Berlin:
zwei Spaziergänge durch Ost und West
11.01.2011:
Nach einer reibungslosen, rd. 1,5 Std.
schnellen Bahnfahrt in einem fast leeren Waggon erreichen wir gegen
14.00 Uhr den Berliner Hauptbahnhof – ein beeindruckendes Gebäude
mit Hoch- und Tiefbahnhof und vielen bunten Geschäften auf mehreren
Ebenen. Kurz mit der S-Bahn eine Station bis Friedrichstraße und
schon sehen wir die Ausschilderung des Ausganges Albrechtstraße, in
der unser „BestWestern Berlin-Mitte-Hotel“ liegt. Nach ca. 5 Minuten
zu Fuß werden wir dort nett an der Rezeption in Empfang genommen und
beziehen sofort unser Zimmer 101. Es ist klein, aber nicht beengt,
und mit allem, was man braucht, funktionell ausgestattet. Die im
Zimmer integrierte Wasch-/Duschgelegenheit ist zunächst etwas
gewöhnungsbedürftig. Dafür sind Wasserdruck und –wärme äußerst
angenehm.
Schnell ausgepackt und schon geht´s los: Mit
dem Stadtplan, den wir an der Rezeption kostenlos erhalten haben,
laufen wir zunächst durch die Reinhardstraße zur Friedrichstraße.
Dort treffen wir auf den Friedrichstadtpalast, einem bekannten,
traditionellen Revuetheaterhaus, wohl das größte in Europa. Wir
schlendern die Einkaufsmeile weiter entlang und biegen hinter der
S-Bahn-Brücke links in Richtung Museumsinsel ein. Dort erwarten uns
mehrere historische Gebäude – dem antiken Stil nachempfunden – wie
das Bode-Museum mit seiner Rundkuppel, die Nationalgalerie, das neue
Museum (mit Nofretete-Büste) und das Pergamonmusuem. Mit den
säulengezierten Portalen fühlt man sich hier ein bisschen wie in
Rom. Entlang eines langen Säulengangs, der mich wiederum ein wenig
an die Ufficien in Florenz erinnert, gelangen wir über die
Bode-Brücke zu einer wunderschönen, barocken Parkanlage, in unserem
Rücken prangt der Berliner Dom, ebenfalls sehr sehenswert!
Auffällig ist, dass ganz Berlin offenbar mit
einer dicken Schicht Splitt eingedeckt ist. In den letzten Tagen hat
es nach dem vielen Schnee und Glatteis im Dezember erheblich getaut
und die Stadtreinigung kommt gar nicht mit dem Räumen hinterher.
Wir folgen den Ausschilderungen zum Hackeschen
Markt und tauchen dort in die Hackeschen Höfe ein: Ein Häuserkomplex
mit diversen mit einander verbundenen, schmalen Hinterhöfen, in
denen sich kleine Geschäfte, Handwerker und Lokalitäten angesiedelt
haben. Hier kann man im Sommer bestimmt nett draußen sitzen! Ein
sehr eigenes Flair verbreitet sich beim Durchstreifen der Gassen,
sozusagen ein kleines, in sich geschlossenes Dorf innerhalb der
Millionenstadt! Drum herum tobt das Leben und die Geschäftigkeit wie
sonst auch in der City.
Wir laufen weiter und arbeiten uns zum
Alexanderplatz vor – eine ehemalige Stätte meines beruflichen
Wirkens. Was habe ich hier schon an der Ampel gefroren mit der
Absicht, die achtspurige Straße zu überqueren! Das kontinentale
Klima bringt eine Eiseskälte hervor und das steht auch noch in
großen Lettern an einem der Gebäude gegenüber!
