Barcelona
Die katalanische Hauptstadt verbindet in eindrucksvoller Weise
verschiedenste Stilrichtungen in Sachen Kunst, Architektur und
Lebensgefühl miteinander. Künstler wie Picasso, Gaudí und Miró sind
allgegenwärtig und vertreten den Stil der Modernisme, der im krassen
Gegensatz zu den klassischen Gebäuden und Kirchen im Barri Gòtic
oder den Jugendstilhäusern des Viertels l`Eixample steht. Die Stadt
pulsiert, der Verkehr wälzt sich in Schwindel erregender
Geschwindigkeit auf vier- bis fünfspurigen meist Einbahnstraßen
durch die Häuserschluchten – immer dazwischen diverse „Motos“ - und
trotzdem fühlt man an den unterschiedlichsten Orten den mediterranen
Charme der Stadt mit ihren Traditionen, ihrem katalanischen Stolz
und der gelassenen Lebensart.
Das katalanische Ehrgefühl ist überall zu spüren, was u.a. daran
liegt, dass neben der spanischen Sprache die katalanische eigentlich
die Hauptsprache der Stadt ist. Häufig findet man auf z.B.
Speisekarten ein katalanische und eine spanische Version – manchmal
auch eine englische. Es gibt aber auch Restaurants und Geschäfte,
die sich auf katalan beschränken. Im Allgemeinen kommt man aber mit
englisch voran, wenngleich spanische Sprachkenntnisse hilfreich
sind.
Das katalanische Ehrgefühl geht z.T. so weit, dass man
internationale Fluglinien zur Drucken der Bordkarten auf spanisch
und katalan zwingen will bzw. die vollständige Unabhängigkeit von
Spanien anstrebt, was viele allerdings als übertrieben ansehen.
Die Stadt ist eine wohlhabende Metropole, die sowohl internationales
Business als auch Tourismus beherbergt und mit ihren Besuchern
freundlich umzugehen weiß.
Wir haben uns bei unserem viertägigen Aufenthalt vorgenommen, die
Stadt an sich kennen zu lernen und keine größeren Kulturprogramme
wie sicherlich interessante Besuche z.B. des Picasso-Museums oder
Kirchenbesichtigungen einzuplanen.
1. Tag: Ramblas, Port Vell, Barceloneta und Barri Gótic
Unser erster Spaziergang führt uns nach unserer Ankunft im Hotel
zunächst durch einige Straßenzüge des Jugenstilviertels l`Eixample.
Meist vierstöckige Gebäude mit verzierten, gut erhaltenen Fassaden
und hübschen Balkonen säumen unseren Weg. Sofort fällt auf, dass die
Straßen hier streng wie auf einem Schachbrett angeordnet sind.
Straßenecken sehen hier aber anders aus als bei uns: alle „Ecken“
sind um 45 Grad abgeschrägt und mit einem in diesem Winkel zur
Straße stehenden Haus bebaut. Die Kreuzung erhält so eher die Form
eines Salinos und an den „Eckschrägen“ entstehen dabei noch nebenbei
ein paar Parkplätze.
Wir laufen an der Universität vorbei über die - im wahrsten Sinne
des Wortes – „Gran Via“ de les Corts Catalanes und kommen zu „dem“
Platz der Stadt, die Placa de Catalunya. Der runde, große Platz
beherbergt eine Grünanlage mit einem großen, eindrucksvollen
Brunnen, der angesichts des heute sehr windigen Wetters einigen
Passanten eine „Dusche“ verpaßt. Umrahmt wird der Platz von einer
viel befahrenen Straße und einigen imposanten Gebäuden wie das
Haupthaus der Banco Espanol de Créditos und das Kaufhaus „el Corte
Inglés“ mit seinen neun Stockwerken, bekannt für hochwertige Mode
und sein Restaurant mit Fernblick im obersten Stockwerk.
Hier beginnen dann auch die berühmten „Ramblas“, „die“ Flaniermeile
Barcelonas mit unterschiedlichsten Gesichtern. Da sind zum einen die
vielen verkleideten, zunächst starr wie Skulpturen verharrenden
Straßenkünstler. Manche von ihnen nimmt man erst gar nicht richtig
wahr oder erkennt die menschliche Gestalt nur am Rollen der Augen.
