29.04.08

Home
Nach oben

 

Cinque Terre – oder immerhin vier von fünf....

Ich hatte schon viel von Cinque Terre gehört, fünf kleinen Dörfchen, die sich (und der Vergleich hält wahrlich stand) wie Schwalbenester an die steilen Küstenfelsen Ost-Liguriens geheftet haben. Alles ist sehr ursprünglich, idyllisch und eng dort, es gibt so gut wie keine Autos, nur ganz kleine Straßen führen zu den Orten, am besten erreicht man sie per Zug (alle fünf haben einen kleinen, z.T. unterirdischen Bahnhof) und erkundet den Rest dann zu Fuß.

Wir haben uns auf einem Campingplatz in Deiva Marina niedergelassen. Von dort bringt uns ein Shuttle-Bus zum örtlich Bahnhof. Dort erwerben wir ein „Cinque-Terre-Ticket“, das die Bahnfahrt ab Levanto zu den fünf Örtchen und die „Wandergebühr des Nationalparks“ beinhaltet, und ein zusätzliches Ticket Deiva Marina nach Levanto. Insgesamt kostet der Spaß für einen Tag und zwei Personen Euro 22,60. Dafür gibt es aber Abenteuer pur. Das beginnt schon mit dem Abstempeln der Tickets vor der Bahnfahrt (welches Ticket wann? Haben wir jetzt unserer Rückfahrt schon entwertet?). Die italienische Staatsbahn sammelt an jeder Station neue Besucher ein, in Levanto wird es dann richtig voll, zwischendurch fällt das Licht aus – ein beklemmendes Erlebnis, denn die Fahrt führt i.w. durch Tunnels.

Wir folgen der Empfehlung des Reiseführers, haben gutes Schuhwerk und Wasser dabei und gehen die fünf Örtchen von hinten nach vorn an, was sich später als absolut richtig herausstellt! Also fahren wir bis Riomaggiore, dem östlichsten Ort. Ein Strom von Touristen quillt aus der Bahn – es ist Mitte April, wie muß das hier in der Hochsaison sein? Wir versuchen dem ein bißchen zu entgehen und laufen, anders als viele andere, zunächst in den hübschen Ort: Es geht recht steil bergan. Farbenfroh gestrichene, gepflegte Häuschen, enge Stiege und eine nette Pfarrkirche präsentieren sich uns. Überall sind kleine Geschäfte im untersten Stockwerk und fast jeder bietet „camere“ (Zimmer) zur Vermietung an. Ich wundere mich schon, wo all die Menschen geblieben sind, denn hier oben wir sind jetzt ziemlich allein. Von dort hat man dann einen wunderschönen Ausblick auf das Meer und den „Lindwurm“ des Touristenstroms, der sich über die „Via dell Amore“, einer kleinen Küstenpromenade, zum nächsten Dorf Manarola vor arbeitet. Durch unsere kleine Besichtigungstour haben wir nun einen gewissen Abstand zu diesem Lindwurm und somit quasi unseren eigenen „slot“ auf der Via dell Amore. In 15-20 Minuten geht man direkt am Meer auf gutem Pflaster vorbei an allerlei Pflanzen und später durch eine Gallerie mit einer „Liebesbank“, wo sich Unmengen von Liebenden in Gaffittis verewigt haben.
Relativ locker erreicht man so also Manarola, wo es nur eine Straße, einen Bahnhof und viele Fischerboote gibt, die z.T. in der Straße gelagert werden, da auch die Mole nicht viel Platz bietet. Um diese ranken sich wie in einem Amphietheater die „Turmhäuser“.

Der Küstenweg lädt zu einem weiteren Spaziergang in das nächste Dorf Corniglia ein. Allerdings müssen wir auf halber Strecke feststellen, dass der Weg gesperrt wurde – leider ohne entsprechende Hinweise in Manarola. Also, zurück das Ganze! Der Zug ist natürlich gerade weg und weil wir noch über eine ¾ Stunde Zeit haben, wandern wir einfach zurück nach Riomaggiore.
Um 13.26 Uhr fahren wie dort ab und kommen 8 Minuten später am Bahnhof Corniglia an. Der Ort liegt rd. 100 Meter über dem Meer auf einem Hügel, den man via kleiner, steiler Straße oder 377 Treppenstufen erreichen kann. Wir ziehen die Straße vor. Oben angekommen, finden wir einen zentralen, recht belebten Platz mit Bars und Restaurants, hinter dem die Kirche mit ihrem pyramidenförmigen Kirchturm hervorguckt. Ein wenig bergauf der Straße folgend, erreicht man den Fußweg nach Vernazza. Durch Olivenhaine geht es auf grob gepflastertem Weg zunächst idyllisch, dann aber immer steiler werdend, mit hohen steinernen Treppenstufen und langen Steigungen hinauf – eine anstrengende Angelegenheit, die allerdings mit außergewöhnlich schönen Ausblicken belohnt. Auf dem Felskamm lockt ein Schild mit „free beach“ und zeigt in die steil abfallende Tiefe.....
Dem beschwerlichen Aufstieg folgt der noch steilere Abstieg! Ohne richtiges Schuhwerk und Wasser sollte man diese Strecke nicht antreten und umgekehrt ist sie noch anstrengender und nicht empfehlenswert!
Über unzählige Steinstufen, die in die Knie gehen, erreichen wir dann das malerische, wieder am Meer gelegene, vielleicht schönste Dorf der Cinque Terre Vernazza mit seinen sehenswerten Häusern und Türmen, Bogengängen und kleinen Gassen. Eine Befestigungsruine steht an der kleinen Hafenmole, auf der bunten Piazza ruht man gern ein bißchen aus. Eine Pizza „auf die Hand“ schmeckt uns hervorragend, bevor wir uns Richtung Bahnhof aufmachen.
Wir haben beschlossen, aufgrund der anstrengenden letzten Strecke (immerhin 2 Stunden meist bergauf!) das fünfte und wohl touristischste Dorf, Monterosso, auszulassen. Es soll hier einen schönen Sandstrand geben und beim Vorbeifahren sahen die bunten Häuschen sehr hübsch und gepflegt aus.

Im Zug sind wir dann froh, einen Sitzplatz zu bekommen und in Monterosso quillt der Zug fast über, was sich eine Station später in Levanto schlagartig wieder ändert. Bis Deiva Marina sind wir dann fast allein in der Bahn. Kontrolliert wurden wir auf der Rückfahrt nicht – werden so also nie wissen, ob wir das mit dem Abstempeln richtig gemacht haben oder nicht.

Fazit: Der Ausflug hat sich gelohnt. Ein Eindruck, den man mal erlebt haben sollte!

Copyright 2008 eurotourer.de
 

Home

Stand: 29.04.08