Das Park-Inn-Hotel wetteifert mit dem
Fernsehturm um die Höhe, die Straßenbahn ihrerseits mit den
Fußgängern um das Gleisbett. Natürlich muss ich Bernd noch die
Weltzeituhr auf dem „Alex“ zeigen, möglichst ohne einer Bahn in die
Quere zu kommen! Und da kommt auch schon die hier allgegenwärtige,
mobile „One-Man-Würstchen-Bude“ mit Riesenschirm und
Grill-Bauchladen! Hab ich sonst nirgends so gesehen!
Weiter geht es über die Rathausstraße zum
eindrucksvollen „Roten Rathaus“, in dem heute der Oberbürgermeister
von Berlin seinen Sitz hat – auch hier: Unmengen von Splitt!
Wir kommen in das Alt-Berliner Nikolaiviertel
mit seinen netten, typischen Kneipen und Restaurants (u.a. das
Gasthaus Mutter Hoppe) – ebenfalls so eine kleine Enklave für sich.
Wir laufen über einen hübschen Holzbohlenweg durch den „Schlosspark“
(hier steht gar kein Schloss mehr und auch von „Erichs Lampenladen“
(=Palast der Republik) sind nur noch kleine Fragmente zu sehen).
Dafür treffen wir bei einsetzender Dämmerung nun noch einmal auf die
Museumsinsel, die angeleuchtet noch beeindruckender wirkt!
Schon flanieren wir „Unter den Linden“ vorbei
an „antiken“ Gebäuden wie der Staatsoper und dem teilweise noch von
Weihnachten beleuchtetem Baumbestand – eine tolle Atmosphäre! An
teuren Geschäften, Hotels und Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett
vorbei erwartet uns am Ende der Straße das imposante Brandenburger
Tor, das bei der inzwischen eingetretenen Dunkelheit jetzt
wunderschön angestrahlt wird. Die Quadriga kommt so besonders gut
zur Geltung! Der gesamte Platz mit dem ehrwürdigen Hotel Adlon an
der Seite nimmt uns in seinen Bann, wir fühlen so etwas wie
Nationalstolz! Und da guckt uns auf der anderen Seite des Tors noch
der Reichstag mit seiner ebenfalls beleuchteten Glaskuppel an!
So bewegt, machen wir uns auf den Heimweg
entlang diverser Bundesgebäude (Frau Homberger (FDP) springt aus
einem Taxi, grüßt aber nicht, obwohl wir sie doch fast jeden Abend
sehen….im TV.). Noch ein kurzes Stück die Spree entlang und wir sind
wieder in der Albrechtstraße, wo wir uns entschließen, bei „La
Parrilla“ gut und reichhaltig Essen zu gehen.
Nach einem „Begrüßungsbier“ auf Einladung der
Hotelbar gehen wir müde, aber voller Eindrücke in unser Zimmer, wo
wir beim Wein noch die Erlebnisse des Tages revue passieren lassen.
12.01.2011:
Ich habe Geburtstag und Bernd hat mir für heute
Abend den Besuch bei der „Blue-Man-Group“ geschenkt!
Viele Freunde und Bekannte haben mir über
e-mail gratuliert, was ich mittels neuem netbook und kostenloser
Internetanbindung im Hotel auch hier abfragen kann!
Da das Wetter besser ist als angekündigt,
entschließen wir uns, nicht – wie ursprünglich angedacht – einen
Hopp-on/off-Bus zu nehmen, sondern den „Westteil“ auch zu Fuß zu
erkunden.
Die Reinhardstraße diesmal anders herum
entlang, gelangen wir Richtung Reichstag. Angesichts aktueller
Terrordrohungen ist das Regierungsviertel streng polizeilich
abgeriegelt, so dass man nur mit einigem Abstand herankommt. Die
Kuppel ist z.Zt. ganz für Besucher geschlossen. Das trutzige,
ehrwürdige Gebäude beeindruckt dennoch bei Tag und Nacht!