Gegen ein geringes Entgelt entwickeln sie jedoch sehr
unterschiedliche Aktivitäten – sehenswert, insbesondere am späteren
Nachmittag oder zum Wochenende hin, wo deutlich mehr Leute auf den
Ramblas anzutreffen sind.
Wir folgen der breiten, platanengesäumten Fußgängerzone zwischen
zwei verkehrsreichen Straßen, die wiederum von kleinen Geschäften,
Cafés, Bars und Hotels besiedelt sind. Überall ist buntes Treiben
und im Sommer spendet sicher das Blätterdach angenehmen Schatten.
Die Ramblas, die übrigens aus einem ausgetrocknetem Flussbett
entstanden sind, bestehen aus mehreren fließend in einander
übergehenden Teilabschnitten. Wir kommen zunächst an Händlern
vorbei, die Vögel und anderes Kleingetier wie Hamster, Fische und
Frösche feilbieten, danach schließt sich ein Abschnitt mit
Blumenhändlern an (interessant auch hier die „zusammenklappbaren
Geschäfte“)..
Auf der rechten Seite sehen wir das Portal zur Markthalle des „Mercat
de Boqueria“. Diesen Markt muss man unbedingt gesehen haben! Eine
Unmenge von Ständen bietet wohl sortiertes, appetitlich
angerichtetes Obst und Gemüse an, andere präsentieren beste
Fleischqualität. Überaus beeindruckend ist aber das reichliche
Angebot an Fisch und Meeresfrüchten. Ich würde am liebsten den
halben Markt aufkaufen, habe aber im Hotel keine
Zubereitungsmöglichkeit – schade! Dieser Markt ist auch bei
Einheimischen beliebt, die gern das Angebot einiger Stände, kleine
warme Mahlzeiten zuzubereiten, als Mittagstisch oder am Wochenende
zu einem Brunch nutzen. Wir sind von der Fülle so beeindruckt, dass
wir uns fast verlaufen und Mühe haben, den Ausgang wieder zu finden.

Wieder auf den Ramblas laufen wir weiter in Richtung Meer, kommen
vorbei an den Hinweisschildern der Palau Güell (ein von Gaudí
gestaltete privates Wohnhaus, das wir aber trotz Empfehlung der
Reiseführer nicht besichtigen) und dem Wachsfigurenmuseum (Museu de
Cera) und gelangen schließlich zur rd. 60 m hohen Kolumbussäule
(Monument de Colon), auf der Kolumbus nach Amerika weist. Nach
Überqueren des runden, viel befahrenen Platzes stehen wir vor dem
alten, ehrwürdigen Hafengebäude. Über die neu erschaffene
Schwenkbrücke erreichen wir die Halbinsel des Port Vell, die Mole
d´Espanya, auf dem sich neben dem Maremagnum, einem supermodernen
Einkaufszentrum, auch das bekannte l´Aquarium befindet, das wir
gesondert besichtigen wollen.
Nach kurzer Rast auf einer Bank mit Blick auf den Hafen schlendern
wir weiter – vorbei an riesigen Yachten im Port Vell – nach
Barceloneta, einem eher ärmeren Fischerviertel mit vielen kleinen
Restaurants und dem Stadtstrand von Barcelona. Hier steht auch der
erste Pfeiler der Seilbahn, die (für 9,-- EUR pro Person) auf den
„Hausberg“ Montjuic führt. Allerdings fährt die Bahn heute aufgrund
des sehr stürmischen Wetters nicht und auch das in dem Turm
befindliche Restaurant hat aus Sicherheitsgründen geschlossen.

So laufen wir ein bißchen an der Strandpromenade entlang, auch wenn
uns der Wind immer kräftiger entgegenpustet. Quer durch Barceloneta
geht`s zurück zum Hafen, entlang dem ehrwürdigen Museu d´Historia de
Catalunya und von dort aus ins Barri Gótic, dem gotischen Viertel
mit seinen klassischen Bauten. Durch kleine, enge Gassen erkunden
wir beachtliche Bauwerke wie Kirchen, einen über eine Gasse
reichenden Balkon zwischen zwei Häusern, das Rathaus und den
Generalitätspalast. Durch manche Straßenschluchten fegt der Wind
fast unerträglich, es kostet Kraft dagegen an zuarbeiten, Staub
fliegt einem in die Augen und Zeitungen fetzen umher. Die Kathedrale
ist z.Zt. mit einem Gerüst eingehüllt, das sehr bedenklich wackelt,
so dass wir es für besser halten, den Rückweg anzutreten.
