Rundweg um den Canyon du Verdon
Wir starten unsere Tour in les Salles sur Verdon, wo wir auf dem
Campingplatz „Les Pins“ Station machen. Von da aus schraubt sich die
kleine Straße D 71 zunächst den Berg hoch und gibt herrliche Blicke
auf den türkis leuchtenden Lac de Sainte Croix und Umgebung frei.
Kurz darauf stoßen wir auf das niedliche Örtchen Aiguines mit
kleinem Schloß. Hier hat gerade ein Touristenbus seine Ladung
ausgespuckt und die Leute haben ihre Augen überall, nur nicht auf
der Straße. So sehen wir zu, uns dem Menschengewirr rund um unsere
Maschine schnell zu entziehen.
Die Straße schlängelt sich weiter bergauf und ermöglicht immer neue
Panoramaausblicke zunächst auf die teils schroffe Berglandschaft und
schließlich auf den Canyon, der bis 800 Meter tief ist und in dem
sich das Flüßchen Verdon smaragdgrün voranarbeitet. Die Straße ist
ein Traum und ein bauliches Meisterwerk : Herrliche Kurven direkt am
Berg entlang und atemberaubende Ausblicke auf eine fantastische
Landschaft! Allerdings erfordert sie auch einiges an Konzentration,
da immer einmal wieder kleine Steine besonders in Rechtskurven
liegen und entgegenkommende Busse unmißverständlich klar machen, wer
hier der Stärkere ist. Und Achtung: vor scharfen Kurven warnt hier
keiner – schließlich sind hier fast alle Kurven scharf! Für die gut
100 km lange Strecke lassen wir uns mit vielen Fotopausen rd. 4
Stunden Zeit. Bernd ist der Meinung, man müsse die Tour dreimal
fahren: langsam einmal links und einmal rechts herum und einmal nur
für`s Motorradfahren!
Der Weg führt uns durch Arkaden und stockdunkle Tunnels zunächst
bergauf, dann wieder bergab, bis wir das Flüßchen l `Artuby
überqueren und wir den Balcon de Mescla erreichen, von dem man einen
herrlichen Einblick in die Canyonlandschaft hat: schroffe Felsen,
z.T. mit grüner Vegetation wachsen und der gurgelnde, grüne Fluß mit
seinen weißen Schaumkrönchen.
Nach einer kurzen Pause dort biegen wir auf die D 90 und kommen
schließlich zu dem sehr ursprünglichen Dörfchen Trigance, das sich
samt Burg in den Feld gekrallt hat.
Weiter geht es durch die Schlucht, die sich das Flüßchen le Jabron
gegraben hat, natürlich immer am Fels entlang. Nach dem Tunnel am
Pont de Carajuan biegen wir in eine Sackgasse ein, die zu einem der
Einstiege in die Canyonlandschaft führt, und von einigen Wanderern
genutzt wird. In den Motoradklamotten ist uns allerdings nicht so
sehr nach Wanderungen. Man kann im Canyon verschiedene Routen mit
unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden begehen. Vernünftiges
Schuhwerk, reichlich Wasser und Proviant sowie Sonnenschutz ist
dabei selbstverständlich und unerläßlich!
Kurz danach erreichen wir den Aussichtspunkt Point Sublime, wo wir
auf eine kleine Gruppe deutscher Biker treffen. Hier gibt es
selbstverständlich auch einen Souvenierstand, wo wir auch einen
Sticker erwerben – muß sein, bei der Gegend!
Vor dem Ort la Palud sur Verdon finden wir den Abzweiger auf die D
23-Schleife, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Da der Weg
z.T. Einbahnstraße ist, befährt man ihn am besten im Uhrzeigersinn –
so erlebt man auch die richtige Reihenfolge der Dramatik: Wir
schwingen auf kurviger Strecke bergauf und erreichen einen gut
besuchten Parkplatz. Hier trifft sich die Kletterergemeinde zum
gemeinsamen „Abhängen“ im Fels – mir wird beim Hinsehen schon übel
und Bernd schärmt von seinen eigenen „Abseilerfahrungen“ vor zwei
Jahren im Rahmen einer Reserveübung.
Weiter geht`s zum Paß Collet Barris, vom dem aus man eindrucksvoll
die gegenüberliegenden Seite des Canyons inklusive der vorhin
befahrenen Straßen von oben bestaunen kann. Anschließend führt der
jetzt schmale Weg ohne Seitenbegrenzung steil den Berg hinunter.
Auch hier ist wieder höchste Konzentration gefragt und nichts für
Leute mit Höhenangst!
In la Palud nehmen wir wieder die größere D 952, die uns nicht
minder „beschwingt“ Richtung Moustiers Ste Marie führt, ein
hübscher, ebenfalls in den Fels integrierter Ort, den wir heute aber
nicht mehr besuchen wollen. Stattdessen biegen wir nach les Salles
ab und kommen auf der großen Brücke an die Stelle, wo der Verdon in
den Lac de Sainte Croix mündet. Allein das Farbspiel aus türkis und
grün beeindruckt schon. Darüber hinaus erinnert der Einblick in die
Felswände an Fjordlandschaften in Norwegen. Mit diesem Eindruck
endet kurz danach unsere Tour dann auch, und wir sind uns einig: Das
war eine der eindrucksvollsten Strecken, die wir bislang gefahren
sind.
Impressionen Canyon de Verdon
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