Über die Straße des 17. Juni passieren wir in
der Grünanlage die „schwangere Auster“ (Ex-Kongresshalle und jetzt
Haus der Kulturen der Welt) und den Glockenturm Carillon. Weiter in
Richtung Siegessäule entdecken wir mehr zufällig den Fußweg zum
Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten in Berlin: ein
hübsches weißes Stadtschloss, das ebenfalls stark mit Polizeikräften
bewacht wird. Von der benachbarten Brücke hat man einen schönen
Blick zurück auf die passierten Gebäude inkl. Fernsehturm am
Alexanderplatz.
Wir wenden uns weiter der Siegessäule zu, die
leider bis fast hoch zur goldenen Statue eingerüstet ist, dafür aber
mit der Planenhülle dem Original stark nachempfunden.
Über die Hofjägerallee durchqueren wir den
Tiergarten und wenden uns weiter in Richtung Kurfürstendamm, den wir
über den Olof-Palme-Platz bei der Gedächtniskirche und dem
Europa-Center erreichen. Leider ist auch die Gedächtniskirche z.Zt.
mit einem Gerüst umhüllt.
Den Ku´damm kenne ich noch aus jugendlichen
Tagen, als ich mit der Schulmannschaft im Basketball immer mal
wieder zu „Jugend-trainiert-für-Olympia“ zu den
Bundesausscheidungen hier war. Allerdings hat sich einiges verändert
– oder sehe ich den Ku´damm heute nur mit anderen, „erwachsenen“
Augen?
Das altehrwürdige Café Kranzler (so etwas wie
der alte Alsterpavillion seinerzeit in Hamburg) geht in
Geschäftsauslagen bis in den ersten Stock unter und dürfte auch so
nicht mehr existent sein! Das Treiben ist nicht mehr so bunt wie
früher und viele Geschäfte und Lokale finde ich nicht mehr wieder.
Wir laufen die eine Straßenseite bis Uhlandstraße herunter, die
andere – nach einem Besuch des Hard-Rock-Cafés - wieder hoch. Das
Karstadt-Gebäude hat ein nettes Glasdach, das man jedoch besser von
gegenüber sieht.
Jetzt landen wir - wieder mehr zufällig - im
KaDeWe und dort im „Wintergarten“ im 6. Stock, von wo man einen
guten Ausblick über die Dächer von Berlin hat. Hier gönnen wir uns
einen ersten Geburtstags-Imbiss mit besonderer Atmosphäre.
So gestärkt, geht es zu weiteren Erkundungen:
Die Tauentzienstrasse entlang, an der Urania vorbei biegen wir in
das Lützowufer ein. Die Straße schlängelt sich am Landwehrkanal
entlang mit hübschen, teils aus dem Jugendstil stammenden Häusern
und beruhigt den Spaziergänger nach den letzten hektischen
Verkehrsadern. Über die Potsdamer Brücke kommen wir dann zu dem
ultra-modernen Potsdamer Platz, der bis vor kurzem noch als größte
Baustelle Europas gehandelt wurde. Architektonisch verblüffende
Wolkenkratzer namhafter Unternehmen und Hotels bilden einen völlig
neu geborenen Komplex aus. Wir suchen und finden mitten drin auch
das Blue-Max, das Theater, in dem die heutige Veranstaltung
stattfinden wird.
Durch ein Einkaufscentrum geht es dann an der
Ebertstraße entlang. Dabei streifen wir noch diverse
Ländervertretungen wie die von Niedersachsen und Schleswig-Holstein
und das Holocaust-Mahnmal mit seinen mehr als 2.700 Betonstelen.
Durch das Brandburger Tor Richtung Hotel suchen wir uns in der
Friedrichstraße das ebenfalls recht Berlin-typische „Boulevard“ mit
rustikaler Küche zum Essen aus. Es schmeckt lecker und lädt auch
durch das Publikum zum ein wenig Verweilen und Beobachten ein.
Angesichts unseres abendlichen Vorhabens lassen
wir den späten Nachmittag dann im Hotel ein bisschen ruhiger
angehen.