An den Ramblas erliegen wir den Verführungen der Tapas-Bars und
kommen so zu einer überschaubaren Mahlzeit mit unverhältnismäßigem
Preis. Wie wir später erfahren, sind gute und preiswerte Tapas-Bars
selten. Eine davon durften wir unter fachkundiger Leitung am letzten
Abend erleben.
2. Tag: L`Aquarium-Besichtigung und Wanderung über den
Montjuic
Heute haben wir uns die Besichtigung des Meerwasseraquariums
vorgenommen, das eines der größten Europas sein soll. Der Eintritt
ist mit EUR 15,50 pro Person nicht billig, allerdings wird einem
auch Eindrucksvolles dafür geboten, und ein guter Teil dient
letztlich auch dem Erhalt der Anlage.
Zunächst unterrichten verschiedene kleinere Aquarienkästen über
Fauna und Flora in einzelnen Unterwassergebieten, wie typische
Mittelmeersituationen, aber auch Unterwasserlandschaften der Karibik
oder z.B. des Roten Meeers. Je nach Gebiet tummeln sich dort bunte,
hübsche oder auch bizarre, gefährlich anmutende Fische, liebevoll
gestaltet mit den Korallen und Pflanzen der Region. Natürlich gibt
es auch Informationen über Seepferdchen, bei denen ja bekanntlich
die Männchen den Nachwuchs austragen.
Der Höhepunkt ist wahrscheinlich für jeden ein durch einen
Glastunnel begehbares, riesiges Becken mit Haien, Moränen, Rochen
und einem Mondfisch mit seiner ungewöhnlichen Form und
Flossenanordnung, den ich zuvor nur aus dem TV kannte. Die Fische
schwimmen über einem oder dicht neben einem, zum Greifen nah,
vorbei, und ich weiß nicht, wer neugieriger durch das Glas schaut –
die Fische oder wir.....Als Krönung bekommen wir noch eine
Haifütterung mit, bei der Taucher den Haien direkt in dem Becken
Fressen an längeren Stangen förmlich in das Maul stopfen.
Zum Ende hin kommt man an ein Becken mit Tintenfischen, die je nach
Gemütslage gern mal zu Streichen aufgelegt sind, und mal auch nur
vor sich hindösen. Interessant zu sehen sind auch ein paar zierliche
„Tierchen“, die sich in Form und Farbe ideal an die sie umgebender
Pflanzenwelt angepaßt haben.
Da man in dem Aquarium nicht mit Blitz fotografieren darf, die
Belichtungszeiten bei dem abgedunkelten Licht im eigentlichen
Aquariumsteil aber unscharfe Aufnahmen hervorrufen, empfiehlt sich
eine Videokamera, die ohnehin die Erlebnisse transparenter und
lebendiger aufzeichnet.
Es folgt noch eine gesonderte Ausstellung mit verschiedenen
Themenbereichen wie Fragen zu Strömungen, Wasserwirtschaft u.ä.,
aber auch Terrarien, in denen sich Schildkröten, Leguane, Frösche
und auch Pinguine tummeln.
Einzig störend haben wir die vielen Schulklassen unterschiedlichster
Nationalität und Altersgruppen empfunden, die nahezu gleichmäßig
undiszipliniert und z.T. kreischend durch die Ausstellung zogen. Um
ihnen aus dem Weg zu gehen, haben wir den Rundgang quasi zweimal
durchlaufen.
Souvenirgeschäft und Fast-Food-Restaurant konnten uns im
Preis-Leistungs-Verhältnis nicht überzeugen und wurden daher
ausgelassen.
Wanderung über den Montjuic
Nach unserer ca. 2 stündigen Besichtigungstour gönnen wir uns eine
kleine Verschnaufpause auf „unserer“ Bank (von gestern) mit
Hafenblick. Leider fährt die Seilbahn (Transbordador Aeri) aufgrund
des immer noch kräftigen Windes auch heute noch nicht wieder.
