Über die Küstenstraße nach Alassio und durch die
Berge zurück
Heute wollen wir uns einmal den bekannten Sandstrand von Alassio
anschauen. Vom Campingplatz aus müssen wir dazu erst einmal durch
San Remo, das über eine hohe Verkehrsdichte unter chaotisch
anmutenden Verhältnissen verfügt. Die Autos reihen sich „fließend“
in den Verkehr ein (bitte keinesfalls auf deutsche Vorfahrtsregeln
bestehen!), viele haben die Spiegel angeklappt (braucht man hier
nicht, der Hintermann paßt schon auf!) und überall bahnen sich die
Scooter ihren Weg: rechts von einem, links von einem (auch wenn sie
anschließend rechts abbiegen möchten) und natürlich auf der
Gegenfahrbahn, bis das Weiße im Auge des Entgegenkommenden zu sehen
ist. Es gibt nur eins, den Italiener in sich wecken und im Strom mit
schwimmen (auch wenn man dabei die Carabinieri nicht ganz
regelkonform überholt). Ortskenntnisse sind bei diesem Verkehrsfluß
von Vorteil!
Hat man das überstanden, wird es für einige Kilometer auf der
Küstenstraße ruhiger bis wir nach Imperia kommen. Natürlich geht es
auch hier mitten durch die Stadt, vorbei an den Staus (wir haben
eben auch ein Moto!), ansonsten würde ich auch bald den
Kohlenmonoxydtod sterben – wie muss das hier im Hochsommer sein?
Hinter Imperia wird man für die bisherigen Mühen belohnt. Es folgt
eine schwungvoll am Berg entlang führende Straße mit wunderbaren
Ausblicken auf das Meer und den Küstenstreifen, so wie ich mir das
immer vorgestellt habe. Es geht durch mehrere Arkadentunnel, die den
Blick auf die Bucht von Alassio mit dem langen Sandstrand freigeben.
Kurz vor Alassio machen wir Halt und genießen die fast menschenleere
Strandatmosphäre für eine Weile. Dann stürzen wir uns wieder ins
Getümmel und arbeiten uns durch Alassio und mehrere Küstenorte bis
zum Ort Finale Ligure durch, wo wir die erste Gelegenheit nutzen, in
die Berge „abzutuachen“. Auf der Straße 490 fahren wir auf gutem
Belag am bewachsenen Hang bergauf, wo sich herrlich Ausblicke auf
das Tal, die Berglandschaft und das Meer ergeben. Die Straße ist gut
ausgebaut und ermöglicht so zügigen Kurvenspaß. Als wir den Paß
Colle di Melogno überqueren, ändert sich die bisher mediterrane
Landschaft schlagartig in mitteleuropäische Vegetation: Uns erwartet
ein großer Buchenwald im bunten Herbstkleid, der uns bergab mit
schwungvollen Kurven begleitet. Hohe Stangen an der Leitplanke geben
uns ein Gefühl dafür, wie viel Schnee hier im Winter zusammenkommen
muss – und das wenige Kilometer hinter der Küstenlinie, wo die
Badesaison schon im April wieder anfängt!
Später geht es wieder bergauf und nicht ohne Tournanti. Hier ist der
Straßenbelag nicht mehr ganz so gut. Ein kleine Rast im Wald brechen
wir schnell aufgrund im Gebüsch raschelnder Wildschweine ab – man
weiß ja nie....
Auf dem Weg sind wir fast allein, nur manchmal begleiten uns ein
paar Einheimische ein paar Kilometer bis zum nächsten Hof.
Weiter führt uns die Strecke durch das Valle Tanaro. Hier erinnert
mich die belebtere Talstraße an einen Streckenabschnitt vor Lofer in
Österreich und auch die Architektur der Häuser wirkt eher
alpenländisch als mediterran. Ab Ormea wird `s wieder alpiner und
wir „wedeln“ durch den Wald Richtung Imperia. So kommen wir zum
hübschen Bergdorf Pieve de Teco mit deutlich herausragender
Basilika. Einige Kilometer nach dem Ort biegen wir rechts ab
Richtung Colle San Bartolomeo ab, wo wir nach wieder herrlichem
Kurvenerlebnis bergauf einen kleinen Schotterparkplatz finden, der
wiederum eindrucksvolle Landschaftseindrücke erlaubt. Im Ort nicht
den rechten Abzwieger Richtung Taggia verpassen! Die kleine Straße
ist an manchen Stellen deutlich vom Frost in den Bergen gezeichnet,
aber immer noch vernünftig befahrbar und erlaubt schöne
Panoramaansichten.
Plötzlich ein Hund! Und ehe wir uns versehen, stehen wir in mitten
einer Ziegenherde, die sich langsam an uns vorbei drängelt, nicht
ohne Bernd mehrfach auf den Fuß zu treten. Vorsichtig fahren wir
weiter, um nicht in den Kurven auf den „Hinterlassenschaften“ der
Ziegen auszurutschen. Zum Glück biegen wir bald Richtung Carpasio
auf einen sauberen Straßenabschnitt ein, so dass wir wieder zügiger
die geschlängelte Straße genießen können. Bei Montalto Ligure
erreichen wir wieder das Argentina-Tal, das wir schon von unserer
Tour nach Triora kennen. Diesmal umgekehrt, geht es über Baldalucco
und Taggia wieder zurück ins quirlige San Remo, das nach der
einsamen Bergtour über insgesamt rd. 230 km noch viel chaotischer
wirkt als sonst schon!
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