25.01.11

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Berlin: zwei Spaziergänge durch Ost und West

11.01.2011:

Nach einer reibungslosen, rd. 1,5 Std. schnellen Bahnfahrt in einem fast leeren Waggon erreichen wir gegen 14.00 Uhr den Berliner Hauptbahnhof – ein beeindruckendes Gebäude mit Hoch- und Tiefbahnhof und vielen bunten Geschäften auf mehreren Ebenen. Kurz mit der S-Bahn eine Station bis Friedrichstraße und schon sehen wir die Ausschilderung des Ausganges Albrechtstraße, in der unser „BestWestern Berlin-Mitte-Hotel“ liegt. Nach ca. 5 Minuten zu Fuß werden wir dort nett an der Rezeption in Empfang genommen und beziehen sofort unser Zimmer 101. Es ist klein, aber nicht beengt, und mit allem, was man braucht, funktionell ausgestattet. Die im Zimmer integrierte Wasch-/Duschgelegenheit ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Dafür sind Wasserdruck und –wärme äußerst angenehm.

Schnell ausgepackt und schon geht´s los: Mit dem Stadtplan, den wir an der Rezeption kostenlos erhalten haben, laufen wir zunächst durch die Reinhardstraße zur Friedrichstraße. Dort treffen wir auf den Friedrichstadtpalast, einem bekannten, traditionellen Revuetheaterhaus, wohl das größte in Europa. Wir schlendern die Einkaufsmeile weiter entlang  und biegen hinter der S-Bahn-Brücke links in Richtung Museumsinsel ein. Dort erwarten uns mehrere historische Gebäude – dem antiken Stil nachempfunden – wie das Bode-Museum mit seiner Rundkuppel, die Nationalgalerie, das neue Museum (mit Nofretete-Büste) und das Pergamonmusuem. Mit den säulengezierten Portalen fühlt man sich hier ein bisschen wie in Rom. Entlang eines langen Säulengangs, der mich wiederum ein wenig an die Ufficien in Florenz erinnert, gelangen wir über die Bode-Brücke zu einer wunderschönen, barocken Parkanlage, in unserem Rücken prangt der Berliner Dom, ebenfalls sehr sehenswert!

Auffällig ist, dass ganz Berlin offenbar mit einer dicken Schicht Splitt eingedeckt ist. In den letzten Tagen hat es nach dem vielen Schnee und Glatteis  im Dezember erheblich getaut und die Stadtreinigung kommt gar nicht mit dem Räumen hinterher.

Wir folgen den Ausschilderungen zum Hackeschen Markt und tauchen dort in die Hackeschen Höfe ein: Ein Häuserkomplex mit diversen mit einander verbundenen, schmalen Hinterhöfen, in denen sich kleine Geschäfte, Handwerker und Lokalitäten angesiedelt haben. Hier kann man im Sommer bestimmt nett draußen sitzen! Ein sehr eigenes Flair verbreitet sich beim Durchstreifen der Gassen, sozusagen ein kleines, in sich geschlossenes  Dorf innerhalb der Millionenstadt! Drum herum tobt das Leben und die Geschäftigkeit wie sonst auch in der City.

Wir laufen weiter und arbeiten uns zum Alexanderplatz vor – eine ehemalige Stätte meines beruflichen Wirkens. Was habe ich hier schon an der Ampel gefroren mit der Absicht, die achtspurige Straße zu überqueren! Das kontinentale Klima bringt eine Eiseskälte hervor und das steht auch noch in großen Lettern an einem der Gebäude gegenüber!

Das Park-Inn-Hotel wetteifert mit dem Fernsehturm um die Höhe, die Straßenbahn ihrerseits mit den Fußgängern um das Gleisbett. Natürlich muss ich Bernd noch die Weltzeituhr auf dem „Alex“ zeigen, möglichst ohne einer Bahn in die Quere zu kommen! Und da kommt auch schon die hier allgegenwärtige, mobile  „One-Man-Würstchen-Bude“ mit Riesenschirm und Grill-Bauchladen! Hab ich sonst nirgends so gesehen!

Weiter geht es über die Rathausstraße zum eindrucksvollen „Roten Rathaus“, in dem heute der Oberbürgermeister von Berlin seinen Sitz hat – auch hier: Unmengen von Splitt!

Wir kommen in das Alt-Berliner Nikolaiviertel mit seinen netten, typischen Kneipen und Restaurants (u.a. das  Gasthaus Mutter Hoppe) – ebenfalls so eine kleine Enklave für sich. Wir laufen über einen hübschen Holzbohlenweg durch den „Schlosspark“ (hier steht gar kein Schloss mehr und auch von „Erichs Lampenladen“ (=Palast der Republik) sind nur noch kleine Fragmente zu sehen). Dafür treffen wir bei einsetzender Dämmerung nun noch einmal auf die Museumsinsel, die angeleuchtet noch beeindruckender wirkt!