Schade, wäre sicher ein toller Ausblick über Hafen und Stadt von den
96 m und 158 hohen Pfeilern gewesen. Also erklimmen wir den Montjuic
zu Fuß. Vom Aquarium geht´s an der Kolumbussäule und hinter dem
Museu Maritim mit Resten der Stadtmauer vorbei in eine kleine
Grünanlage, von wo aus ein Weg aus meist Treppen den Hang hinauf
führt zum Jardín de Miramar (hübsch angelegter, öffentlich z.T.
begehbarer Garten des gleichnamigen Hotels), wo sich auch
gleichzeitig die „Bergstation“ der Seilbahn befindet. Von hier aus
hat man einen schon faszinierenden Blick über die Stadt.
Wir „arbeiten“ uns weiter aufwärts Richtung des Aussichtspunktes
Mirador del Alcalde mit seinem überraschenden Pflaster aus u.a.
Glasscherben. Von hier aus sowie von der leicht oberhalb des
Aussichtspunktes liegenden Festung Castell de Monjuic hat man einen
noch spektakuläreren Blick über Stadt und Hafenanlagen. Das Castell
beherbergt in seinem Inneren das „Museu Militar“, was sich durch ein
paar außen zu besichtigende Kanonen und Lafetten zeigt.
Heute haben wir eine insgesamt schon ausgiebige Laufleistung in den
Knochen und beschließen, die eigentlich länger geplante Wanderung
über den Olympia-Park deutlich abzukürzen. So geht´s jetzt bergab,
vorbei an der gerade in Neubearbeitung befindlichen zweiten Bahn auf
den Hausberg, die Teleferic, und an der Skulptur der Sardana-Tänzer
(Gemeinschaftstanz der Katalanen) Richtung Museu Etnològic. Dabei
kommen wir durch verschiedene kleine, an den Hang gepflanzte, sehr
hübsch angelegte, ruhige Parks mit teilweise hohem Baumbestand und
können so der offiziellen Straße entfliehen.
Für einen Abstecher auf die sicherlich sehenswerte Placa Espanya
sind unsere Füße heute schon zu müde und so nehmen wir geradewegs
Ziel auf unser Hotel quer durch den Stadtteil San Antoni. An der
Ecke „Carrer del Comte..“ und der „Gran Via..“ entdecken wir –
völlig erschöpft - ein kleines Lokal, das mit zweigängigen Gerichten
zu Mittagstisch (bis max. 16.00 Uhr) für ca. EUR 8,-- wirbt. Da auch
Einheimische und Senioren anzutreffen sind, probieren wir es aus,
und bekommen eine preiswerte, gute Qualität an Speisen geboten. Auch
die Getränkepreise sind moderat und dienen nicht der „Aufblähung“
der Rechnung. Die Karte ist hier allerdings ausschließlich in
spanisch; man muss also schon eine gewisse Vorstellung haben, was es
dort gibt. Im Zweifel versuchen die freundlichen Bedienungen auch zu
helfen, so gut es eben geht.

3. Tag: Modernisme
Nachdem wir in den letzten Tagen viel Klassisches gesehen haben,
wollen wir uns heute der Modernisme widmen. Von unserem Hotel folgen
wir der „Carrer de Valencia“ in Richtung Innenstadt, immer entlang
der Jugendstilhäuser, die allesamt im Untergeschoß irgendein
Geschäft oder eine Bar haben. Nach Überqueren der „Rambla de
Catalunya“ erreichen wir die „Passeig de Gràcia, eine
beeindruckende, sehr breite, quirrlig-noble Einkaufsstraße, an der
alle guten Modeadressen vertreten sind. Allein, um die hier
herrschende Atmosphäre zu erfassen, sollte man sich eine Weile an
den Rand stellen, das Geschehen an sich vorbeiziehen lassen und
einen gezielten Blick auf die imposanten Gebäude verschiedenster
Machart zu werfen.
Schon an der nächsten Straßenecke erwartet uns ein Monument der
Modernisme, das von Gaudí erbaute „Casa Batllo“ mit seiner bunten
Fassade, das weder in Form noch Farbe viel mit traditionellem
Hausbau zu tun hat. Überhaupt, die gesamte Häuserzeile dieses Blocks
inkl. der Nachbarhäuser ist außerordentlich sehenswert.

