15.09.06

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Höhlenbesichtigung der Pivka Jama

Bei den Höhlen von Postojna und Umgebung handelt es sich um eines der bedeutensten Höhlenssysteme Europas. Ein Teil davon ist neben der touristisch bekannteren Höhle direkt am Ort die nördlichere Pivka Jama. Wir befinden uns hier im sogenannten Karst-Gebirge, das in Slowenien als erstes erforscht wurde und so auch weltweit Referenzen bei Geologen geprägt hat, die ihre Werte mit den slowenischen abgleichen.

Die Führung beginnt direkt am Campingplatz „Pivka Jama“; dort befindet sich der Einstieg in die Höhle, der über 317 Felsstufen ca. 65 m hinab führt. Schon der Blick von unten auf den „Einstiegstrichter“ ist beeindruckend: die Pflanzen haben sich als dichter Bewuchs in den Fels gekrallt, und auch der Weg wirkt von unten noch abenteuerlicher als von oben. Hier tritt das Bächlein Pivka aus seinem unterirdischen Bett heraus. Nach einer kurzen Vorstellung unseres Führers Matthias, der deutsch, englisch und französisch spricht, geht es zunächst immer am Bachlauf entlang in die Grotte hinein. Matthias versichert uns zuerst, dass die Decken absolut sicher und stabil sind und auch in den letzten zig-tausend Jahren nicht eingebrochen sind – wir glauben ihm, schließlich ist er drei Mal täglich hier unten und wird schon wissen, was er da sagt. Diese bizarren Gesteinsmassen – er nennt es später „Abbruchmaterial“ – möchte ich jedenfalls nicht auf den Kopf bekommen!
Wir sehen eindrucksvolle Stalagmiten (wachsen von unten nach oben) und Stalagtiten (umgekehrt: hängen von der Decke; wenn beide zusammenwachsen spricht man von Säulen), je nach Mineralien in rotbraun, schwarz oder ocker-weißlich. In einer sogenannten Kapelle haben sie sich zusammengruppiert und sind entsprechend atemberaubend illuminiert. Der Bach verläuft zunächst mit kleinen Stromschnellen gurgelnd neben dem Weg her und bildet dann einen unterirdischen See aus, der oberflächlich scheinbar ruhig und glatt ist, in dem das Wasser aber in 12 m Tiefe durchrauscht.
Immer neue faszinierende Gesteinsbilder warten auf – die Beleuchtung tut das ihrige dazu; so gibt es Gesteinsfalten, die an Vorhänge erinnern; andere zeigen scheinbar Figuren.

Allein der Weg beeindruckt schon selbst: in den Fels geschlagen, mit Geländer gesichert, z.T. steil in mehreren Etagen, mal mit Treppen und – feucht! Es tropft – wie es sich für eine Tropfsteinhöhle gehört – und entsprechend naß ist der Boden. Es empfiehlt sich also entsprechende Kleidung (festes Schuhwerk und warme, am besten regendichte Jacken), denn die Temperatur im Inneren der Höhle beträgt konstant um die 10 C. Auch das Wasser behält Sommer und Winter seine Temperatur mit 10 C bei.
Wir treffen auf eine Stalagtiten-Gruppe, an der sich Bakterien angesammelt haben, die völlig ohne Photosynthese auskommen. Leuchtet man diese an, schimmern sie silbern oder goldfarben. Quarze lassen ganze Felswände festlich schimmern wie mit Diamanten besetzt.


Wir lernen Einiges über das Karst-Gebirge, Kalksandstein, Mineralien usw. und nähern uns einem Stollen, der in die „schwarze Grotte“ führt. Diese Stollen ist mit einer Eisentür gesichert, um in beiden Höhlensystemen die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse zu bewahren. Jede Höhle entwickelt sich individuell nach ihren spezifischen Rahmenbedingungen. So unterscheiden sich die Höhlen von Postonja und Pivka deutlich von einander, obwohl sie zu demselben System gehören. Überhaupt ist das ganze Höhlensystem ein ökologisch empfindliches Zusammenspiel, das sehr schnell durch Umwelteinflüsse ge- oder sogar zerstört werden kann. Auch aus diesem Grund nimmt man ständig Wasserproben und analysiert sie auf kleinste Veränderungen.
Man hat herausgefunden, dass die schwarze Grotte darum schwarz ist, weil sie bereits in früheren Jahren als „Kühlschrank“ für Nahrung genutzt wurde. Schwarz geworden ist sie letztlich durch den Ruß der Fackeln, die man bei der Einlagerung brauchte. Man sieht das ganz deutlich daran, dass nachwachsende Stalagmiten als weiße „Kerzen“ neu entstehen.
Hier befindet sich übrigens auch der Wächter der Höhle: der steinerne Löwe.

Aber nicht nur Menschen haben sich schon in der Steinzeit in der Höhle befunden. Trotz der wenig einladenden Bedingungen leben diverse Tierarten wie Spinnen, Krebse, Asseln usw. hier. Auch Fledermäuse kommen bisweilen als Besucher. Das sicher eindrucksvollste Tier, das hier ständig lebt, ist aber der lichtscheue Grottenolm: eine blinde, pigmentlose Salamanderart mit Außenkiemen und Lungen. Gesehen haben wir aber keines davon.

Die Wanderung endet nach rd. 3,5 km oder ca. 1,5 - 2 Stunden in dem „Großen Saal“, wo wir „Abbruchmaterial“ aber auch noch eindrucksvolle Gesteinsfiguren wie u.a. den „Alten“ der Höhle entdecken, der wirklich einen guten Überblick über die Riesenhöhle hat. Hier sehen wir das erste Mal wieder Tageslicht und – richtig – hier geht es über eine Menge Stufen, aber vergleichsweise weniger steil als beim Einstieg über einen Trichter wieder hinaus und über einen Waldweg wieder zurück zum Campingplatz.

Matthias hat das wirklich interessant, amüsant und lebhaft „`rübergebracht“ und die faszinierenden Eindrücke lohnen den Eintritt von rd. EUR 9,-- pro Person allemal.


 

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Stand: 15.09.06