Schon flanieren wir „Unter den Linden“ vorbei an „antiken“ Gebäuden wie der Staatsoper und dem teilweise noch von Weihnachten beleuchtetem Baumbestand – eine tolle Atmosphäre! An teuren Geschäften, Hotels und Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett vorbei erwartet uns am Ende der Straße das imposante Brandenburger Tor, das bei der inzwischen eingetretenen Dunkelheit jetzt wunderschön angestrahlt wird. Die Quadriga kommt so besonders gut zur Geltung! Der gesamte Platz mit dem ehrwürdigen Hotel Adlon an der Seite nimmt uns in seinen Bann, wir fühlen so etwas wie Nationalstolz! Und da guckt uns auf der anderen Seite des Tors noch der Reichstag mit seiner ebenfalls beleuchteten Glaskuppel an!

So bewegt, machen wir uns auf den Heimweg entlang diverser Bundesgebäude (Frau Homberger (FDP) springt aus einem Taxi, grüßt aber nicht, obwohl wir sie doch fast jeden Abend sehen….im TV.). Noch ein kurzes Stück die Spree entlang und wir sind wieder in der Albrechtstraße, wo wir uns entschließen, bei  „La Parrilla“ gut und reichhaltig Essen zu gehen.

Nach einem „Begrüßungsbier“ auf Einladung der Hotelbar gehen wir müde, aber voller Eindrücke in unser Zimmer, wo wir beim Wein noch die Erlebnisse des Tages revue passieren lassen.

12.01.2011:

Ich habe Geburtstag und Bernd hat mir für heute Abend den Besuch bei der „Blue-Man-Group“ geschenkt!

Viele Freunde und Bekannte haben mir über e-mail gratuliert, was ich mittels neuem netbook und kostenloser Internetanbindung im Hotel auch hier abfragen kann!

Da das Wetter besser ist als angekündigt, entschließen wir uns, nicht – wie ursprünglich angedacht – einen Hopp-on/off-Bus zu nehmen, sondern den „Westteil“ auch zu Fuß zu erkunden.

Die Reinhardstraße diesmal anders herum entlang, gelangen wir Richtung Reichstag. Angesichts aktueller Terrordrohungen ist das Regierungsviertel streng polizeilich abgeriegelt, so dass man nur mit einigem Abstand herankommt. Die Kuppel ist z.Zt. ganz für Besucher geschlossen. Das trutzige, ehrwürdige Gebäude beeindruckt dennoch bei Tag und Nacht!

Über die Straße des 17. Juni passieren wir in der Grünanlage die „schwangere Auster“ (Ex-Kongresshalle und jetzt Haus der Kulturen der Welt) und den Glockenturm Carillon. Weiter in Richtung Siegessäule entdecken wir mehr zufällig  den Fußweg zum Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten in Berlin: ein hübsches weißes Stadtschloss, das ebenfalls stark mit Polizeikräften bewacht wird. Von der benachbarten Brücke hat man einen schönen Blick zurück auf die passierten Gebäude inkl. Fernsehturm am Alexanderplatz.

Wir wenden uns weiter der Siegessäule zu, die leider bis fast hoch zur goldenen Statue eingerüstet ist, dafür aber mit der Planenhülle dem Original stark nachempfunden.

Über die Hofjägerallee durchqueren wir den Tiergarten und wenden uns weiter in Richtung Kurfürstendamm, den wir über den Olof-Palme-Platz bei der Gedächtniskirche und dem Europa-Center erreichen. Leider ist auch die Gedächtniskirche z.Zt. mit einem Gerüst umhüllt.

Den Ku´damm kenne ich noch aus jugendlichen Tagen, als ich mit der Schulmannschaft im Basketball immer mal wieder  zu „Jugend-trainiert-für-Olympia“ zu den Bundesausscheidungen hier war. Allerdings hat sich einiges verändert – oder sehe ich den Ku´damm heute nur mit anderen, „erwachsenen“ Augen?

Das altehrwürdige Café Kranzler (so etwas wie der alte Alsterpavillion seinerzeit in Hamburg) geht in Geschäftsauslagen bis in den ersten Stock unter und dürfte auch so nicht mehr existent sein! Das Treiben ist nicht mehr so bunt wie früher und viele Geschäfte und Lokale finde ich nicht mehr wieder. Wir laufen die eine Straßenseite bis Uhlandstraße herunter, die andere – nach einem Besuch des Hard-Rock-Cafés - wieder hoch. Das Karstadt-Gebäude hat ein nettes Glasdach, das man jedoch besser von gegenüber sieht.

Jetzt landen wir - wieder mehr zufällig - im KaDeWe und dort im „Wintergarten“ im 6. Stock, von wo man einen guten Ausblick über die Dächer von Berlin hat. Hier gönnen wir uns einen ersten Geburtstags-Imbiss mit besonderer Atmosphäre.