Wir drehen um und gehen auf der gegenüber liegenden Straßenseite
nördlich bis zur Ecke „Carrer de Provenca“, wo wir auf das ebenfalls
von Gaudí erbaute „Casa Milà“ treffen, das auch abseits der Normen
geschaffen wurde. Seine bauchigen Balkone und geschwungenen
Balkonbrüstungen aus - zwischenzeitlich angerostetem – Schmiedeeisen
geben dem Haus eine wellenartige Form und haben für den
umgangssprachlichen Namen „la Pedrera“ (= Steinbruch) gesorgt.
Über die „Provenca“ bis zur „Diagonal“ und übe die „Mallorca“
gelangen wir zu dem wohl bedeutensten Monument der Modernisme: die „Sagrada
Familia“, bei der es sich um ein seit 1882 im Bau befindliches, –
gemessen an klassischen Kirchen – eher skurrilen Bauwerk mit vielen
(z.Zt. acht von geplanten 13) Einzeltürmen und (neo)gotischer
Fassade handelt, die durch andere Stilelemente wie Figuren
(Tannenbaum mit Tauben (sogenannte Weihnachtsfassade)), Schriftzügen
(„Sancla“) oder Skulpturen wie die weiße Madonnenstatue durchsetzt
wird. Skurril aber irgendwie schön! Die Bauarbeiten werden
ausschließlich aus Spenden und von den Eintrittsgeldern finanziert
und gehen auf Pläne von Gaudì zurück.

Von hier aus arbeiten wir uns nach oben: Wir wollen den Park Güell
auf dem Hügel besuchen, bei dem auch Gaudí seine „Finger im Spiel“
hatte. Dieser Park sollte ursprünglich eine Art „Wohnen im Grünen“
werden, bei der sich die Häuser perfekt in die Landschaft einfügen.
Dazu hatte der Großindustrielle Güell Gaudí Anfang des vorigen
Jahrhunderts beauftragt, der auch damit begonnen hatte. Als aber die
Stadt Barcelona nicht mitzog, blieb eben der hübsch angelegte Park,
der heute kostenlos öffentlich zugänglich ist.
Wir erreichen den Park über einen Nebeneingang und folgen dem
Hauptweg, der uns an Säulengängen vorbei direkt zu dem zentralen
Platz des Parks führt. Dieser Platz zeichnet sich rundherum durch
kleine Sitznischen aus, die allesamt mit buntem Keramiksteinen
ausgekleidet sind, und zwischen zwei weiteren bunten Gebäuden einen
schönen Blick auf die Stadt freigeben. Alles wirkt unheimlich
fröhlich und leicht hier oben. Weiter auf dem Hauptweg entlang, geht
es nochmals bergauf bis zu einem kleinen „Turm“ mit einem
Gipfelkreuz. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick auf die
Stadt, aber auch das Hinterland wie z.B. den Parc d`Atraccions del
Tibidabo, ein großer Vergnügungspark auf einem Nachbarhügel.
Nach einer kleinen Verschaufpause auf einer Bank laufen wir jetzt
auch auf z.B. kleineren Wegen mit Treppen und kommen so irgendwann
wieder auf den zentralen Platz, den wir seitlich in Richtung der
schon erwähnten bunten Häuser (eines davon ist das Gaudí-Museum)
verlassen. Der Weg führt durch eine imposanten Säulenhalle, die auch
durch ihre Asymetrie den Blick fängt und beeindruckt. Von dort aus
gelangen wir an den eigentlichen Haupteingang des Parks mit seiner –
wie ich sie nenne –„Prunktreppe“. Diese zieht sich über zwei Stränge
nach unten und beherbergt die Figur des Python, ein drachen- oder
leguanähnliches, grün-blaues, sehr eindrucksvolles Keramiktier.

