Motorradtour über die Sivretta-Hochalpenstraße
Freitag, 5. September 2008, 18° C, heiter bis wolkig –
Motorradwetter! Noch vor dem Wochenende wollen wir die
Sivretta-Hochalpenstraße unter die Räder nehmen. Los geht´s nach
Bludenz, wo die Straße nach Schlunz gesperrt ist und wir mangels
Beschilderung die kleinen Wohnstraßen und den Tennisclub des
Städtchens erkunden. Schließlich finden wir dann doch eine
Umleitungsbeschilderung „Montafon“ – das Tal in dem Schlunz liegt.
So gelangen wir ohne Autobahn (haben für das Mopped keine Vignette)
auf die richtige, typische Talstraße, die anfangs relativ viel
befahren ist und Dörfchen an Dörfchen reiht, bis wir zur Mautstelle
kommen. Ein Tagesticket kostet für ein Motorrad und zwei Personen
Euro 10,50 und berechtigt zu beliebig vielen Fahrten auf der
Strecke. Ab jetzt arbeitet sich die Straße durch Wald und den Hang
entlang mit 30 gut fahrbaren Kehren und unzähligen, zackigen Kurven
den Berg hoch.
Ein holländisches Auto haben wir hinter uns gelassen und keinen
anderen vor uns, haben sozusagen unseren eigenen „slot“ – also
fahren nach eigenem „gusto“!
An einigen Rastmöglichkeiten bieten sich herrliche Ausblicke auf die
„Lindwurm“-Strecke und die großartige Berglandschaft mit ihren teils
schroffen Kuppen. Nach dem Kurvenspaß auf gutem Belag halten wir am
grün schimmernden Silvretta-Stausee, wo Bootsrundfahrten angeboten
werden. Angesichts dunkler Wolken und einer ziemlich steifen Brise
hier oben nehmen wir davon Abstand.
Weiter geht´s, jetzt abwärts: Es folgen noch einige Kehren, dann
flotte Kurven in Richtung der Wintersportorte im Tal. Mich erinnert
die Strecke an die Abfahrt des Passo Pordoi in den Dolomiten. Hinter
der Mautstation biegen wir links ein zum Kops-Stausee beim
Zeinisjoch (1842m). Hier gibt es neben einem Restaurant sogar einen
kleinen Campingplatz, der allerdings nur von Landeck aus erreichbar
ist, da die Sivretta-Hochalpenstraße – mit Recht – für Anhänger
gesperrt ist. Um so erstaunlicher ist es, dass sich normale
Reisebusse dort hoch quälen dürfen, obwohl sie kaum um die engen
Kurven kommen und teilweise dabei auf dem Asphalt aufsetzen! Wer
dahinter hängt, hat schlichtweg verloren, an Überholen ist nicht zu
denken! Zum Glück kommt uns so ein Tross nur entgegen!
Wir machen noch einen kleinen Abstecher zu dem bekannten
Wintersportort Galtür, den Ort, der vor einigen Jahren so schwer von
einer Lawine heimgesucht wurde. Zu sehen ist für uns aber davon
nichts mehr. Es wirkt alles sehr hübsch und aufgeräumt.
Jetzt ist noch ein bißchen Kurvenräubern angesagt: Zurück zur
Bielerhöhe (2037m), kurze Rast und weiter geht´s zum Kurventraining!
Wir wedeln zackig runter bis Kehre 8, dann umdrehen, wieder hoch und
nochmal das Ganze! Ein Heidenspaß, insbesondere wenn man die Straße
ein bißchen einschätzen kann! Vor der Kurve hinten anbremsen und die
Maschine gierig am Gas halten, um sofort wieder aus der Kurve zu
ziehen! An der Mautstation bemerkt Bernd, dass die Hinterradbremse
nicht mehr mitmacht, weil sie heiß gelaufen ist!
Heiß ist es auch im Tal geworden, was in den Bergen nicht so zu
merken war. Der Fön bläst in starken Böen und hat im Örtchen Vandas
einen Baum auf die Straße geworfen. In der Hitze in der Vollmontur
zu stehen, ist kein Vergnügen. Doch schnell ist der österreichische
ADAC (ÖAMTC) zur Stelle und gibt einen prima Umleitungstipp!
Umleitungen sind heute irgendwie unser Thema: In Bludenz gibt es von
der anderen Seite keinen Hinweis auf die gesperrte Straße und so
müssen wir uns wieder – ohne Schilder – eine Umleitung durch die
Stadt suchen – inzwischen kennen wir uns ja aus....
Nach rd. 150 Bergkilometern und der im Tal herrschenden Temperatur
von jetzt immerhin 31° C sind wir beide am Ende einigermaßen platt.
Copyright 2008 eurotourer.de