Gegen 19.00 Uhr begeben wir uns auf das
Abenteuer „Berliner S-Bahn“. Bis Potsdamer Platz kommen wir ab
„Friedrichstraße“ mit einem Kurzstreckenticket für je Euro 1,40
aus. Jetzt nur noch den richtigen Bahnsteig finden – aber die
Berliner sind uns gern behilflich. So kommen wir rechtzeitig am
Blue-Max an.
Dort erwartet uns eine spannende Show:
Schon im Vorfeld gibt es einiges Lustiges zu
erleben. Ohne dann zu viel verraten zu wollen: Die drei „Blue-Men“
sind echte Percussion-Künstler, sowohl rhythmisch als auch in der
pantomimischen Darstellung. Ihre Gestik und Mimik reißt die Leute
mit, häufig zum Lachen, am Ende „kennt man“ drei ganz
unterschiedliche Charaktere mit diversen Talenten. Hierzu gehört
sicher auch, St. 25 Marshmallows in einem Mund aufzufangen – und
anschließend daraus ein Kunstwerk zu formen…..
Die Veranstaltung geht einem u.a. wegen der
Trommeleinlagen regelrecht rd. 1 ½ Stunden durch Mark und Bein. Die
Darsteller kommen direkt ins Publikum und jeden Moment kann einem
etwas widerfahren. Zwei Zuschauer sind dann tatsächlich in Sachen
Bühne gefordert, wobei die junge Dame mit zarter Hand so geführt
wird, als sei ihr „Auftritt“ ganz normal und sie „schlägt“ sich
hervorragend. Die Zeit läuft viel zu schnell, Kinder kreischen
begeistert, als auf Abwasserrohren in unterschiedlichen Tonlagen
getrommelt wird. So ist die Veranstaltung dann auch viel zu schnell
vorbei.
Wir krönen den Abend mit einem nächtlichen
Spaziergang durch das Brandenburger Tor zum Hotel. Dort gibt es dann
noch einen Geburtstagdrink.
Die Stadt hat uns gefallen! Ein gelungener
Geburtstagsausflug – und wir werden bestimmt einmal wieder kommen:
wir müssen noch vieles sehen wie das Charlottenburger Schloss,
Checkpoint Charlie, den Gendarmenmarkt und natürlich Potsdam mit
seinen Sehenswürdigkeiten!
13.01.2011:
Nach einem wieder guten Frühstück im Hotel ist
schnell gepackt. Dann geht´s erneut zur S-Bahn-Station
Friedrichstraße und weiter zum Hauptbahnhof. Wir nutzen die
verbleibende Zeit vor der Abfahrt noch zu einem ausgiebigen Bummel
durch die Geschäfte des Lehrter-Hauptbahnhofs und und genießen noch
zwei Cappuccini in aller Ruhe.
Die Bahnfahrt vergeht wieder wie im Fluge:
`Rausgucken bis Spandau, Brötchen essen, kurz in die Zeitung
geschaut und schon sind wir wieder im Hamburger Einzugsgebiet, sehen
Schwarzenbek und Aumühle an uns vorbeifliegen und sind kurz darauf
am Hauptbahnhof.
Unsere Bahn-Erfahrung ist – allen Unkenrufen
zum Trotz - insgesamt recht gut ausgefallen: Pünktliche Abfertigung,
freundliches Personal und saubere Waggons, die im „Silence-Bereich“
wenig besucht waren. Die Platzreservierung auf der Rückfahrt konnte
allerdings nicht eingehalten werden, da der Zug mit völlig anderen
Waggon-Nr. einlief. Da wir aber einen Superplatz in einem sonst
menschenleeren Wagen hatten, haben wir darauf verzichtet, die Bahn
auf Rückerstattung der Reservierungskosten anzusprechen.
Copyright 2011 eurotourer.de