Vom Haupteingang aus geht`s jetzt bergab, quer durch ein recht
einheimisch anmutendes Wohnviertel mit engen Gassen, die z.T. nur
für Fußgänger vorgesehen sind, aber natürlich auch mindestens von „Motos“
genutzt werden. Wir kommen an der alten Kirche Sta. Creu vorbei, an
einer sehr einheimischen Markthalle und landen schließlich nach
einigem Zick-Zack-Lauf an der Kreuzung der „Diagonal“/Passeig de
Gràcia, wo sich das Hauptgebäude der Deutschen Bank vor uns
auftürmt.
Wir laufen schließlich zum Hotel zurück und legen auch hier eine
dringend notwendige Pause ein. Es fällt uns schwer, aber einmal
können wir uns noch aufraffen, unser kleines Restaurant von gestern
zu besuchen. Dort gibt es heute als ersten Gang Paella (auf die ich
solchen Appetit habe) und als zweiten Fisch bzw. – durch falsch
gedeutetes Vokabular – Leber, die durch dazu gereichtes Alioli auch
für Nicht-Leber-Fans erträglich wird.
Auf dem Rückweg versorgen wir uns mit Wein, frischem Weißbrot und
einer gehörigen Portion Serrano-Schinken und machen heute abend
unsere eigene Tapas-Bar im Hotelzimmer auf. Laufen wollen und können
wir heute nicht mehr.....
4. Tag: Ein Sonnentag am Meer und eine fantastische Tapas-Bar
mit Frank
Heute wollen wir uns ein bißchen schonen, damit wir unsere
Verabredung am Abend mit Frank „noch erleben“. Tatsächlich läuft das
Programm nicht wirklich unter „Schonung“. Es beginnt ganz harmlos:
Wir wollen den Arc de Triomf anschauen und laufen so zunächst in
Richtung Placa de Catalunya und später auf dem Mittelboulevard der
„Gran Via“ entlang. Die Straße ist hier laut und hektisch und die
Abgase belästigen trotz des kühlen, aber sonnig-schönen Wetters. Wir
biegen ein in den „Passeig de San Joan“ und sehen schon nach wenigen
Schritten den Triumpfbogen in seiner ganzen Pracht, der von der fast
gleißenden Sonne von hinten beleuchtet wird. Durch den Bogen
erreicht man den mit großen Leuchtern gesäumten Boulevard „Passeig
Lluís Companys“, auf dem es sich herrlich flanieren läßt, und am
eindrucksvollen Gebäude des „Museu de Zoología“ mit seiner großen
Kuppel und dem blauen Glasdach in einen sehenswerten Park
(Zitadelle) einmündet. Wendet man sich von hier aus nach links,
kommt man an einen großen, sehr sehenswerten Brunnen, der anläßlich
der Weltausstellung 1888 von dem Lehrmeister Gaudìs erbaut wurde.
Anders als am berühmten Trevi-Brunnen in Rom, schenken ihm heute nur
wenige Besucher Aufmerksamkeit. An der nächsten Ecke wartet die
nächste Überraschung auf uns: Dort steht ein fast lebensgroßes
Mammut als Skulptur und wirkt dabei unheimlich echt. Wir schlendern
weiter durch den Park, am Teich entlang und kommen zu der
ehrwürdigen Gebäude mit der Aufschrift „Parlament de Catalunya“.
Natürlich wimmelt es hier nur so von Schulklassen, die diese
Kulturgüter gern mit dem Besuch des benachbarten Zoos verbinden. Den
haben wir heute nicht auf unserer Agenda und so verlassen wir den
Park hinter dem Zoo entlang in Richtung Olypia-Hafen. Zwischen den
beiden bekannten Hochhäusern hindurch kommen wir vorbei am „Fisch“
(eines der Wahrzeichen Barcelonas) zum Yachthafen, in dem sich
einige eindrucksvolle Schiffe befinden. Es muß im Sommer ein reines
Vergnügen sein, hier sein Boot zu besteigen und einfach mal eben los
zu schippern. Auch heute sind einige wenige auf dem Wasser aktiv.
Wir harren hier eine ganze Weile auf der Kaimauer aus und saugen die
Atmosphäre in uns auf, zumal die Sonne jetzt richtig angenehm wärmt.
Später laufen wir über die Uferpromenade nach Barceloneta, setzen
uns hier erneut mit Meerblick auf eine Bank und schauen ausgiebig
den Wellenreitern zu. Was für ein herrlicher Tag im Januar!

