Cinque Terre – oder immerhin vier von fünf....
Ich hatte schon viel von Cinque Terre gehört, fünf kleinen Dörfchen,
die sich (und der Vergleich hält wahrlich stand) wie Schwalbenester
an die steilen Küstenfelsen Ost-Liguriens geheftet haben. Alles ist
sehr ursprünglich, idyllisch und eng dort, es gibt so gut wie keine
Autos, nur ganz kleine Straßen führen zu den Orten, am besten
erreicht man sie per Zug (alle fünf haben einen kleinen, z.T.
unterirdischen Bahnhof) und erkundet den Rest dann zu Fuß.
Wir haben uns auf einem Campingplatz in Deiva Marina niedergelassen.
Von dort bringt uns ein Shuttle-Bus zum örtlich Bahnhof. Dort
erwerben wir ein „Cinque-Terre-Ticket“, das die Bahnfahrt ab Levanto
zu den fünf Örtchen und die „Wandergebühr des Nationalparks“
beinhaltet, und ein zusätzliches Ticket Deiva Marina nach Levanto.
Insgesamt kostet der Spaß für einen Tag und zwei Personen Euro
22,60. Dafür gibt es aber Abenteuer pur. Das beginnt schon mit dem
Abstempeln der Tickets vor der Bahnfahrt (welches Ticket wann? Haben
wir jetzt unserer Rückfahrt schon entwertet?). Die italienische
Staatsbahn sammelt an jeder Station neue Besucher ein, in Levanto
wird es dann richtig voll, zwischendurch fällt das Licht aus – ein
beklemmendes Erlebnis, denn die Fahrt führt i.w. durch Tunnels.
Wir folgen der Empfehlung des Reiseführers, haben gutes Schuhwerk
und Wasser dabei und gehen die fünf Örtchen von hinten nach vorn an,
was sich später als absolut richtig herausstellt! Also fahren wir
bis Riomaggiore, dem östlichsten Ort. Ein Strom von Touristen quillt
aus der Bahn – es ist Mitte April, wie muß das hier in der
Hochsaison sein? Wir versuchen dem ein bißchen zu entgehen und
laufen, anders als viele andere, zunächst in den hübschen Ort: Es
geht recht steil bergan. Farbenfroh gestrichene, gepflegte Häuschen,
enge Stiege und eine nette Pfarrkirche präsentieren sich uns.
Überall sind kleine Geschäfte im untersten Stockwerk und fast jeder
bietet „camere“ (Zimmer) zur Vermietung an. Ich wundere mich schon,
wo all die Menschen geblieben sind, denn hier oben wir sind jetzt
ziemlich allein. Von dort hat man dann einen wunderschönen Ausblick
auf das Meer und den „Lindwurm“ des Touristenstroms, der sich über
die „Via dell Amore“, einer kleinen Küstenpromenade, zum nächsten
Dorf Manarola vor arbeitet. Durch unsere kleine Besichtigungstour
haben wir nun einen gewissen Abstand zu diesem Lindwurm und somit
quasi unseren eigenen „slot“ auf der Via dell Amore. In 15-20
Minuten geht man direkt am Meer auf gutem Pflaster vorbei an
allerlei Pflanzen und später durch eine Gallerie mit einer
„Liebesbank“, wo sich Unmengen von Liebenden in Gaffittis verewigt
haben.
Relativ locker erreicht man so also Manarola, wo es nur eine Straße,
einen Bahnhof und viele Fischerboote gibt, die z.T. in der Straße
gelagert werden, da auch die Mole nicht viel Platz bietet. Um diese
ranken sich wie in einem Amphietheater die „Turmhäuser“.
Der Küstenweg lädt zu einem weiteren Spaziergang in das nächste Dorf
Corniglia ein. Allerdings müssen wir auf halber Strecke feststellen,
dass der Weg gesperrt wurde – leider ohne entsprechende Hinweise in
Manarola. Also, zurück das Ganze! Der Zug ist natürlich gerade weg
und weil wir noch über eine ¾ Stunde Zeit haben, wandern wir einfach
zurück nach Riomaggiore.
Um 13.26 Uhr fahren wie dort ab und kommen 8 Minuten später am
Bahnhof Corniglia an. Der Ort liegt rd. 100 Meter über dem Meer auf
einem Hügel, den man via kleiner, steiler Straße oder 377
Treppenstufen erreichen kann. Wir ziehen die Straße vor. Oben
angekommen, finden wir einen zentralen, recht belebten Platz mit
Bars und Restaurants, hinter dem die Kirche mit ihrem
pyramidenförmigen Kirchturm hervorguckt. Ein wenig bergauf der
Straße folgend, erreicht man den Fußweg nach Vernazza. Durch
Olivenhaine geht es auf grob gepflastertem Weg zunächst idyllisch,
dann aber immer steiler werdend, mit hohen steinernen Treppenstufen
und langen Steigungen hinauf – eine anstrengende Angelegenheit, die
allerdings mit außergewöhnlich schönen Ausblicken belohnt. Auf dem
Felskamm lockt ein Schild mit „free beach“ und zeigt in die steil
abfallende Tiefe.....
Dem beschwerlichen Aufstieg folgt der noch steilere Abstieg! Ohne
richtiges Schuhwerk und Wasser sollte man diese Strecke nicht
antreten und umgekehrt ist sie noch anstrengender und nicht
empfehlenswert!
Über unzählige Steinstufen, die in die Knie gehen, erreichen wir
dann das malerische, wieder am Meer gelegene, vielleicht schönste
Dorf der Cinque Terre Vernazza mit seinen sehenswerten Häusern und
Türmen, Bogengängen und kleinen Gassen. Eine Befestigungsruine steht
an der kleinen Hafenmole, auf der bunten Piazza ruht man gern ein
bißchen aus. Eine Pizza „auf die Hand“ schmeckt uns hervorragend,
bevor wir uns Richtung Bahnhof aufmachen.
Wir haben beschlossen, aufgrund der anstrengenden letzten Strecke
(immerhin 2 Stunden meist bergauf!) das fünfte und wohl
touristischste Dorf, Monterosso, auszulassen. Es soll hier einen
schönen Sandstrand geben und beim Vorbeifahren sahen die bunten
Häuschen sehr hübsch und gepflegt aus.
Im Zug sind wir dann froh, einen Sitzplatz zu bekommen und in
Monterosso quillt der Zug fast über, was sich eine Station später in
Levanto schlagartig wieder ändert. Bis Deiva Marina sind wir dann
fast allein in der Bahn. Kontrolliert wurden wir auf der Rückfahrt
nicht – werden so also nie wissen, ob wir das mit dem Abstempeln
richtig gemacht haben oder nicht.
Fazit: Der Ausflug hat sich gelohnt. Ein Eindruck, den man mal
erlebt haben sollte!
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