Ein Ausflug nach Montepulciano und Pienza
(südliche Toskana)
Heute starten wir aufgrund der ungewissen Wetterlage einmal mit dem
Peugeot Boxer zum Sightseeing. Vom Campingplatz Italgest fahren wir
durch eine wunderbar gründe Landschaft zunächst nach Chiusi, einer
alten Etrusker-Stadt, in der noch einige alte, etruskische Gräber
mit – wie man hört – wunderschönen Wandmalereien zu besichtigen
sind, und die eine niedliche Altstadt haben soll. Da wir heute
andere Ziele haben, fahren wir aber ohne Stopp weiter und erreichen
über Chianciano Terme, ein vornehmeres Kurbad mit eigener Quelle,
endlich den Abzweiger nach Montepulciano. Auf dem ausgeschilderten
Wohnmobilparkplatz findet gerade eine Kirmes statt, also
Alternativen suchen im Auto-, Menschen- und kleine-Straßen-Gewirr.
Natürlich finden wir eine Parkmöglichkeit ganz unten im Ort – man
muss dazu wissen, dass es in Montepulciano recht steil zugeht. Alle
anderen Parkplätze sind dicht gedrängt gefüllt, und dass, obwohl es
erst Ende April und zudem noch ein Wochentag ist.
Durch das ehrwürdige Tor Porta al Prato betreten wir die Innenstadt
und folgen dem „Corso“, der immer flott bergauf als recht enge
Straße durch das Städtchen führt. Ansehnliche, mittelalterliche
Steinhäuser und Pallazi mit vielen kleinen Enotekas (Montepulciano
ist berühmt für seinen vino nobile) und Geschäften säumen den Corso,
es kreuzen noch schmalere, steilen Gassen und enge Stiege, jede
Straße hat ihre eigene Fahne, die man an den Aussenfassaden der
Häuser positioniert sieht. Man weiß gar nicht, wo man zuerst
hinschauen soll, insbesondere, weil die Einheimischen mit
Sonderausweis in den engen Straßen auch noch Auto fahren dürfen –
ein Holländer hat sich mit seinem SUV ebenfalls in das Labyrinth
verirrt, seine Frau sieht auf dem Beifahrersitz gar nicht entspannt
aus, obwohl sie keinen Caravan dabei haben....Der Ort ist
lebensgefährlich!
Irgendwann teilt sich der Weg und wir biegen nach rechts ab, wo uns
noch kleinere Straßen hinauf zum höchsten Punkt, der Piazza Grande,
führen. Hier befindet sich neben einigen hübschen Pallazi (P. del
Capitano de Popolo, P. Tarugi) auch der Dom, von dessen Hinterseite
man einen phantastischen Ausblick auf die grandiose
Toskana-Landschaft und die 2 km vor dem Ort stehende,
architektonisch außerordentlich schöne Kirche San Biagio hat. Die
Euro 1,60 für die Turmbesteigung des Doms kann man sich von diesem
Standpunkt aus sparen.
Biegt man links vor dem Dom ab, kommt man zu einer Villa mit kleiner
Parkanlage, die beide allerdings schon bessere Zeit gesehen haben
und eine Ausstellung beherbergen. Allerdings ergeben sich von
hieraus auch weitere schöne Panorama-Ausblicke. Wir schlendern –
jetzt geht es nur noch bergab! – durch die kleine Via Ricci mit
netten Lokalen zur benachbarten Kirche San Francesco und – wieder
durch engste Gassen mit kleinen Torbögen – an San Lucca vorbei
Richtung Corso. Die Anstrengung lohnt sich, dieses beeindruckende
Städtchen auf seinem ca. 600 m hohen Hügel gesehen zu haben!
Durch die grün-gelb blühende Toskana mit ihren typischen Häusern und
Gehöften und deren Zypressen gesäumten Straßen und Einfahrten geht
es ca. 20 km weiter nach Pienza. Pabst Pius II. wollte aus seiner
Geburtsstadt ein „Ideal“ der Renaissance machen, was er jedoch nicht
zu Ende führen konnte. So trifft in Pienza ein mittelalterliches
Dorf mit einigen recht pompösen Prachtbauten zusammen.
Auch hier sind die freien, gut ausgeschilderten Parkplätze außerhalb
der Stadtmauern rar. Man betritt das kleine Städtchen durch ein
enges Tor, das geradewegs auf den Hauptweg, den Corso Rossellino,
führt. Dieser bringt einen durch die Häuserschlucht zwangsläufig an
einer kleinen mittelalterlichen Kirche vorbei an den „großen“ Platz,
auf dem der Dom mit seinem prachtvollen Innenschiff seinen Platz
gefunden hat. Der davor stehende Brunnen „Pozzo die Cani“ läßt die
ehrgeizigen Pläne Pius erkennen. Ein paar Schritte weiter folgenden
wir einer kleinen Straße nach rechts und gelangen zur Stadtmauer,
von der man herrliche Ausblicke hat. Wir gehen bis zum naheliegenden
Ende – es ist dort alles recht klein und eben – vorbei an der Kirche
San Francesco wieder auf den Corso Rossellino zurück zum Eingang.
Dabei schauen wir in die eine oder andere enge Gasse und treffen so
zufällig auf ein nettes Lokal in einem hübschen Garten, was uns
wegen eines so wunderbar blühenden Baums auffällt. Das Lokal heißt
bezeichnenderweise „Giardino segreto“, also geheimer Garten, und
befindet sich hinter einer hohen Mauer. Die offene Tür gewährt
Einblicke dahinter und ein Aufkleber zeugt von einer Auszeichnung
der Küche. Heute ist uns aber nicht nach Essen gehen und so machen
wir uns wieder auf den Heimweg – durch diese wunderbare, kurvige
Toskana...
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