Höhlenbesichtigung der Pivka Jama
Bei den Höhlen von Postojna und Umgebung handelt es sich um eines
der bedeutensten Höhlenssysteme Europas. Ein Teil davon ist neben
der touristisch bekannteren Höhle direkt am Ort die nördlichere
Pivka Jama. Wir befinden uns hier im sogenannten Karst-Gebirge, das
in Slowenien als erstes erforscht wurde und so auch weltweit
Referenzen bei Geologen geprägt hat, die ihre Werte mit den
slowenischen abgleichen.

Die Führung beginnt direkt am Campingplatz „Pivka Jama“; dort
befindet sich der Einstieg in die Höhle, der über 317 Felsstufen ca.
65 m hinab führt. Schon der Blick von unten auf den
„Einstiegstrichter“ ist beeindruckend: die Pflanzen haben sich als
dichter Bewuchs in den Fels gekrallt, und auch der Weg wirkt von
unten noch abenteuerlicher als von oben. Hier tritt das Bächlein
Pivka aus seinem unterirdischen Bett heraus. Nach einer kurzen
Vorstellung unseres Führers Matthias, der deutsch, englisch und
französisch spricht, geht es zunächst immer am Bachlauf entlang in
die Grotte hinein. Matthias versichert uns zuerst, dass die Decken
absolut sicher und stabil sind und auch in den letzten zig-tausend
Jahren nicht eingebrochen sind – wir glauben ihm, schließlich ist er
drei Mal täglich hier unten und wird schon wissen, was er da sagt.
Diese bizarren Gesteinsmassen – er nennt es später „Abbruchmaterial“
– möchte ich jedenfalls nicht auf den Kopf bekommen!
Wir sehen eindrucksvolle Stalagmiten (wachsen von unten nach oben)
und Stalagtiten (umgekehrt: hängen von der Decke; wenn beide
zusammenwachsen spricht man von Säulen), je nach Mineralien in
rotbraun, schwarz oder ocker-weißlich. In einer sogenannten Kapelle
haben sie sich zusammengruppiert und sind entsprechend atemberaubend
illuminiert. Der Bach verläuft zunächst mit kleinen Stromschnellen
gurgelnd neben dem Weg her und bildet dann einen unterirdischen See
aus, der oberflächlich scheinbar ruhig und glatt ist, in dem das
Wasser aber in 12 m Tiefe durchrauscht.
Immer neue faszinierende Gesteinsbilder warten auf – die Beleuchtung
tut das ihrige dazu; so gibt es Gesteinsfalten, die an Vorhänge
erinnern; andere zeigen scheinbar Figuren.

Allein der Weg beeindruckt schon selbst: in den Fels geschlagen, mit
Geländer gesichert, z.T. steil in mehreren Etagen, mal mit Treppen
und – feucht! Es tropft – wie es sich für eine Tropfsteinhöhle
gehört – und entsprechend naß ist der Boden. Es empfiehlt sich also
entsprechende Kleidung (festes Schuhwerk und warme, am besten
regendichte Jacken), denn die Temperatur im Inneren der Höhle
beträgt konstant um die 10 C. Auch das Wasser behält Sommer und
Winter seine Temperatur mit 10 C bei.
Wir treffen auf eine Stalagtiten-Gruppe, an der sich Bakterien
angesammelt haben, die völlig ohne Photosynthese auskommen. Leuchtet
man diese an, schimmern sie silbern oder goldfarben. Quarze lassen
ganze Felswände festlich schimmern wie mit Diamanten besetzt.

Wir lernen Einiges über das Karst-Gebirge, Kalksandstein, Mineralien
usw. und nähern uns einem Stollen, der in die „schwarze Grotte“
führt. Diese Stollen ist mit einer Eisentür gesichert, um in beiden
Höhlensystemen die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse zu
bewahren. Jede Höhle entwickelt sich individuell nach ihren
spezifischen Rahmenbedingungen. So unterscheiden sich die Höhlen von
Postonja und Pivka deutlich von einander, obwohl sie zu demselben
System gehören. Überhaupt ist das ganze Höhlensystem ein ökologisch
empfindliches Zusammenspiel, das sehr schnell durch Umwelteinflüsse
ge- oder sogar zerstört werden kann. Auch aus diesem Grund nimmt man
ständig Wasserproben und analysiert sie auf kleinste Veränderungen.
Man hat herausgefunden, dass die schwarze Grotte darum schwarz ist,
weil sie bereits in früheren Jahren als „Kühlschrank“ für Nahrung
genutzt wurde. Schwarz geworden ist sie letztlich durch den Ruß der
Fackeln, die man bei der Einlagerung brauchte. Man sieht das ganz
deutlich daran, dass nachwachsende Stalagmiten als weiße „Kerzen“
neu entstehen.
Hier befindet sich übrigens auch der Wächter der Höhle: der
steinerne Löwe.
Aber nicht nur Menschen haben sich schon in der Steinzeit in der
Höhle befunden. Trotz der wenig einladenden Bedingungen leben
diverse Tierarten wie Spinnen, Krebse, Asseln usw. hier. Auch
Fledermäuse kommen bisweilen als Besucher. Das sicher
eindrucksvollste Tier, das hier ständig lebt, ist aber der
lichtscheue Grottenolm: eine blinde, pigmentlose Salamanderart mit
Außenkiemen und Lungen. Gesehen haben wir aber keines davon.
Die Wanderung endet nach rd. 3,5 km oder ca. 1,5 - 2 Stunden in dem
„Großen Saal“, wo wir „Abbruchmaterial“ aber auch noch
eindrucksvolle Gesteinsfiguren wie u.a. den „Alten“ der Höhle
entdecken, der wirklich einen guten Überblick über die Riesenhöhle
hat. Hier sehen wir das erste Mal wieder Tageslicht und – richtig –
hier geht es über eine Menge Stufen, aber vergleichsweise weniger
steil als beim Einstieg über einen Trichter wieder hinaus und über
einen Waldweg wieder zurück zum Campingplatz.
Matthias hat das wirklich interessant, amüsant und lebhaft
„`rübergebracht“ und die faszinierenden Eindrücke lohnen den
Eintritt von rd. EUR 9,-- pro Person allemal.