Wir laufen weiter zum Aquarium, gönnen uns dort eine kleine
Zwischenmahlzeit bei McDonald´s und schauen auf einer Bank der
Seilbahn zu, die jetzt wieder fährt. Bei den vielen Pausen heute
können wir ja noch kurz das World Trade Center auf der
Nebenhalbinsel erkunden. Es stellt sich ein relativ kalter Hotel-
und Kongresskomplex heraus, den wir – vorbei an der Mittelsäule der
Seilbahn (Torre de Jaume I) - schnell wieder verlassen. Über die
Ramblas, wo am Freitag nachmittag deutlich mehr los ist als die Tage
zuvor, und unseren inzwischen geübten Weg durch die Jugendstilhäuser
laufen wir ins Hotel zurück.
Am Abend stürzen wir uns erneut ins Getümmel: Da wir ohnehin an der
Rambla de Catalunya verabredet sind, gehen wir etwas früher los und
planen einen Rundgang durch das Kaufhaus „El Corte Inglés“ ein.
Danach haben wir tatsächlich noch ein bißchen Zeit, die „Gràcia“ und
ihre Umgebung im Dunkeln zu erleben: Viele, vorwiegend junge
Menschen drängen sich fröhlich lachend in den Straßen zum
Einkaufsbummel, viele kleine und größere Geschäfte locken auch in
kleinen Nebengassen mit ihren Waren, meist Mode, in bunt
erleuchteten Schaufenstern und es herrscht ein quirrliges Treiben
überall.
Über die Ramblas müssen wir jetzt schneller als uns lieb ist zurück.
Frank wartet an der Ecke Rambla de Catalunya/Gran Via vor der Bar
„Ciudad Condal“ auf uns, wo wir einen wunderbaren Abend mit
fantastischem Wein und exzellenten Tapas zu recht vernünftigen
Preisen erleben. Frank lebt schon seit einigen Jahren in Barcelona,
hat somit im „Lokal seines Vertrauens“ reserviert (anders wäre hier
trotz der relativ frühen Zeit um 20.00 Uhr nicht an einen Tisch zu
denken) und berät uns bei der Auswahl. Wir haben schließlich ein
buntes Programm aus patatas bravas (Kartoffeln mit scharfen
Knoblauchsaucen), Aufschnittplatte, Langustinos de la plancha
(gegrillt), einem mit Tomaten angemachten Kabeljaufilet und
überraschend gut schmeckenden „Stabmuscheln“, deren Namen ich
allerdings vergessen habe, auf dem Tisch. Frank reichert diese
Mischung noch mit Geschichten von Land und Leuten und natürlich von
sich selbst an, so dass es ein echt gelungener, kurzweiliger Abend
wird, der unseren Kurztripp optimal ausklingen läßt.

Fakten:
Flüge:
gebucht über Internet, Air Berlin Direktflug Hamburg-Barcelona und
zurück, hin insg. EUR 57,--, zurück EUR 68,--, Abbuchung über Konto
via Lastschrift.
Hotel:
Century Park, (Carrer de Valencia), 3 Sterne, DZ pro Nacht EUR
36,--, saubere, dem Standard entsprechende Zimmer mit TV, Bad mit
vernünftigem Warmwasser und Wasserdruck, einfaches, eher dem
spanischen Geschmack angepaßtes Frühstücksbuffet (Brötchen,
Aufschnitt, Käse, Marmelade, Früchte aus der Dose, dafür viel
Kuchen).
Standort im Jugendstilviertel l´Eixample, an stark befahrender
Straße, wird nachts ruhiger, Fußweg zur Placa de Catalunya ca. 30
Minuten.
Taxikosten zu/vom Flughafen ca. EUR 20,--
Gebucht über Internet, Abbuchung via Kreditkarte.
Rezeption spricht neben spanisch auch englisch, ein Mitarbeiter
sogar ein bißchen deutsch (verständlich), händigt Stadtkarte aus und
gibt eine Kurzeinweisung auf Sehenswürdigkeiten und Verkehrsmittel.
Keine eigene Abend-Bar.
Gesamturteil: In Ordnung – preiswert.
Vorbereitung:
Reiseführer Baedecker Sapnien und Merian Barcelona