Ein Ausflug in das ligurische Hinterland
Nachdem uns die Fahrt mit Marijan nach Monaco so gut gefallen hat,
buchen wir einen weiteren Ausflug mit ihm: Heute geht es in
verschiedene Dörfer im ligurischen Hinterland, denn der
Küstenstreifen ist lange nicht alles, was Ligurien zu bieten hat!
Marijan zeigt uns zunächst das Haus eines bekannten Forschers und
Entdeckers (Clerance Bicknell) in Bordighera, das sich hinter uralten Bäumen – halb
Fikkus, halb Magnolie – versteckt. Die Luftwurzeln und Äste der
dicken Bäume haben inzwischen einiges „umarmt“, so z.B. ein
Gartentor. Heute ist das kleine Haus eine Bibliothek und stellt auch
frühzeitliche Funde von Steinmalereien aus.
Weiter geht es nach Dolceaqua, einem äußerst sehenswerten,
mittelalterlichen Örtchen, in dem die Dorier auf dem Hügel eine Burg
erbauten. Hier soll auch der wüste Andrea Doria gewohnt haben, der
von Genua offenbar ferngehalten werden sollte. Inzwischen ist die
Burg zerstört und nur noch eine Ruine übrig. Wie in vielen der
Bergdörfer hier krallen sich auch in Dolceaqua die Häuser an den
Berg. Wenn man keinen Platz hat, muß man in Höhe bauen. Und so gibt
es in den engen Gassen Häuserschluchten mit bis zu 15 m hohen Wänden
aus groben Feldsteinen. Auch das Bodenpflaster passt sich der Machart
der Fassaden an.
Nach dem Spaziergang durch den Ort, besuchen wir das dortige
3-D-Visionarium. Das hat nichts mit den üblichen Rundkinoszenen zu
tun. Die eigene Werbung u.a. mit Uganda-Bildern ist ein wenig
missverständlich. Tatsächlich hat der Betreiber, der eigentlich
Tischler ist, wunderbare 3-D-Fotos aus dem Nervia-Tal zu bieten, die
einen in die versteckte Bergwelt Liguriens geradezu „zum Anfassen“
mitnimmt. Die äußerst beeindruckenden Bilder von der Landschaft im
Wandel der Jahreszeiten und traumhafte Blumenfotos werden
unterstützt von akustischen und Duft-Effekten. Man hat das Gefühl,
man säße mitten im Bild! Nach ca. einer halben Stunde schießt und
raucht zum Schluss sogar ein kleine Kanone zu Bildern von einem
Feuerwerk!
Der Schreiner hat sich aber auch noch fachlich verewigt: ein
liebevolles Modell der alten, intakten Burg aus Olivenholz und ein
detailgetreues Modell des Ortes hat er in einem Nebenraum
ausgestellt. Den Besuch darf man sich bei einem Eintrittspreis von
Euro 3,-- auf keinen Fall entgehen lassen!
Wir fahren weiter nach Isolabona, wo wir ein bißchen durch den Ort
schlendern, ehe wir das Weingut Gajaudo zur Weinprobe ansteuern. Die
Familie nimmt uns auf wie Freunde und Marijan übersetzt fleißig. Wir
bekommen Eindrücke aus der Produktion und verkosten vollmundige
Weine und hervorragende regionstypische Pesti, Oliven, Pepperoni,
verschieden eingelegte Knoblauchzehen und herrlich
geschmacksintensive getrocknete Tomaten! Davon muss einiges mit nach
Hause – um dunkle Wintertage aufzuhellen!
Später geht es über eine kurvige Bergstraße immer am steilen Hang
entlang in das ursprüngliche Dörfchen Apricale. Marijan zeigt uns
eine kleine Kapelle, die sehr versteckt liegt und mit hübschen
Deckenmalereien ausgestattet ist. Außerdem weiß er uns auf die
kleine örtliche Brauerei hin, deren Erzeugnis reißenden Absatz
findet, der Betreiber aber lieber klein bleiben will und trotz der
großen Nachfrage nicht expandiert. Auch hier spazieren wir durch die
engen Gassen und bewundern die uralte Steinbausubstanz, das alte und
das neue Rathaus sowie die hübsche Kirche. In dem
kleinen Restaurant gibt`s dann Pizza und natürlich das örtliche Bier
- lecker! Wir lassen uns Zeit, genießen die Aussicht von der
Terrasse aus und unterhalten uns nett.
Auf dem Rückweg wartet noch eine weitere Attraktion auf uns: Marijan
meldet und telefonisch bei einer Orchideenaufzucht in Vallecrosia an.
Der Betreiber ist zwar selbst nicht da, aber Marijan hat die Führung
schon häufiger erlebt und liefert so höchstpersönlich und sehr
souverän die wissenswerten Informationen. Auf rd. 7.000 qm erstreckt
sich die Aufzucht in verschiedenen Stadien und klimatischen
Verhältnissen. Ein wunderbares Blüten- und Dufterlebnis!
Zum Schluß hält Marijan – weil wir da noch nicht waren – am
südlichsten Punkt der Riviera dei Fiori, der kleinen Kirche von San
Ampelio, in der alles, inklusive das Bett, aus Stein sein soll. Wir
klettern auf die ausgewaschenen Felsen, die wie eine Mole in Meer
führen, genießen den Ausblick von dort und erfahren, dass hier viele
Hochzeitspaare ihre Fotos machen lassen.
Auch von diesem Ausflug kann man ohne Zögern sagen, dass er sich in
allen Teil gelohnt hat. Ein weiterer „perfect day“!
Impressionen Dolceaqua
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