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Italien
Tour in die zentrale Toskana
6. Oktober 2006: Das Thermometer zeigt gegen 8.30 Uhr sonnige18 C mit
steigender Tendenz auf bis zu 25. C – ideales Motorradwetter! Schnell
ist eine Tour im GPS gesteckt und eingegeben, die uns zum Kennenlernen
der atemberaubenden Landschaft quer durch die zentale Toskana führen
soll. Ausgangspunkt ist Marina de Bibbona, direkt am Meer gelegen. Hier
ist um diese Zeit nicht mehr viel los, die Saison ist vorbei und man
kann Strand und Mittelmeer nur mit wenigen geteilt genießen.
Von dort aus steuern wir zunächst Richtung Süden und biegen wenige
Kilometer später links ein in die Straße nach Bólgheri, eine
schnurgerade, ca 5 km lange Straße, die eindrucksvoll auf der gesamten
Strecke links und rechts von Zypressen gesäumt wird, und schon von dem
heimischen Dichter Carducci „besungen“ wurde, was ihr einen ziemlichen
Bekanntheitsgrad eingebracht hat. Von dort aus folgen wir einer kleinen,
kurvigen Straße durch Weinfelder nach Bibbona. Wer jetzt – wie wir –
nicht genügend im Tank hat, sollte noch einen Abstecher zu Auffüllen
nach Cecina, machen. Cecina ist ein moderner Touristenort, wo man in
diversen Supermärkten und Geschäften so ziemlich alles bekommt (eben
auch auch Benzin „sensa piombo“), und in dem wir irgendwie einen
Yachthafen vermißt haben.
So geht es dann vollgetankt über die „Strada del Vino“ bergauf durch
einen schönen, schattenspendenden Wald nach Guardistallo und kurvenreich
weiter nach Ponteginori Richtung Volterra. Schon nach kurzer Zeit
stellen sich die so typischen Toskana-Motive ein: Höfe oder kleine
Ortschaften auf sanften Hügeln, eingerahmt von Zypressen und/oder
Pinien. Das mutet fast kitschig an, ist aber tatsächlich so wie auf den
Bildern. Man kann sich gar nicht satt sehen an diesen Motiven und muß
sich zwingen, nicht jedes Motiv zu fotografieren.
Wir gleiten durch diese beeindruckende Landschaft - die Felder sind zu
dieser Jahreszeit zu großen Teilen umgepflügt und wirken in ihrer
Trockenheit leicht grau und karg – und schrauben uns viele
aussichtsreiche Serpentinen und Kurven hoch nach Volterra, der auf einem
Hügel liegenden Stadt des Allerbasters. Seine Festung und seine
Turmhäuser ragen weit sichtbar heraus. Wer aber von weither sichtbare
Türme im Mengen sehen will, der muß San Gimignano besuchen, das auch das
„Manhattan der Toskana“ genannt wird. Wetteifernde Familien hatten in
ihrem Bestreben um Macht und Ansehen im Mittelalter diverse hohe Türme
erbaut, von denen heute noch 13 erhalten sind. Den Palazzo del Popolo
der mächtigsten Familie mit 54 m durfte aber keiner überragen. Das
mittelalterliche Flair ist dem eigentlich kleinen Ort erhalten
geblieben; dementsprechend überlaufen ist er leider auch. Auch im
Oktober fallen täglich eine Flut von Touristenbussen ein, so dass wir
von einer ursprünglich geplanten Einkehr Abstand nehmen.
Wir fahren weiter über das Kristallzentrum der Toskana, Colle di Val d´
Elsa, nach Monteriggioni, einer ebenfalls sehenswerten mittelalterlichen
Dorf-Festung auf – natürlich – einem Hügel mit insgesamt 14 Wehrtürmen,
um die die Straße im Bogen herum führt. Hier wird heute ein
4-Sterne-Hotel mit einem Restaurant betrieben, das auch typisch
toskanische Kost anbieten soll.
Wir folgen der Straße nach Siena noch wenige Kilometer (Siena ist einen
eigenen, gezielten Besuch wert) und zweigen kurz vor der Stadt dann
rechts über kleine, aber immer noch gut befahrbare Nebenstraßen Richtung
Sovicille ab. Die landschaftlich reizvolle Strecke führt uns bergauf,
bergab - immer wieder begleitet von Zypressen, Pinien, Oliven- und
Lorbeerbäumen - und auch durch kleine Dörfer, in denen alte Leute auf
Bänken sitzend unser Motorrad begutachten und beim Vorbeifahren grüßen
und winken.
Zwischendurch führt die Straße immer wieder durch Eichenwäldchen, die
der Straße Schatten spenden. Über reichhaltige, schön zu fahrende Kurven
und hübsche Aussichten erreichen wir zunächst das Örtchen Radicóndoli,
dann Castelnouvo und Serrazzano, wo wir wieder unsere typische
Toskana-Landschaft vorfinden. Über Cameto und Bibbona geht es wieder
„nach Hause“ zurück.
Die Eindrücke auf dieser ca. 220 km langen Tour haben begeistert : Ein
wenig befahrenes Kurvenparadies mit i.d.R. guten Belägen in
atemberaubender (Kultur-)Landschaft bei angenehmen Temperaturen ! Mit
dem nahen Mittelmeer nahe am Idealzustand eines Domizils !
Allerdings darf man nicht verkennen, wie anstrengend die von uns in ca.
5 ½ Stunden gefahrene Tour wirklich ist. Wir sind sie – wie gesagt – als
„Übersichtstour“ gefahren. Sofern ein ausgiebigeres
Besichtigungsprogramm eingeplant werden soll, empfehlen wir, die Strecke
zu verkürzen.
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