So gestärkt, geht es zu weiteren Erkundungen: Die Tauentzienstrasse entlang, an der Urania vorbei biegen wir in das Lützowufer ein. Die Straße schlängelt sich am Landwehrkanal entlang mit hübschen, teils aus dem Jugendstil stammenden Häusern und beruhigt den Spaziergänger nach den letzten hektischen Verkehrsadern. Über die Potsdamer Brücke kommen wir dann zu dem ultra-modernen Potsdamer Platz, der bis vor kurzem noch als größte Baustelle Europas gehandelt wurde. Architektonisch verblüffende Wolkenkratzer namhafter Unternehmen und Hotels bilden einen völlig neu geborenen Komplex aus. Wir suchen und finden mitten drin auch das Blue-Max, das Theater, in dem die heutige Veranstaltung stattfinden wird.

Durch ein Einkaufscentrum geht es dann an der Ebertstraße entlang. Dabei streifen wir noch diverse Ländervertretungen wie die von Niedersachsen und Schleswig-Holstein und das Holocaust-Mahnmal mit seinen mehr als 2.700 Betonstelen. Durch das Brandburger Tor Richtung Hotel suchen wir uns in der Friedrichstraße das ebenfalls recht Berlin-typische „Boulevard“ mit rustikaler Küche zum Essen aus. Es schmeckt lecker und lädt auch durch das Publikum zum ein wenig Verweilen und Beobachten ein.

Angesichts unseres abendlichen Vorhabens lassen wir den späten Nachmittag dann im Hotel ein bisschen ruhiger angehen.

Gegen 19.00 Uhr begeben wir uns auf das Abenteuer „Berliner S-Bahn“. Bis Potsdamer Platz kommen wir ab „Friedrichstraße“ mit einem  Kurzstreckenticket für je Euro 1,40 aus. Jetzt nur noch den richtigen Bahnsteig finden – aber die Berliner sind uns gern behilflich. So kommen wir rechtzeitig am Blue-Max an.

Dort erwartet uns eine spannende Show:

Schon im Vorfeld gibt es einiges Lustiges zu erleben. Ohne dann zu viel verraten zu wollen: Die drei „Blue-Men“ sind echte Percussion-Künstler, sowohl rhythmisch als auch in der pantomimischen Darstellung. Ihre Gestik und Mimik reißt die Leute mit, häufig zum Lachen, am Ende „kennt man“ drei ganz unterschiedliche Charaktere mit diversen Talenten. Hierzu gehört sicher auch, St. 25 Marshmallows in einem Mund aufzufangen – und anschließend daraus ein Kunstwerk zu formen…..

Die Veranstaltung geht einem u.a. wegen der Trommeleinlagen regelrecht rd. 1 ½ Stunden durch Mark und Bein. Die Darsteller kommen direkt ins Publikum und jeden Moment kann einem etwas widerfahren. Zwei Zuschauer sind dann tatsächlich in Sachen Bühne gefordert, wobei die junge Dame mit zarter Hand so geführt wird, als sei ihr „Auftritt“ ganz normal und sie „schlägt“ sich hervorragend. Die Zeit läuft viel zu schnell, Kinder kreischen begeistert, als auf Abwasserrohren in unterschiedlichen Tonlagen getrommelt wird. So ist die Veranstaltung dann auch viel zu schnell vorbei.

Wir krönen den Abend mit einem nächtlichen Spaziergang durch das Brandenburger Tor zum Hotel. Dort gibt es dann noch einen Geburtstagdrink.

Die Stadt hat uns gefallen! Ein gelungener Geburtstagsausflug – und wir werden bestimmt einmal wieder kommen: wir müssen noch vieles sehen wie das Charlottenburger Schloss, Checkpoint Charlie, den Gendarmenmarkt und natürlich Potsdam mit seinen Sehenswürdigkeiten!

13.01.2011:

Nach einem wieder guten Frühstück im Hotel ist schnell gepackt. Dann geht´s erneut zur S-Bahn-Station Friedrichstraße und weiter zum Hauptbahnhof. Wir nutzen die verbleibende Zeit vor der Abfahrt noch zu einem ausgiebigen Bummel durch die Geschäfte des Lehrter-Hauptbahnhofs und und genießen noch zwei Cappuccini in aller Ruhe.

Die Bahnfahrt vergeht wieder wie im Fluge: `Rausgucken bis Spandau, Brötchen essen, kurz in die Zeitung geschaut und schon sind wir wieder im Hamburger Einzugsgebiet, sehen Schwarzenbek und Aumühle an uns vorbeifliegen und sind kurz darauf am Hauptbahnhof.

Unsere Bahn-Erfahrung ist – allen Unkenrufen zum Trotz - insgesamt recht gut ausgefallen: Pünktliche Abfertigung, freundliches Personal und saubere Waggons, die im „Silence-Bereich“ wenig besucht waren. Die Platzreservierung auf der Rückfahrt konnte allerdings nicht eingehalten werden, da der Zug mit völlig anderen Waggon-Nr. einlief. Da wir aber einen Superplatz in einem sonst menschenleeren Wagen hatten, haben wir darauf verzichtet, die Bahn auf Rückerstattung der Reservierungskosten anzusprechen.  


 

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