03.04.07

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Italien

Tour in die zentrale Toskana

6. Oktober 2006: Das Thermometer zeigt gegen 8.30 Uhr sonnige18 C mit steigender Tendenz auf bis zu 25. C – ideales Motorradwetter! Schnell ist eine Tour im GPS gesteckt und eingegeben, die uns zum Kennenlernen der atemberaubenden Landschaft quer durch die zentale Toskana führen soll. Ausgangspunkt ist Marina de Bibbona, direkt am Meer gelegen. Hier ist um diese Zeit nicht mehr viel los, die Saison ist vorbei und man kann Strand und Mittelmeer nur mit wenigen geteilt genießen.
Von dort aus steuern wir zunächst Richtung Süden und biegen wenige Kilometer später links ein in die Straße nach Bólgheri, eine schnurgerade, ca 5 km lange Straße, die eindrucksvoll auf der gesamten Strecke links und rechts von Zypressen gesäumt wird, und schon von dem heimischen Dichter Carducci „besungen“ wurde, was ihr einen ziemlichen Bekanntheitsgrad eingebracht hat. Von dort aus folgen wir einer kleinen, kurvigen Straße durch Weinfelder nach Bibbona. Wer jetzt – wie wir – nicht genügend im Tank hat, sollte noch einen Abstecher zu Auffüllen nach Cecina, machen. Cecina ist ein moderner Touristenort, wo man in diversen Supermärkten und Geschäften so ziemlich alles bekommt (eben auch auch Benzin „sensa piombo“), und in dem wir irgendwie einen Yachthafen vermißt haben.
So geht es dann vollgetankt über die „Strada del Vino“ bergauf durch einen schönen, schattenspendenden Wald nach Guardistallo und kurvenreich weiter nach Ponteginori Richtung Volterra. Schon nach kurzer Zeit stellen sich die so typischen Toskana-Motive ein: Höfe oder kleine Ortschaften auf sanften Hügeln, eingerahmt von Zypressen und/oder Pinien. Das mutet fast kitschig an, ist aber tatsächlich so wie auf den Bildern. Man kann sich gar nicht satt sehen an diesen Motiven und muß sich zwingen, nicht jedes Motiv zu fotografieren.
Wir gleiten durch diese beeindruckende Landschaft - die Felder sind zu dieser Jahreszeit zu großen Teilen umgepflügt und wirken in ihrer Trockenheit leicht grau und karg – und schrauben uns viele aussichtsreiche Serpentinen und Kurven hoch nach Volterra, der auf einem Hügel liegenden Stadt des Allerbasters. Seine Festung und seine Turmhäuser ragen weit sichtbar heraus. Wer aber von weither sichtbare Türme im Mengen sehen will, der muß San Gimignano besuchen, das auch das „Manhattan der Toskana“ genannt wird. Wetteifernde Familien hatten in ihrem Bestreben um Macht und Ansehen im Mittelalter diverse hohe Türme erbaut, von denen heute noch 13 erhalten sind. Den Palazzo del Popolo der mächtigsten Familie mit 54 m durfte aber keiner überragen. Das mittelalterliche Flair ist dem eigentlich kleinen Ort erhalten geblieben; dementsprechend überlaufen ist er leider auch. Auch im Oktober fallen täglich eine Flut von Touristenbussen ein, so dass wir von einer ursprünglich geplanten Einkehr Abstand nehmen.
Wir fahren weiter über das Kristallzentrum der Toskana, Colle di Val d´ Elsa, nach Monteriggioni, einer ebenfalls sehenswerten mittelalterlichen Dorf-Festung auf – natürlich – einem Hügel mit insgesamt 14 Wehrtürmen, um die die Straße im Bogen herum führt. Hier wird heute ein 4-Sterne-Hotel mit einem Restaurant betrieben, das auch typisch toskanische Kost anbieten soll.
Wir folgen der Straße nach Siena noch wenige Kilometer (Siena ist einen eigenen, gezielten Besuch wert) und zweigen kurz vor der Stadt dann rechts über kleine, aber immer noch gut befahrbare Nebenstraßen Richtung Sovicille ab. Die landschaftlich reizvolle Strecke führt uns bergauf, bergab - immer wieder begleitet von Zypressen, Pinien, Oliven- und Lorbeerbäumen - und auch durch kleine Dörfer, in denen alte Leute auf Bänken sitzend unser Motorrad begutachten und beim Vorbeifahren grüßen und winken.
Zwischendurch führt die Straße immer wieder durch Eichenwäldchen, die der Straße Schatten spenden. Über reichhaltige, schön zu fahrende Kurven und hübsche Aussichten erreichen wir zunächst das Örtchen Radicóndoli, dann Castelnouvo und Serrazzano, wo wir wieder unsere typische Toskana-Landschaft vorfinden. Über Cameto und Bibbona geht es wieder „nach Hause“ zurück.
Die Eindrücke auf dieser ca. 220 km langen Tour haben begeistert : Ein wenig befahrenes Kurvenparadies mit i.d.R. guten Belägen in atemberaubender (Kultur-)Landschaft bei angenehmen Temperaturen ! Mit dem nahen Mittelmeer nahe am Idealzustand eines Domizils !
Allerdings darf man nicht verkennen, wie anstrengend die von uns in ca. 5 ½ Stunden gefahrene Tour wirklich ist. Wir sind sie – wie gesagt – als „Übersichtstour“ gefahren. Sofern ein ausgiebigeres Besichtigungsprogramm eingeplant werden soll, empfehlen wir, die Strecke zu verkürzen.



 

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Stand: 03.04.07