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Italien
Chianti-Tour
Wir beginnen unsere Tour auf dem ideal dafür gelegenen Campingplatz
Girasole in Figline Valdarno (unweit von Florenz), von wo aus wir links
über die kurvige, gut ausgebaute Straße nach Dudda fahren und halten uns
von da an die Beschilderung Richtung Greve, der „Hauptstadt“ des
Chianti. Schon kurz vor dem Städtchen erwartet uns die erste
abenteuerliche Beschilderung dieser Strecke: ein Überholverbotsschild
unmittelbar vor einer Spitzkehre (tornante) und einer danach folgenden
T-Kreuzung!
Es ist Samstag und in Greve ist Markt auf der ohnehin schon quirligen,
sehenswerten, dreieckigen Piazza, die wir heute somit meiden. Es geht
erneut links ab auf die Straße 222, die via chiantigiana, Richtung Radda.
Die Straße ist in gutem Zustand, führt zunächst durch ein romantisches
Waldgebiet und dann auf zackigen Kurven `mal durch bewaldete Abschnitte,
`mal durch durch die typischen Zypressenszenen der Toskana, die in
diesem Abschnitt aber weniger vorkommen. Allerdings muss man mehrere Male
diese Strecke befahren, um die Landschaft `drumherum wahrzunehmen – zu
sehr nehmen einen die Kurven in den Bann: es gibt so gut wie keinen
geraden Meter, atemberaubende, flotte Schräglagen rechts folgen auf die
eben links, so dass meist kein Schalten zwischen den einzelnen Kurven
erforderlich oder möglich ist. So fliegen wir meist im 2. Gang durch die
Slalomstrecke, und mir wird es schon fast schwindelig, obwohl ich als
Sozia nicht zu der Sorte „Weichei“ gehöre.
Als „scharfe“ Kurven gekennzeichnete Abschnitte sollte man unbedingt
ernst nehmen; häufig ziehen sich diese zum Ende hin eng zu. Aber nicht
jede scharfe Kurve ist als solche ausgewiesen, und so sollte man sich
auch auf unerwartete, nicht vorher ausgeschilderte „tornanti“
einstellen. Ansonsten ist die Strecke ungetrübter Kurvenspaß mit gutem
Belag und wenig Verkehr!
In Radda, das neben Greve und Castelnouvo zu den wichtigsten Weinorten
des Chianti-Gebiets zählt, gönnen wir uns eine kleine Pause, genießen
den Blick auf die wunderschöne Landschaft und schlendern durch den
kleinen mittelalterlichen Ort. Dabei läßt es sich prima an der Straße
parken – direkt vor einem kleinen, nobel anmutenden Restaurant, das
turmartig über mehrere Stockwerke Ausblicke bei kulinarischen
Köstlichkeiten anbietet (sieht teuer aus). Wir laufen durch die kleinen,
verwinkelten Gassen mit den hübschen alten Häuschen und treffen hier
auch auf eine niedliche Außenterrasse eines sehr kleinen Lokals, auf die
gerade einmal zwei Tischchen mit Stühlen passen – leider alle besetzt!
Sehenswert ist auch die „Abschottung“ der Altstadtstraßen gegen
Durchfahrtsverkehr mit einem „beweglichen Blumenkübel“.
Wir folgen der Straße 429 auf einem landschaftlich und fahrtechnisch
besonders schönen Stück Richtung Gaiole (auch Wochenendrennstrecke für
Einheimische!) und „wedeln“ weiter durch Wein, Oliven, Eichen, Pinien
und Maronen nach Lecchi und bis hinter San Regulo auf der 484. Hier gibt
es einen ziemlich versteckten Rechtsabbieger nach San Felice, der sich
lohnt und auf hügeliges, wieder mehr typisch toskana-likes Gebiet führt.
Der folgende Abstecher über Bossi leitet uns auf einen weiteren Hügel
mit sehenswertem Weingut, wo natürlich auch Proben angeboten werden, die
wir heute aber nicht in Anspruch nehmen können. Dafür ist der Ausblick
auf eben diese Hügellandschaft mit zahlreichen Weingütern einfach
„berauschend“ genug und irgendwie fast kitschig!
Immer wieder begegnen uns wunderschöne Landschaftsbilder sowie Villen
und Güter in Zypressen eingerahmt, die als Restaurants oder Agricultura
(eine Art Ferien auf dem Bauernhof) einladen.
Wir halten uns wieder Richtung Castelnouvo, biegen aber links ab nach
San Gusmé, dem Sitz der Familie Ricasoli, die den gleichnamigen
berühmten Wein herstellen. Etwas unspektakulärer geht es weiter auf der
Straße nach Montevarchi, von wo aus wir noch einmal auf die via
chiantigiana über Cavriglia nach Castelnouvo di Sabbioni auf kleine,
geschlängelte Straßen einbiegen. Man muss schon gut aufpassen, um die
Straßengabelung auf die noch kleinere Straße nach Baddiaccia a Montemuro
(mitten im Wohngebiet des Örtchens) nicht zu verpassen. Die kleine
Abenteuerstraße bringt uns bald schon auf den breiteren und sicheren Weg
über Torsoli zurück nach Dudda und schließlich nach Figline Valdarno.
Diese Tour hat insgesamt ca. 140 km mit anspruchsvollen Kurvenlagen und
damit hoher Konzentration in sich. Man kann – ohne zuviel zu verpassen –
ab Gaiole über die 408 abkürzen nach Cavriglia. So erhält man eine ca.
85 km lange Tour, die immer noch rd. 2,5 Stunden Fahrt mit sich bringt.

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