


 

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